Feature: Gaming-PC im Eigenbau - Teil 2: Optimierung

Wie unser erster Teil der Artikelreihe "Gaming-PC im Eigenbau" zeigt, ist es mit den richtigen Grundlagen und Kenntnissen nicht schwer einen potenten Rechner für fordernde Spiele eigenhändig auf die Beine zu stellen. Doch lässt sich ein solches System in vielerlei Hinsicht weiter optimieren. In diesem Teil widmen wir uns daher dem optischen und akustischen Tuning des erstellten Gaming-Rigs. Demnach werden wir unter anderem einfache Modding-Optionen und die Verbesserung von Airflow, Kühlleistung sowie Lautstärke näherbringen. Außerdem erläutern wir Steuerungs- respektive Überwachungsmöglichkeiten und testen diverse Lüfterbestückungen von Kühler und Case.


Im ersten Teil unsere Artikelreihe zum Eigenbau eines Gaming-PCs, haben wir ausführlich erläutert, wie die Komponenten für ein solches System ausgewählt und zusammengebaut werden. Neben Beispielkonfigurationen aus diversen Preisklassen finden sich darin außerdem eine detaillierte Montage-Anleitung, die Vorgehensweiße zur Installation von Windows und einige Performance- sowie Lautstärketests. Doch obwohl das erstellte System prinzipiell fertig ist, gibt es hinsichtlich der Optik, Geräuschkulisse und Kühlleistung noch weitere Optimierungsmöglichkeiten. Dieser Thematik widmen wir uns daher in dem zweiten Teil der Reihe "Gaming-PC im Eigenbau".

Anhand praktischer Beispiele zeigen wir unter anderem die Auswirkung diverser Lüfterkonfigurationen respektive deren Ausrichtung sowie die richtige Wahl der Fans für Radiator und Gehäuse. Zudem gehen wir auf die Wege ein, die Belüftung des PCs zu steuern und die Temperaturen der Komponenten sowie die Drehzahlen auszulesen. Zunächst steht allerdings die optische Verschönerung des Gaming-Systems im Vordergrund.

Gestaltung des Systems

Immer mehr wird das Aussehen eines Gaming-PCs zu einem gewichtigen Faktor. Dies wird gerade beim Blick auf vergangene Hardware deutlich: Wo einst Komponenten in einem extrem bunten Design zu finden waren, zeigen sich mittlerweile ästhetisch wirkende Bauteile, bei denen die Hersteller akribisch auf einen einheitlichen Look samt ansprechender Akzente achten. Damit lässt sich heutzutage allerdings schon beim Einkauf der PC-Bestandteile Einfluss auf die Gestaltung des System nehmen. Derzeit können Anwender gerade durch die mittlerweile einheitlichen Mainboard-Designs wählen, welche Farbe am Ende im Gehäuse-Inneren dominiert. Folgende Auflistung zeigt ein paar prominente Beispiele:

Daran ist zu erkennen, dass sich bereits mit der Hauptplatine der grundlegende Farbton des Systems entscheidet. Da ein Großteil der entsprechenden Hersteller auch farblich passende Grafikkarten anbieten, kann am Ende das gewünschte Design umgesetzt werden. Auch im Bereich der RAM-Module und Netzteile setzten die Unternehmen auf stimmige Farbakzente. Dieses Schema zieht sich mittlerweile bis zur Peripherie hin.

Bei unserem Beispiel-PC haben wir uns für eine rote Farbgebung entschieden und auf passende Komponenten von Asus und Corsair gesetzt. Dennoch bieten sich gerade im Bereich der Lüfter und der Netzteilkabel weitere Verschönerungsmöglichkeiten an: Neben Ventilatoren mit verschiedenster LED-Beleuchtung, sind Modelle mit wechselbaren Rändern oder in der gewünschten Farbe erhältlich. Allerdings sind bei deren Einsatzzweck einige Dinge zu beachten, die wir weiter unten in diesem Artikel ausführlich erläutern.

Doch wer einen wirklichen Blickfang im Gehäuse möchte, setzt auf das Sleeven der Kabel. Namhafte Netzteil-Hersteller verkaufen industriell gefertigte Kits optional für die eigenen PSU-Serien. Allerdings muss sich diesbezüglich auf eine Farbe (pro Kabelstrang) festgelegt werden. Zwar ist die Qualität solch einer Sleeve-Variante in der Regeln in Ordnung, doch die Länge des Schrumpfschlauchs ist vielen Astheten ein Dorn im Auge.

