Feature: Gaming-PC im Eigenbau: Teil 4 - Overclocking

Um die Leistung eines Gaming-PCs ohne zusätzliche Kosten zu steigern, können Prozessor, Grafikkarte und RAM übertaktet werden. Doch ganz ohne Vorbereitung, Grundwissen und die nötige Einarbeitung, ist in der Regel effizientes Overclocking nur mit viel Glück möglich. Daher behandeln wir im vierten und letzten Teil unserer Artikel-Reihe "Gaming-PC im Eigenbau" genau dieses Thema und erläutern die Vorgehensweise an einem praktischen Beispiel. Zudem führen wir auf, welche Programme nötig sind und wie weit sich die Leistung steigern lässt.


Zwar liefern die Komponenten eines Gaming-Systems bereits im Werkszustand eine ordentliche Leistung ab, doch kann der Nutzer die Performance ohne weitere Kosten durch Overclocking steigern. Allerdings sind dazu gewisse Grundkenntnisse und Voraussetzungen wie Produkt-Informationen, Spannungslimits sowie Programme nötig, um überhaupt ein akzeptables Ergebnis zu erreichen. In diesem Artikel erläutern wir daher, welche Faktoren beim Übertakten bedacht werden müssen und wie sich die Leistung steigern lässt. Doch vorweg kann gesagt werden, dass ein stabiles System erst nach einer umfangreichen und zeitraubenden Testreihe für den alltäglichen Betrieb bereitsteht.

Passend zu diesem Thema zeigen wir anhand eines Praxis-Beispiels, welcher Ablauf für eine Leistungssteigerung nötig ist.

An dieser Stelle möchten wir erwähnen, dass alle Übertaktungsversuche auf eigene Gefahr geschehen, die Hardware zerstört werden kann und wir keine Haftung für Schäden übernehmen!

Voraussetzungen

Zunächst empfiehlt es sich nur zu Übertakten, wenn die entsprechende Kühllösung einen Temperaturpuffer bereitstellen kann. Zu heiße Chips arbeiten nicht stabil. Von Overclocking-Versuchen mit Boxed- (CPU) oder Referenzkühlern (VGA) raten wir ab. Gerade wenn die Spannungen der jeweiligen Komponenten erhöht werden sollen, muss eine ordentliche Wärmeabfuhr sowie eine akzeptable Belüftung des Gehäuses gegeben sein.

Auch ist es nötig zu wissen, welche Taktraten angehoben werden müssen: Nicht alle Frequenzsteigerungen bringen Leistungsvorteile und manche davon erhöhen den OC-Schwierigkeitsgrad unverhältnismäßig stark. Beispielsweise zeigt sich in der Praxis, dass das Anheben von Basis- und Cache-Takt eines Haswell-Prozessors keinen Performance-Zuwachs bringt. Lediglich ein paar Benchmarks profitieren von einer solchen Veränderung. Der Aufwand, um diese Settings stabil zu bekommen steigt hingegen enorm.

Doch der wohl wichtigste Punkt dürften die zahlreichen, einstellbaren Spannungen sein, die sich je nach Art der Komponente unterscheiden und einen jeweils individuellen Maxmalwert nicht überschreiten sollten. Wer die Voltages verändert, kann seine Hardware irreparabel zerstören. Daher sollte sich vor dem Übertakten informiert werden, wie hoch die Spannungen im Dauerbetrieb ausfallen dürfen. Gerade beim Overclocking von Prozessoren spielen die verschiedenen Voltages zusammen, sodass eine zu starke Erhöhung im täglichen Betrieb schädlich ist. Um herauszufinden welche maximalen Werte für diverse Kühlmethoden und bei 24/7-Nutzung verträglich sind, muss im Internet recherchiert werden. Insbesondere professionelle Overclocker können in diversen Foren Auskunft darüber geben, welche Obergrenze für die Spannungen eingehalten werden sollte. Je nach Modell und Architektur variieren die Werte.

Spannungen sollten immer von Hand im BIOS fixiert werden. Auto-Werte fallen teilweise zu hoch aus, woraus eine massive Abwärme und sogar Schäden resultieren können.

