Feature: Gaming-PC im Eigenbau - Teil 5: GTX-980-Upgrade

Im fünften Teil unserer Artikel-Reihe "Gaming-PC im Eigenbau" widmen wir uns dem Thema "Grafikkarten-Upgrade" am Beispiel einer Geforce GTX 980 von Nvidia. Eingebunden im Wakü-Kreislauf, sind gegenüber einer einfachen Luftkühlung zahlreiche Schritte nötig, um den vorhandenen 3D-Beschleuniger gegen ein neues Modell zu tauschen. Den Umbau dokumentieren wir in diesem Artikel, messen den Leistungszuwachs gegenüber der GTX 780 und widmen uns ausführlich dem Overclocking der eingesetzten GTX 980. Zudem führen wir Alternativen für weniger technikaffine Nutzer auf.


Um die aktuellsten Top-Titel beispielsweise aus der Battlefield- , Far-Cry-, Crysis- oder Assassins-Creed-Serie mit maximalen Details, starker Kantenglättung und mindestens 1080p flüssig zocken zu können, wird eine Grafikkarte der High-End-Kategorie nötig. Dazu zählen derzeit die R9-Modelle aus AMDs Radeon-Reihe sowie die Nvidia-Ableger auf Basis der zweiten Maxwell-Generation in Form der Geforce GTX 970 und GTX 980. Letztere bildet derzeit die Single-GPU-Speerspitze auf dem Grafikkartenmarkt, glänzt aufgrund der überarbeiteten Architektur mit einer hohen Effizienz und kann vom Nutzer ohne weiteres stark übertaktet werden. Aus diesem Grund rüsten wir unseren bereits bekannten Beispiel-PC mit dem VGA-Flaggschiff auf, um aufzuzeigen, wie sich die Leistung gegenüber der bisher genutzten GTX 780 entwickelt und welche Performance-Steigerung durch den Einfluss einer Wasserkühlung und schließlich durch Overclocking möglich ist.

Gleichzeitig dokumentieren wir den Wakü-Umbau der GTX 980 und erläutern, welche Schritte nötig sind, um die alte Grafikkarte aus dem Kühlkreislauf sowie dem System zu entnehmen respektive die neue einzubinden.

 

Das Vorhaben

Um die Leistung unseres Beispielsystems für diese Artikelreihe in Form eines starken Gaming-PCs gerade im 3D-Bereich auf ein neues Maximum zu steigern und damit für kommende Spiele gerüstet zu sein, tauschen wir die bisher eingesetzte GTX 780 gegen die neue GTX 980 aus. Dadurch können wir nicht nur im Praxis-Test ermitteln, ob ein Wechsel tatsächlich Vorteile mit sich bringt, die den massiven Preis von über 500 Euro rechtfertigen. Zum anderen ist es uns so möglich festzustellen, für welche Einstellung die durch Overclocking gesteigerte Performance in Spielen wie beispielsweise Battlefield 4 und Far Cry 4 ausreicht.

 

Zu wechselnde Komponenten

Obwohl die Vorteile einer ordentlich konfigurierten Wakü in einer massiven Kühlleistung sowie geringen Lautstärke liegen, müssen gegenüber einer Luftkühlung ein erhöhter Aufwand beim Wechseln von Komponenten in Kauf genommen und je nach Bauteil ein neuer Kühlblock erworben werden. Gerade bei Grafikkarten sind in der Regel bei einem Wechsel auch teure, auf die Platine angepasste Fullcover-Modelle nötig, die meist nicht auf die nachfolgenden Modelle passen. Daher benötigen wir neben der Grafikkarte selbst, einen kompatiblen Kühler. Im Ausnahmefall werden zudem neue Anschlüsse oder Winkel-Adapter und etwas Schlauch fällig.

Wir nutzen für diesen Artikel eine Geforce GTX 980 Trooper von Point Of View im Referenzdesign und einen Fullcover-Block mit der Bezeichnung "EK-FC980 GTX - Nickel" aus dem Hause EK Water Blocks samt passender Backplate in schwarz. Die gesamten Elemente wurden uns freundlicherweise von MIFcom zur Verfügung gestellt.

 

Umbau im Detail

Vorbereitung:

Bevor das Wasser aus dem Kühlkreislauf abgelassen werden kann, muss der PC entsprechend vorbereitet werden. Zunächst sind alle äußeren Anschlusskabel vom Computer zu trennen und der Tower auf eine geeignete Arbeitsfläche zu stellen. Dann ist es ratsam, großzügig saugstarkes Küchenpapier im Innenraum des Gehäuses auszulegen, damit eventuelle Flüssigkeitsrückstände aus den Leitungen oder beim Ablassen der Flüssigkeit nicht auf der kostbaren Hardware landen. Außerdem sollte wie bei allen Arbeiten am PC vorher eine statische Entladung stattfinden. Dies kann über den unlackierten Teil ein Heizkörpers oder durch spezielle Antistatik-Gadgets geschehen.