Wer sein System wirklich einzigartig gestalten und eine individuelle Note einbringen möchte, kommt am händischen Sleeven nicht vorbei. Passende Materialien in einer wirklich hohen Verarbeitungsgüte sind beispielsweise bei MDPC-X zu finden. Dieser Online-Shop führt alle erdenklichen Farbvarianten und kann zudem entsprechende Werkzeuge bereitstellen. Doch wer seine Netzteilkabel selbst verschönern möchte, braucht nicht nur Geschick und Geduld beziehungsweise Zeit, sondern auch das nötige Kleingeld. Neben dem Sleeve selbst, werden noch die beiden essentiellen Pin-Remover und unter Umständen sogar eine Crimp- und Abisolierzange nötig, um die Anzahl der Laufwerksanschlüsse dem System anzupassen.

In unserem Fall haben wir uns aus Zeitgründen für die einfachere Methode entschieden und das vorgeferigte Sleeve-Kit von Corsair in der Farbe Rot verwendet. Damit betonen wir die grundlegende Systemfarbe, können die Kabel aufgrund der höheren Flexibilität gegenüber den Standardleitungen aber auch einfacher hinter dem Mainboard-Tray verlegen. Beim richtigen Umgang mit den einzeln gesleevten PSU-Adern, lassen sich selbige zudem deutlich flacher unterbringen, sodass selbst wenig Platz zum Verstauen ausreicht. 

Natürlich lassen sich auch Dämmmatten, LED-Streifen, Aufkleber, diverse Gehäuse-Cover und besondere Lüftergitter nutzen, um das System weiter aufzuwerten. Auch das Lackieren einzelner Teile ist eine Möglichkeit der optischen Individualisierung des Systems. Allerdings sind einige der genannten Optionen nur durch einen höheren Zeit- sowie Arbeitsaufwand umzusetzen und erfordern teilweise handwerkliches Geschick.

Kühlungsoptimierung

Zwar können entsprechende Lüfter das System optisch aufwerten, dennoch liegt deren primäre Funktion im Bewegen von Luft. Letzteres sollte effizient, möglichst leise und nebengeräuschfrei erfolgen. Gerade billige Lüfter sind oft mit günstigen Lagern und Motoren ausgestattet, was im Betrieb und eben beim Reduzieren der Drehzahl zum Rattern führt. Sofern die Standardlüfter also ausgetauscht werden, ist auf einen hochwertigen Ersatz zu setzen. Doch vor dem Kauf gilt es, das gewünschte Einsatzgebiet zu beachten: Gehäuse-Lüfter sollten optimalerweise einen hohen Luftdurchsatz erreichen. Dabei bleibt der statischen Druck allerdings meist auf einem geringen Level. Als Beispiel führen wir Corsairs AF120-Fans in der Quiet-Version auf: Selbige erreichen laut Datenblatt bei 1.500 Umdrehungen pro Minute, einen Luftdruck von 0,75 Millimeter H2O und fördern dabei rund 89 Kubikmeter Luft pro Stunde. Das Gegenstück in Form der SP120 Quiet Edition arbeitet kaum langsamer, kann aber deutlich mehr Druck erzeugen. Bei 1.450 Umdrehungen pro Minute erzeugen die Lüfter bereits 1,29 Millimeter H2O. Die Förderleistung liegt mit knapp 64 Kubikmetern weit unter dem Airflow-Modell. 

Unsere Gehäuse-Lüfter tauschen wir daher gegen die  AF140 von Corsair. Dabei greifen wir auf die Quiet-Edition mit weißen LEDs zurück. Gegenüber den Standard-Lüftern des Obsidian 750D lassen sich die Ersatz-Fans deutlich weiter herunterregeln, was einer niedrigen Geräuschkulisse entgegenkommt. Der erzielte Airflow reicht selbst bei lediglich 600 Umdrehungen pro Minute aus, um den Innenraum bei voller Auslastung des Systems von der Abwärme zu befreien.

Auf CPU-Kühlern und Radiatoren sollten hingegen Lüfter mit einem hohen, statischen Druck zum Einsatz kommen. Der Luftdurchsatz spielt aufgrund der meist geringen Lamellenabstände nur eine untergeordnete Rolle. Wichtig ist, dass der Fan die Luft möglichst vollständig durch den Radiator oder Finnenturm pressen kann. Auf unsere H100i bauen wir deshalb die IndustrialPPC-Version von Noctuas NF-F12. Selbiger kann bei 2.000 Umdrehungen pro Minute einen Druck von fast vier Millimetern H2O aufbauen.