Grundlegendes OC-Prinzip

In der Theorie klingt es einfach, etwas zu übertakten: Die maximalen Taktraten werden bei einer bestimmten Spannung ausgelotet. Am einfachsten lässt sich eine Komponente übertakten, indem die Stock-Voltages fixiert und damit die Frequenz bis zur Stabilitätsgrenze hin getestet wird. Sprich: Der Takt wird ohne eine Veränderung der Spannung soweit angehoben, bis Prozessor, RAM oder Grafikkarte unter Volllast nicht mehr korrekt arbeiten. Bei dieser Methode steigen Abwärme und Verbrauch nur marginal.

Wer allerdings das Maximum aus der Komponente herausholen will, wird nicht um eine Voltage-Anhebung herum kommen. Erst damit lassen sich deutlich höhere Frequenzen realisieren. Allerdings sinkt durch erhöhte thermische und elektrische Belastung auch die Lebensdauer der Hardware .

Logischerweise kann die Spannung nur soweit angehoben werden, dass die daraus resultierende Abwärme weiterhin von der Kühlung zu bewältigen ist. Je höher die Temperaturen unter Last werden, desto weniger erfolgreich fällt das Overclocking aus.

CPU-Overclocking 

Das Übertakten eines Prozessors gehört zu den komplexeren Eingriffen ins System, da die modernen Prozessoren nicht mehr nur die CPU-Kerne beinhalten, sondern auch die Northbridge und weitere Elemente wie beispielsweise die Spannungsregulatoren tragen. Deswegen müssen teilweise mehrere Voltages oder Frequenzen verändert werden. Gerade Intels aktuelle Haswell-Generation verlangt in beiden Fällen eine Anpassung. Doch bevor überhaupt ein solcher Eingriff stattfinden kann, müssen im BIOS diverse Einstellungen vorgenommen werden:

Der Zugriff auf das UEFI erfolgt kurz nach dem Einschalten durch Drücken der "F2"- oder "Entf"-Taste. Dann sollten vorerst vor allem der Turbo-Modus und die Stromspar-Funktionen deaktiviert werden. Anschließend sind Frequenz und Timinigs des RAMs nach Herstellervorgabe einzustellen. Falls vorhanden, müssen ebenso die Teiler und Taktraten vom Ring-Bus (Intel), dem Cache (Intel), HT-Link (AMD) und der CPU-Northbridge (AMD) festgesetzt werden. Darauffolgend gehören die Settings gespeichert und nach einem Reboot ins BIOS zurückgekehrt. Dort müssen die Spannungen aufgesucht und nach den angezeigten Werten eingestellt werden. Alternativ kann die Monitoring-Funktion des Mainboards die benötigten Voltages preisgeben. Die so justierten Werte entsprechen sozusagen der Werkseinstellung.

Mit diesem Setting kann der Prozessor nun übertaktet werden. Am einfachsten gelingt dies durch das Anheben des entsprechenden Teilers für den Kerntakt. Selbiger ist nur ein paar Stufen zu steigern. In der Regel sollten erst einmal drei bis vier Zähler mehr probiert werden. Startet Windows ohne Probleme, gilt es einen Schritt weiterzugehen und Last zu erzeugen. Bewährt hat sich dafür bisher Prime 95 allerdings nur bis zur Version 27.9. Alle späteren Varianten des Stress-Tools testen auch den FMA3-Befehl auf allen Kernen, wodurch unnötig hohe Vcore-Spannung angelegt werden muss. Für Core-i-Prozessoren steht alternativ das XTU-Tool von Intel zur Verfügung. Prime 95 lässt sich allerdings besser anpassen, um spezielle Tests durchführen zu können. Die eingestellte Konfiguration sollte mit dem letztgenannten Tool rund zwei Stunden getestet werden. Erst bei dem fehlerfreien Verlauf kann der Teiler weiter angehoben werden. Dies ist solange zu wiederholen, bis Abstürze, Freezes oder Bluescreens auftreten. Ab dem Punkt ist es jedem selbst überlassen, den Takt über den Teiler wieder zu senken oder die Spannung zu erhöhen. Letzteres sollte immer mit Bedacht und nur bei guter Kühlung erfolgen! Die Voltage kann in der Regel problemlos um 10 bis 15 Prozent - ausgehend vom Stock-Wert - angehoben werden. Anhand dessen, lässt sich der Takt bis zur Stabilitätsgrenze weiter anheben. Eine CPU ist allerdings erst dann als völlig stabil zu bezeichnen, wenn ein Full-Custom-Run von Prime 95 ohne Fehler durchläuft, was allerdings 21 Stunden dauert. Zwar arbeiten Systeme auch bei einem zweistündigen Small-FFTs-Test mit anschließendem Spiele-Marathon scheinbar problemlos, könnten aber dennoch unter diversen Lastszenarien abstürzen oder einfrieren. 