Performance-Test:  Lüfterkonfigurationen

Um in der Praxis zu verdeutlichen, wie sich die verschiedenen Lüfter auf einem Radiator verhalten, haben wir die Stock-Fans der H100i mit den AF120-Quiet- sowie den NF-F12-Modellen verglichen und unter denselben Voraussetzungen getestet. Zudem haben wir den Wärmetauscher mit zwei und vier Ventilatoren bestückt. Auch den Einfluss der Ausrichtung der Lüfter wurde von uns getestet.

Die Messungen fanden in unserem geschlossenen Gaming-PC statt. Dabei wurden alle Lüfter auf der Corsair H100i betrieben, deren Radiator am Deckel des Obsidian 750D montiert war. Gekühlt wurde der Intel Core i7-4770K, der für konstantere Messwerte ohne Turbo und EIST mit 3,5 Gigahertz bei 1.024 Volt unter Last lief. Letztere wurde mittels Prime 95 solang erzeugt, bis sich die maximalen Temperaturwerte nicht mehr änderten. CoreTemp diente als Monitoring-Software. Damit erhielten wir die Ergebnisse für alle vier Kerne. Die in den Tabellen angegebenen Werte sind der Mittelwert aller Kern-Temperaturen auf 20 Grad Celsius normiert. Die Lautstärke wurde aus einem Abstand von 30 Zentimetern seitlich vom geschlossenen Gehäuse gemessen. Um die Geräuschkulisse der getesteten Lüfter möglichst wenig zu beeinflussen, haben wir die Case-Fans auf 600 Umdrehungen pro Minute gedrosselt.   

Lüftervergleich: Luftdurchsatz vs. Luftdruck

Temperaturen

DrehzahlStock-LüfterCorsair AF-120 QuietNoctua NF-F12 industr.
100 Prozent51,9 °C (2.650 U/min)56,4 °C (1.600 U/min)53,2 °C (1.950 U/min)
75 Prozent53,5 °C (2.000 U/min)58,2 °C (1.200 U/min)54,3 °C (1.450 U/min)
50 Prozent55,8 °C (1.325 U/min)64,0 °C (800 U/min)57,2 °C (975 U/min)
1.600 U/min54,3 °C56,4 °C53,3 °C
1.300 U/min55,9 °C57,2 °C54,1 °C
1.000 U/min58,0 °C60,4 °C55,7 °C
800 U/min61,6 °C64,0 °C59,1 °C

Lautstärke

DrehzahlStock-LüfterCorsair AF-120 QuietNoctua NF-F12 industr.
100 Prozent52,7 dB(A) (2.650 U/min)40,6 dB(A) (1.600 U/min)47,2 dB(A) (1.950 U/min)
75 Prozent45,7 dB(A) (2.000 U/min)36,0 dB(A) (1.200 U/min)40,0 dB(A) (1.450 U/min)
50 Prozent37,5 dB(A) (1.325 U/min)31,9 dB(A) (800 U/min)33,0 dB(A) (975 U/min)
1.600 U/min42,1 dB(A)40,6 dB(A)42,1 dB(A)
1.300 U/min37,3 dB(A)37,6 dB(A)37,9 dB(A)
1.000 U/min34,4 dB(A)32,9 dB(A)33,2 dB(A)
800 U/min32,8 dB(A)31,9 dB(A)32,0 dB(A)

Unser direkter Vergleich zeigt, dass die Lüfter, die einen hohen Airflow erzeugen, nicht genügend statischen Druck aufbauen können, um die Luft vollständig durch die Lamellen des Radiators zu pressen. Dadurch fallen die ermittelten Temperaturen mit den verbauten AF120-Lüftern bei der gleichen Dehzahl um einige Grad Celsius schlechter aus. Selbst die Stock-Fans der H100i unterliegen den NF-F12-Lüftern von Noctua - gerade bei stark reduzierter Geschwindigkeit. Allerdings wird aus der Lautstärketabelle ersichtlich, dass die Rotor-Geometrie der Lüfter mit hohem statischen Druck für eine erhöhte Geräuschkulisse sorgt. Im unteren Drehzahlbereich fällt der Unterschied aber nur noch marginal aus, weswegen sich der Einsatz solcher Lüfter auf Radiatoren und konventionellen Heatsinks empfiehlt.

Lüftervergleich: Ausrichtung

Hersteller von All-In-One-Wasserkühlungen wie beispielsweise Corsair und Cooler Master empfehlen, die Ventilatoren so zu verbauen, dass die Luft von außen ins Gehäuse durch den Radiator eingesogen wird. Daraus sollen geringere Temperaturen resultieren. Doch welche Auswirkungen hat dies auf die Temperaturen von CPU und System? Wir haben mit den Noctua NF-F12 IndustrialPPC gemessen, inwieweit sich die Messwerte ändern. Ein Durchlauf erfolgte bei einer Lüfterdrehzahl von 1.600 Umdrehungen pro Minute, wobei neben der CPU auch die Grafikkarte voll ausgelastet war. 

Temperaturen

 AusblasendEinsaugend
100 Prozent (1.950 U/min)53,2 °C52,6 °C
75 Prozent (1.450 U/min)54,3 °C53,2 °C
50 Prozent (975 U/min)57,2 °C 55,6 °C
1.600 U/min53,3 °C52,9 °C
1.300 U/min54,1 °C54,4 °C
1.000 U/min55,7 °C55,5 °C
800 U/min59,1 °C57,5 °C
VGA & CPU auf Volllast (Prime 95 & Furmark)58,8 °C54,0 °C

Lautstärke

 AusblasendEinsaugend
100 Prozent (1.950 U/min)47,2 dB(A)48,9 dB(A)
75 Prozent (1.450 U/min)40,0 dB(A)42,3 dB(A)
50 Prozent (975 U/min)33,0 dB(A)34,8 dB(A)
1.600 U/min42,1 dB(A)44,9 dB(A)
1.300 U/min37,9 dB(A)38,7 dB(A)
1.000 U/min33,2 dB(A)35,0 dB(A)
800 U/min32,0 dB(A)32,7 dB(A)
VGA & CPU auf Volllast (Prime 95 & Furmark)43,7 dB(A)
46,0 dB(A)

Sofern die Luft wie vom Hersteller empfohlen von außen ins Gehäuse gesogen wird, bleibt zwar die Temperatur gegenüber der entgegengesetzten Ausrichtung niedriger, aber die Lüfter arbeiten lauter. Letzteres lässt sich dadurch begründen, dass die Frischluft nicht frei, sondern durch ein Gitter angesaugt werden muss. Allerdings erwärmt sich bei dieser Konfiguration auch der Innenraum deutlich stärker, weswegen die Grafikkarte wärmer wird und deren Lüfter schneller drehen müssen, um das Temperatur-Target zu halten.

Saugen die auf dem Radiator befindlichen Fans die Luft aus dem Gehäuseinneren, wird bei Volllast des Systems zusätzlich auch ein Teil der Abwärme von Mainboard und GPU mit abgeführt. Daraus resultiert eine merklich höhere Prozessor-Temperatur. Dafür staut sich im Inneren des Case die Wärme nicht. Daher empfehlen wir, die Fans so auszurichten, dass die Luft aus dem Gehäuseinneren gesogen wird.

Lüftervergleich: Standard- vs. Sandwich-Bestückung

Da es sich bei der H100i um ein AIO-Wakü-Modell mit Dual-Radiator handelt, lassen sich problemlos bis zu zwei Lüfter pro Seite verbauen - sofern das Gehäuse den nötigen Platz freigibt. Auch diese Konfiguration haben wir mit den Noctua-Lüftern getestet:

Temperaturen

Drehzahl2x NF-F12 Industr.4x NF-F12 Industr.
100 Prozent (1.950 U/min)53,2 °C52,6 °C
75 Prozent (1.450 U/min)54,3 °C53,2 °C
50 Prozent (975 U/min)57,2 °C 55,5 °C
1.600 U/min53,3 °C52,6 °C
1.300 U/min54,1 °C53,5 °C
1.000 U/min55,7 °C54,6 °C
800 U/min59,1 °C56,8 °C