Weiteres Tuning-Potenzial, das allerdings wenig Auswirkung auf die Leistung hat, bietet die Steigerung der Ring-Bus-Frequenz bei Intel-Prozessoren oder die Erhöhung des HT-Link beziehungsweise CPU-Northbridge-Takts bei AMD-Modellen. Der Aufwand ist gemessen am Performance-Plus allerdings zu hoch, als das es sich für den Alltagsbetrieb lohnt.

Bei der aktuellen Intel-Haswell-Riege reicht allerdings die reine Vcore-Steigerung nicht mehr aus, um den Kerntakt zu erhöhen. Hier spielen die Input-, Cache-, Ring-Bus- und Systemagent- sowie VTT-Spannung hinein. Hinzu kommt, dass Haswell Temperaturprobleme aufgrund von schlechtem Thermal Interface Materials (kurz TIM) sowie den nunmehr internen Voltage-Regler hervorbringen kann und relativ empfindlich beziehungsweise überraschend auf Option-Umstellungen reagiert. So kann selbst bei einem stabilen Setting ein Bluescreen erscheinen, wenn bei Änderungen der Rechner nicht kurz vom Strom genommen wurde. Aufgrund des hohen Schwierigkeitsgrades, erläutern wir anhand unseres 4770K, wie wir eben diesen Prozessor Übertaktet haben. Die nötigen Infos dazu haben wir aus einem hilfreichen OC-Thread des Users "Wernersen" im Hardwareluxx-Forum entnommen.

Praxisbeispiel: Intel Core i7-4770K

Zunächst muss das BIOS wie oben beschrieben vorbereitet werden, damit die Voltages, Frequenzen und Teiler fixiert sind, sodass beim Übertakten Probleme durch automatische Settings vorab ausgeschlossen werden können. Als Richtwerte kommen die im UEFI angezeigten Spannungen zum Einsatz. Wer hingegen stark übertakten möchte, sollte alle weiteren, entsprechenden Optionen anpassen. Für ein stabiles 24/7-Setting ist es allerdings nicht nötig die "Digi+"-Optionen im Falle unseres Asus-Mainboards zu ändern. Lediglich die LoadLineCalibration sollte auf Null Prozent - sprich Stufe 1 fixiert werden. Je nach Mainboard und Hersteller kann die Bezeichnung der LLC-Option und der richtige Wert abweichen. Nun muss entschieden werden, wie hoch die Vcore ausfallen soll. Selbige stellen wir im Manual-Mode als Override ein, denn damit sinkt die Leistungsaufnahme im Idle-Modus, auch wenn Programme wie CPU-Z oder Core Temp die maximalen OC-Werte weiterhin anzeigen. Ein Strommesser verdeutlicht die Schwankung im Betrieb, wodurch die Einsparung nachvollzogen werden kann.

Wir entscheiden uns für den allgemein genutzten Maximalwert für den 24/7-Betrieb von 1,25 Volt. Zwar können die Chips höhere Spannungen vertragen, allerdings kämpft Haswell mit einer schlechten Wärmeübertragung durch weniger gutes Thermal Interface Material. Erst, wenn die Prozessoren "geköpft" sowie bearbeitet wurden, sinken die Temperaturen enorm und die Spannung kann weiter steigen. Allerdings müssen bei Haswell neben der Vcore, auch die Cache(Vring)- und Input-Voltages stimmen, damit die Übertaktung am Ende stabil läuft. Daher heben wir diese Spannungen ebenfalls an. Bei der Cache-Voltage setzten wir 1,15 Volt fest. Dies liegt knapp über dem Standard und reicht für den angedachten Cache-Wert. Die Input-Spannung beträgt je nach CPU 1,7 bis 1,8 Volt. Beim Übertakten nahe der 4,5-Gigahertz-Marke sind Spannungen zwischen 1,85 und 1,90 Volt nötig. Wir entscheiden uns daher erst einmal für 1,86 Volt. Die VTT- und Systemagent-Voltages werden prophylaktisch im Offset-Mode auf + 0,050 Volt angehoben. Ansonsten stellen wir den RAM nach Herstellervorgabe ein.