Lautstärke

Drehzahl2x NF-F12 Industr.4x NF-F12 Industr.
100 Prozent (1.950 U/min)47,2 dB(A)50,0 dB(A)
75 Prozent (1.450 U/min)40,0 dB(A)44,3 dB(A)
50 Prozent (975 U/min)33,0 dB(A)34,7 dB(A)
1.600 U/min42,1 dB(A)46,5 dB(A)
1.300 U/min37,9 dB(A)43,9 dB(A)
1.000 U/min33,2 dB(A)35,3 dB(A)
800 U/min32,0 dB(A)32,7 dB(A)

Die Investition in ein weiteres Paar Lüfter lohnt sich nur für jene, die ein möglichst leises System kreieren wollen, in dem alle Lüfter weit unter 1.000 Umdrehungen pro Minute gedrosselt sind. Erst dann ergibt sich ein Lautstärke- und vor allem Temperaturvorteil. Wen ein leichtes Lüfterrauschen nicht stört, der kann sich die enormen Kosten für zwei weitere Lüfter sparen. Die nötige Performance liefert eine leicht erhöhte Rotor-Geschwindigkeit, wobei das Geräuschlevel gegenüber einer Vier-Fan-Konfiguration meist geringer oder zumindest gleich ausfällt.

Lüfterregelung und System-Überwachung

Wie unsere Messungen zeigen, brauchen die Lüfter nicht mit der Maximal-Drehzahl arbeiten, um das System ordentlich zu kühlen. Dementsprechend muss aber auch eine Regelung der Fans erfolgen, die entweder händisch oder automatisch realisiert wird. Die letztgenannte Methode ist zwar am einfachsten, könnte unter Umständen aber einen unnötig hohen Geräuschpegel zur Folge haben. Daher empfehlen wir, die Lüfter selbst auf eine passende Drehzahl zu drosseln, oder eine temperaturabhängige Anpassung einzustellen. Doch um überhaupt eine Regelung vornehmen zu können, müssen die Temperaturen und Drehzahlen bekannt sein. Diese lassen sich am einfachsten mit diversen Software-Tools auslesen. Ab Werk liefern die Mainboard-Hersteller passende Programme mit. Da wir auf das Maximus VI Formula setzten, wäre das in unserem Fall die AISuite III von Asus. Damit können wir die angeschlossenen Lüfter und deren Umdrehungszahl, sowie die Temperaturen, aber auch die Taktraten samt Spannungen einsehen.

Voraussetzung für die Lüftersteuerung über die beiliegende Software ist allerdings, dass die Ventilatoren auch am Mainboard stecken und nicht an einer im Gehäuse implementierten Lösung oder einem optionalen Fan-Controller hängen. Meist kommen für die Installation aller Lüfter an der Hauptplatine Y-Kabel zum Einsatz, wodurch sich die mögliche Anzahl an Fans mindestens verdoppelt. Hierbei ist allerdings darauf zu achten, dass die Ventilatoren zusammen eine Stromstärke von einem Ampere und damit 12 Watt Leistung pro Header nicht überschreiten. Diesen Wert stellen die Fan-Ports der in der Regel bereit. Bei günstigen Motherboards kann allerdings auch weniger vorgesehen sein. Ein Blick ins jeweilige Manual bringt meist schnell Aufschluss.

Wer seine Lüfterdrehzahlen sowie die Systemtemperaturen ohne Software im Auge behalten respektive regulieren will, greift sicherlich zu einer dedizierten Steuerung, die in einem oder zwei 5,25-Zoll-Schächten Platz findet. Integrierte Anzeigen oder gar Touch-Screens helfen bei der Regelung. Je nach Modell bieten solche Fan-Controller stärkere Kanäle, sodass neben mehreren Lüftern auch Pumpen für Wasserkühlungen angeschlossen und gesteuert werden können.

Corsair Link im Detail

Eine Mischung aus den beiden genannten Optionen stellt Corsairs Link dar. Damit bietet der Hersteller eine umfassende Steuerungs- und Monitoring-Lösung bereit, die spezielle Hardware und eine Softwareinstallation voraussetzt. Die Steuerung der Link-Elemente erfolgt in der Regel über den Commander, der allerdings auch durch ein AXi-Netzteil ersetzt werden kann, sofern nur eine Hydro-Wasserkühlung im System befindlich ist. Zu den dazu wählbaren Modulen gehört ein Cooling- sowie Lightning-Kit. Letzteres bringt ein paar LED-Streifen mit, die dank RGB-Beleuchtung den gewünschten Farbton ins Gehäuse strahlen. Das Cooling-Kit enthält hingegen ein Node mit fünf Lüfteranschlüssen, die mit jeweils einem Ampere belastet werden können. Zudem befinden sich an dem kleinen Baustein Anschlüsse für Temperatursensoren, die dem Paket beiliegen.