Letztlich müssen noch die Teiler für den CPU-Takt festgesetzt werden. Die gewählte Spannung reicht je nach Modell und Güte der CPU für 4,3 bis 4,5 Gigahertz. Der letztgenannte Wert wird daher als erstes auf Stabilität geprüft. Gleichzeitig setzen wir den Cache-Teiler auf 40 fest, was im Falle des 4770K leicht über der Vorgabe liegt. 

Nach den zahlreichen Änderungen sollte alles logischerweise gespeichert werden. Haswell macht es teilweise nötig, den PC nach solchen Eingriffen kurz vom Stromnetz zu nehmen. Dann kann das Betriebssystem und schließlich das Stresstool Prime 95 gestartet werden. Mit letzterem prüfen wir vorerst die einzelnen Spannungen. Zunächst widmen wir uns der Vcore-Voltage, die unter Custom mit 1344k getestet werden muss. Das entsprechende Setting sieht wie folgt aus:

Allerdings stürzt uns das System nach kurzer Zeit ab. Da die Spannung bereits am maximalen Wert liegt, senken wir den Multiplikator von 45 auf 44 und testen die Stabilität erneut. Nachdem dieses Setting stabil läuft, senken wir die Spannung von 1,25 letztlich auf 1,205 Volt. Damit arbeitet der Prozessor im 1344k-Custom-Run von Prime 95 stabil. Wir testen rund 45 bis 60 Minuten. Nach diesem Prinzip werden alle weiteren Spannungen für Cache, Input, VTT, Systemagent mit anderen FFT-Einstellungen überprüft. Die Einstellungen sind im Folgenden aufgelistet.

Vrin/Input-Voltage

 

Cache/Uncore-Voltage

 

VTT-Voltage

 

Systemagent/IMC-Voltage

 

Speicher-Test

 

Vorab-Test aller Voltages

 

Full-Custom-Run

Wurden alle Tests erfolgreich absolviert, sollte zur absoluten Sicherheit ein Full-Custom-Run durchgeführt werden. Dieser testet die Spannungen im Zusammenspiel, läuft knapp 21 Stunden und deckt jede noch so kleine OC-Schwäche auf. Erst wenn dieser Run ohne Fehler durchgelaufen ist, lässt sich die CPU als absolut stabil bezeichnen. In unserem Fall trat bereits nach zwei Stunden ein erster Fehler auf. Der darauffolgende WHEA-Bluescreen ließ auf eine zu schwache Vcore-Voltage schließen. Selbige haben wir dann auf 1,210 Volt angehoben und erneut getestet. Allerdings stürzte der PC dann nach knapp neun Stunden ab. Mit einer weiteren Anhebung der Kernspannung auf 1,215 Volt, lief der Full-Custom-Run fehlerfrei durch. CPU-Z zeigte uns allerdings eine Spannung von 1,1232 Volt an.

Damit legen wir den Grundstein für das Übertakten der Grafikkarte und des RAMs.

RAM-Overclocking

Das Übertakten des Arbeitsspeichers kann die CPU-Leistung zwar weiter erhöhen, ist aber gemessen am Performance-Zuwachs recht aufwändig. Deswegen sollte im Vorfeld überlegt werden, ob es mehr Sinn macht, dem RAM ein höheres Budget zuzuschreiben. Schnelle Riegel sind zwar teuer, können den PC aber merklich aufwerten - gerade im Falle von Haswell. Nachträgliches Tuning wäre bei schnellen DIMMs zudem einfacher.

Neben dem Takt und den Spannungen, sind die Timings der RAM-Riegel ein wichtiger Faktor fürs Übertakten. Im Prinzip erlaubt das Erhöhen der Latenzen auch eine Steigerung der Frequenzen. Dem gegenüber steht, dass die Timings mit der Reduzierung des Takts deutlich verschärft werden können. Dabei gilt es zu beachten, dass die Kombination stimmen muss, da die Leistung sonst merklich abnehmen kann.

Prinzipiell lässt sich RAM durch die im BIOS vorgegeben Teiler recht einfach übertakten. In der Regel kann die Frequenz des Speichers um eine Stufe angehoben werden. Dazu müssen allerdings auch die Timings erhöht werden. Beispielsweise könnte DDR3-1600 mit CL9-9-9-24 je nach Chip-Güte als DDR3-1866 bei den Latenzen CL10-10-10-27 betrieben werden. Wie die Mischung aus Takt und Timings aussehen kann zeigt das spezielle Beispiel in diesem Test.