Weitere Produkte, die eine Link-Funktionalität aufweisen, sind die kommenden HXi-, die AXi und die RM-Netzteile, die Speicherriegel der Dominator-Serie sowie die Hydro H100i und H80i. All diese Produkte können an den Commander angeschlossen werden und die dazugehörigen, ausgelesenen Werte sind dann in der Software aufgeführt.   

In der Theorie können wir in unserem System also die Hydro H100i, das AX860i und das Cooling-Node am Commander anschliessen. In der Praxis zeigte sich jedoch schnell, dass ein einfaches Zusammenstecken und das Installieren der Software nicht zum gewünschten Ergebnis führt. Bevor beispielsweise die Hydro H100i vom Commander erkannt wurde, musste die neuste Firmware 1.07 aufgespielt werden. Dazu galt es, die Kühlung zuerst an einen USB-Anschluss zu hängen, damit eine Erkennung erfolgte. Nach dem Aktualisierungsvorgang konnte das USB-Kabel entfernt und die Hydro H100i wieder am Commander angesteckt werden. Bevor die Software vollständig genutzt werden konnte, mussten weitere Updates erfolgen: Auch das Cooling-Node und der Commander verlangten nach einer neuen Firmware. Bevor wir die Corsair Link Software auf unserem System installiert haben, wurde logfischerweise die aktuellste Version 2.6.5214 von Corsair heruntergeladen. Auf den ersten Blick schien damit alles in Ordnung, doch beim Klick auf den Reiter "Power" war kein Wert vom Netzteil aufgelistet. Wer also ein AXi-Modell nutzt, sollte die Link-Version 2.5.5145 nutzen. Erst damit wurden die PSU-Werte unter Windows 8.1 angezeigt.

Funktioniert die Link-Software erst einmal wie gewünscht, stehen auf der Startseite verschiedene Icons und eine Grafik eines Corsair-Gehäuses bereit. Letztere lässt sich einfach und schnell durch ein eigenes Bild ersetzen. Hierbei empfiehlt sich, das gewünschte Motiv freizustellen und als PNG-File abzuspeichern. Nachdem das eigene Foto eingefügt wurde, können die entsprechenden links befindlichen Icons auf die dazugehörigen Positionen im System gezogen werden. Die folgende Grafik verdeutlich diese Funktion:

Die Software stellt jedoch noch weitere Reiter bereit: "Groups" und "Graph" bieten die Möglichkeit, bestimmte Werte für eine Komponente zu gruppieren und die beispielsweise diverse Temperaturen, Spannungen und Drehzahlen als Diagramm auszugeben.

Unter dem Menüpunkt "Power" befinden sich alle Werte des Netzteils: Neben der Effizienz, der Ein - und Ausgangsleistung sowie den Spannungen, zeigt das Fenster die bezogenen Ampere des jeweiligen PCI-E-Steckers an. Dort kann der Anwender allerdings auch die Multi-Rails zu einer stärkeren Schiene zusammenfassen.

Die Register-Karte "Optionen" stellt hingegen Auswahlmöglichkeiten für die Einstellungen, Optik des Tools und die angebundenen Komponenten samt Option zum Firmware-Update bereit.

Für die Regelung der Lüfter, müssen wir wieder zum Reiter "System" springen. Nachdem wir dort das Icon des gewünschten Fans angeklickt haben, können wir die Geschwindigkeit als Drehzahl oder Prozentwert festlegen. Auch drei vorkonfigurierte Settings stehen zur Auswahl. Die Presets lassen sich mit dem Widget in der Taskleiste ebenfalls selektieren - allerdings nur für alle Fans im System, die am Cooling-Node angeschlossen sind.

Achtung: Wer den CPU-Lüfter über die Link-Software steuern will, sollte die Drehzahlüberwachung des entsprechenden Mainboard-Headers deaktivieren, da das System bei jedem Bootvorgang sonst signalisiert, dass der Prozessor-Kühler nicht aktiv belüftet wird. dadurch bleibt das System immer bei dem "Fehler" stehen, ohne vollständig zu starten.