Je nach verlöteten Chips skalieren die zu übertaktenden Riegel gut oder schlecht mit Spannung. Zudem sollte RAM nicht mit unnötig hohen Voltages betrieben werden, da dies auch den Speicher-Controller der CPU schädigen kann. Intel gibt maximal 1,65 Volt vor. Zudem ist zu beachten, dass bei Taktraten ab 2.400 Megahertz die VTT- und Systemagent-Spannungen angehoben werden müssen. Letztere sollte für den alltäglichen Betrieb nicht über 1,10 Volt liegen. Die VTT-Voltage kann hingegen auf bis zu 1,15 Volt angehoben werden.

Da unsere Riegel allerdings ab Werk eine gute Leistung bringen, verzichten wir auf ein nachträgliches Anpassen.

Grafikkarten-Overclocking

Im Gegensatz zum RAM- und der CPU, lässt sich eine Grafikkarte vergleichsweise einfach übertakten. Dazu ist ein extra Tool nötig. Durchgesetzt haben sich MSIs Afterburner und EVGAs PrecisionX. Die letztgenannte Software eignet sich aber nur für moderne Nvidia-Grafikkarten. Andere Hersteller wie Asus liefern zum Teil ebenfalls brauchbare Programme mit. Der Ablauf ist jedoch gleich: Zunächst werden Power- und Temperatur-Target angehoben, damit das Overclocking-Potenzial nicht unnötig eingeschränkt ist. Dann gehört die GPU-Frequenz in 50-Megahertz-Schritten angehoben. Dazwischen sollte der Stabilitätstest beispielsweise mit Unigine Heaven oder besser Valley sowie 3D Mark erfolgen. Läuft die Grafikkarte ohne Bildfehler, lässt sich die Frequenz weiter steigern. Dies ist so lange zu wiederholen, bis Instabilitäten auftreten. Dann sollte der Takt um ein paar Megahertz reduziert und die Übertaktung in verschiedenen Spielen getestet werden. Gerade Battlefield 4 und 3D Mark (2013) reagieren sehr empfindlich auf grenzwertiges Overclocking und lösen recht früh DirectX-Fehler aus. 

Wenn die maximale Frequenz erreicht scheint, kann die Spannung angehoben werden. Im Falle unserer GTX 780 können wir zwar bis zu 1,212 Volt einstellen, allerdings liegen unter Last nur 1,187 Volt an, weswegen weiteres OC-Potenzial eher mager ausfallen dürfte. Zudem spielt an diesem Punkt auch die Kühlung wieder eine wichtige Rolle, denn die GPU erzeugt mit höheren Voltages logischerweise noch mehr Abwärme. Bei unserer Testkarte konnten wir absolut stabil und dauerhaft einen Boost-Takt von 1.215 Megahertz realisieren. Eine Spannungssteigerung brachte den nötigen, aber nur kleinen Übertaktungsspielraum mit sich. Abhilfe für noch höhere Taktraten und Spannungen würde ein spezielles Third-Party-BIOS bringen, das jedoch nur von erfahrenen Nutzern aufgespielt werden sollte. Zwar lassen sich damit diverse Parameter anheben, allerding erlischt die Garantie der Karte und es kann beim Flash-Vorgang sowie dem starken Übertakten zu irreparablen Schäden kommen.

Arbeitet der Grafik-Chip stabil, lässt sich weitere Leistung durch das Übertakten des Video-Speichers herausholen. Die Vorgehensweise ist ähnlich wie beim GPU-Overclocking, nur das dabei auch die Performance gemessen werden sollte. GDDR5-Speicher ist mit einer internen Schutzfunktion ausgestattet, die die Leistung automatisch reduziert, wenn Probleme auftreten. Dies kann bereits passieren, bevor Bildfehler sichtbar sind. Daher empfiehlt es sich, die Leistung nach jeder Taktänderung zu messen.

Unsere GTX 780 von Asus konnte folgende Taktraten absolut stabil erhalten:

Getestet haben wir die Freqenzen in Battlefield 4, Far Cry 3, Crysis 3 und Unigine Valley sowie Heaven. Extreme-Tests mit Furmark führen bei diesen Test eher selten zum Erfolg und belasten die GPU nur unnötig stark.

Performance

Die Performance des übertakteten Systems haben wir in den Benchmarks getestet, die auch im ersten Teil dieser Artikel-Reihe zum Einsatz kamen.