Im Test funktionierte die Steuerung der AF-Lüfter über die Link-Software zwar, allerding neigen die Motoren der Ventilatoren zum Rattern. Dies liegt nachweisbar nicht an den Fans, sondern an deren Ansteuerung über das PWM-Signal. Selbiges schreibt Corsair im FAQ zu Link. Der Hersteller empfiehlt daher die Nutzung von 4-Pin-Lüftern.

Betrachten wir die Link im gesamten, lässt sich einerseits sagen, dass Corsair eine umfassende Control- und Monitoring-Lösung bereitstellt, diese aber andererseits noch zu viele Fehler aufweist und nur für versierte Anwender mit Hang zum Experimentieren geeignet ist. Zudem müssen entsprechende System-Komponenten vorhanden sein und der Commander sowie die diversen Nodes extra erworben werden. Hierzulande vertreibt Corsair die Link-Technik nicht aktiv und nur über den eigenen Shop, weswegen kein bekannter Online-Händler die benötigten Module führt.

Zusammenfassung

Am Beispiel unseres selbstgebauten Gaming-Systems wird deutlich, dass selbiges zwar bereits im Grundzustand ordentlich funktioniert und mit gewissen Einschränkungen optimiert werden kann, doch erst durch den Einsatz von Modding-Produkten und alternativen Lüftern steht weiterer Spielraum zum Verbessern der Systemcharakteristik zur Verfügung. Auch die Individualisierung des PCs kann dann tiefgründiger erfolgen. Aber selbst beim vergleichsweise einfachen Optimieren des Computers gilt, dass sich mit den entsprechenden Komponenten auseinandergesetzt werden muss. Wie erwähnt führt beispielsweise nicht jeder Lüfter zu einem besseren Ergebnis hinsichtlich Temperaturen und Lautstärke. Je nach Einsatzzweck sollten die Spezifikationen der Fans betrachtet werden, damit durch eine bessere Kühlung im nächsten Schritt die Performance gesteigert werden kann.

Damit verweisen wir auf den nächsten Teil unserer Artikelreihe: Nachdem wir nun die Optik, Lautstärke und Kühlung verbessert haben, werden wir im folgenden Part das Thema "Overclocking" durchleuchten und zeigen wie viel mehr Leistung unser System ohne weiteren Kostenaufwand bereitstellen kann.

Vorkonfigurierter PC mit Optimierungen

Da alle aufgeführten Änderungen am Computer je nach Können recht aufwendig oder zeitraubend sind, bietet es sich an, bereits passend ausgestattete PCs über einen Systemintegrator zu beziehen. Vorreiter hinsichtlich individueller Konfigurationen und Umsetzung spezieller Kundenwünsche ist MIFcom. Im Shop des Systembauers können bereits bei der Zusammenstellung der gewünschten Konfiguration erste Individualisierungswünsche angegeben werden. Alle in diesem Artikel beschriebenen Optimierungen sind zudem Teil des Gesamtpakets, das der Kunde bei MIFcom nach Bedarf bekommen kann. Optionale Elemente wie Sleeves und vieles weitere, lässt sich ebenfalls über den Systemintegrator ordern.

Weitere Teile der Artikelreihe:

Kommentare

Schöner Artikel. Ich glaube das ist wohl das schlimmste bei jedem System. Zu mindestens für mich ist es immer nervtötend.

geschrieben am 07.07.2014 um 23:04 Uhr

Sehr guter Artikel, auf den nächsten bin ich auch sehr gespannt. Übertakten, da kann man viel falsch machen.

geschrieben am 08.07.2014 um 17:47 Uhr

Dummerweise ist die H100i aus bisher unerfindlichen Gründen geplatzt. Da wir eh alle Komponenten zur Reinigung ausbauen mussten, haben wir dies direkt zum Anlass genommen, um die Wasserkühlung zu installieren und den Teil vorzuziehen. Daher kommt morgen erst der Wakü-Part online.

geschrieben am 31.07.2014 um 23:44 Uhr

Geplatzt! Das hab ich bei ner AiO noch nie gehört. Hoffe es ist nichts weiter kaputt gegangen.

geschrieben am 01.08.2014 um 08:05 Uhr

Ja, ging uns genau so. Der Schlauch ist Quasi durch den inneren Druck vom Anschluss heruntergerutscht. Zum Glück erst nachdem die Kiste kurz vom Netz war.

geschrieben am 01.08.2014 um 08:59 Uhr

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