Spezifikationen des Systems:

  • CPU: Core i7-4770K @ 4,4 Gigahertz
  • VGA: GTX 780 @ 1.215 / 3.225 Megahertz
  • RAM: DDR3-2133 CL10-10-10-27
BenchmarkStock (Turbo off)Stock (Turbo on)Übertaktet
PC Mark 84.135 Punkte4.146 Punkte4.669 Punkte
3D Mark - Ice Storm144.570 Punkte152.620 Punkte178.793 Punkte
3D Mark - Cloud Gate23.246 Punkte24.341 Punkte28.409 Punkte
3D Mark - Fire Strike8.713 Punkte8.781 Punkte10.100 Punkte
Cinebench 15.0 - CPU707 Punkte745 Punkte887 Punkte
Unigine Valley (avg./min.)62,1 / 28,7 fps62,3 / 28,8 fps70,6 / 33,5 fps
Unigine Heaven (avg./min.)53,3 / 23,0 fps53,4 / 23,1 fps61,3 / 28,2 fps
Far Cry 3 (avg./min.)47,1 / 41,0 fps46,6 / 41,0 fps54,6 / 47,0 fps
Crysis 3 (avg./min.)54,5 / 46,0 fps53,2 / 45,0 fps58,5 / 51,0 fps
Battlefield 4 (avg./min.)51,4 / 33,0 fps50,7 / 32,0 fps55,6 / 35,0 fps

Durch die Übertaktung von Prozessor und Grafikkarte nimmt die Leistung des PCs je nach Szenario zwischen 7 und 26 Prozent zu. Im Schnitt liegt die Performance-Steigerung bei knapp 16 Prozent. 

Stromverbrauch

Im Standardzustand des PCs konnten wir im Idle-Modus einen Verbrauch von lediglich 83 Watt messen. Dank Override-Voltage steigt dieser Wert trotz Übertaktung nicht an. Unter Spielelast messen wir in Battlefield 4 statt 338 nur 369 Watt. Damit erhöht sich der Verbrauch im Gegensatz zur Leistung nur marginal. Die Zunahme beträgt unter 10 Prozent, was gemessen an der Leistung durchaus zu vertreten ist.

Zusammenfassung 

Mit viel Geduld und dem nötigen Wissen, welche Einstellungen am System vorgenommen werden müssen, lässt sich ein Gaming-PC auch von Laien stabil übertakten. Dadurch kann die Leistung merklich gesteigert werden, ohne, dass weitere Kosten entstehen. Allerdings sollte genauestens recherchiert werden, welche Optionen verändert werden dürfen und wie hoch die maximalen Spannungen ausfallen sollten. Gerade bei Haswell ist viel Tuning nötig, um am Ende eine durchweg stabile CPU vorweisen zu können.

Gerade das Übertakten von Prozessor sowie Grafikkarte bringt im Zusammenspiel einen merklichen Leistungszuwachs je nach Potenzial der Komponenten, sodass in Games beispielsweise höhere Frame-Raten erreicht und dadurch die Bildqualität durch höhere Settings gesteigert werden können. In unserem Fall beträgt der Performance-Zuwachs des gesamten Systems je nach Szenario bis zu 26 Prozent, ohne, dass der Verbrauch extrem in die Höhe schnellt.

Mit Hilfe der verschieden Optimierungsmöglichkeiten eines Gaming-Systems, die wir in unserer Artikel-Reihe "Gaming-PC im Eigenbau" vorgestellt haben, lässt sich am Ende ein leiser und vor allem schneller PC realisieren. Unsere Beispielkonfiguration arbeitet dank Wasserkühlung nahezu lautlos und bietet dank der Übertaktung eine hervorragende Leistung in Spielen sowie Anwendungen.

Alternativen

Wer sich nicht traut, einen Gaming-PC selbst zusammenzustellen und nachträglich zu übertakten, kann auf entsprechende Konfigurationen von Systemintegratoren wie MIFcom zurückgreifen. Der PC-Bauer bietet spezielle High-End PCs mit Overclocking in diversen Stufen und den nötigen Einstellungen sowie einer dreijährigen Garantie an, die gegen Aufpreis auf fünf Jahre angehoben werden kann. Hinzu kommt, dass je nach Wunsch diverse, weitere Individualisierungsoptionen oder der Aufbau mit Wasserkühlung zur Wahl stehen.

Weitere Teile der Artikelreihe:

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