Flüssigkeit ablassen:

Sind alle Vorbereitungen getroffen, kann die Flüssigkeit aus dem Kühlkreislauf abgelassen werden. In unserem Fall nutzen wir zur Entnahme die vordere Öffnung an der Unterseite der AGB-Pumpen-Kombination. Beim Ablassen sollte allerdings für einen schnellen Arbeitsablauf Luft nachströmen können. Hierzu entfernen wir dem Stopfen aus dem Deckel des Ausgleichsbehälters. Beim Ablassen sollte der PC ab und zu gekippt werden, damit die Flüssigkeit aus allen Teilen des Kühlkreislaufs abläuft. Leichtes Schütteln sollte schlussendlich auch den letzten Rest Kühlwasser aus dem System entfernen.

Verschlauchung lösen:

Ist sichergestellt, dass keine Flüssigkeit mehr nachläuft, können die Anschlüsse der noch im System befindlichen Grafikkarte abgenommen werden. Bei diesem Schritt sollte direkt darunter ein Tuch liegen, weil in den Fittings oder dem Kühler selbst noch kleine Flüssigkeitsmengen vorhanden sind. Anschließend sind noch die Stromkabel zu entfernen.

Grafikkarte entfernen:

Dieser Schritt unterscheidet sich gegenüber einem Grafikkartenwechsel mit Luftkühlung nicht, denn hierbei sind lediglich die Schrauben an der Slot-Blende zu lösen, der Verschluss am PCI-Express-Steckplatz zu öffnen und letztlich die Komponenten vorsichtig aus dem Innenraum zu entnehmen.

Neue Grafikkarte vorbereiten:

Bevor die neue Grafikkarte ins System verbaut werden kann, muss der entsprechende Fullcover-Block montiert werden. Dazu ist zunächst der vorhandene Kühler abzunehmen, was durch das Lösen der rückseitig angebrachten Schrauben geschieht. Im Falle der GTX 980 von POV befindet sich eine zusätzliche Schraube an der Slot-Blende.

Nun gilt es, die GPU von der Wärmeleitpaste zu befreien und die RAM- sowie Spannungswandler-Chips mit einen Radiergummi zu reinigen. Durch den letztgenannten Arbeitsschritt haften die Wärmeleitpads besser auf den Bausteinen. Abschließend sollte die Platine noch mit einem Pinsel beidseitig gesäubert werden. 

Darauffolgend bringen wir wie in der Anleitung beschrieben die Wärmeleitpads auf die nötigen Stellen wie die Video-Speicher- und MOSFET-Chips auf. Danach erfolgt das Auftragen der Wärmeleitpaste auf die GPU. Hierbei ist auf eine gleichmäßige Verteilung zu achten!

Da die Platine nun entsprechend vorbereitet ist, folgt die Installation des zuvor mit destilliertem Wasser gespülten Fullcover-Blocks. Dieser wird sorgfältig auf die Vorderseite der Grafikkarte aufgelegt und dann rückseitig mit den vier vorgesehenen Schrauben befestigt. Deren endgültige Fixierung erfolgt gleichmäßig und über Kreuz, ohne die Verschraubung zu stark anzuziehen. Im Anschluss daran, sind noch die Stopfen an den nicht benötigen Öffnungen anzubringen.

Bevor die Backplate auf die Platine aufgesetzt wird, müssen an den entsprechenden Positionen noch die Reste der Wärmeleitpads angebracht werden, denn die Metallplatte sorgt für eine zusätzliche Wärmeableitung. Die Verschraubung erfolgt nach der Vorgabe der beiliegenden Anleitung.

Neue Grafikkarte einbauen:

Der Einbau des neuen 3D-Beschleunigers ist simpel und Bedarf nur weniger Handgriffe. So muss die Karte in den vorhergesehenen PCI-Express-Slot eingesteckt, mit dem Gehäuse verschraubt und mit den entsprechenden Stromkabeln verbunden werden. Da sich der neue Kühler allerdings deutlich von dem der vorherigen Grafikkarte unterscheidet, müssen wir die Winkel-Adapter gegen konventionelle Anschlüsse tauschen. Zudem ist beim EK-FC980 GTX aufgrund der verwendeten Jetplate die Einströmrichtung zu beachten um die höchstmögliche Kühlleistung zu erzielen. Zwar gibt EKWB an, dass auch die umgekehrte Fliessrichtung erlaubt ist, allerdings können sich dadurch Leistungsverluste einstellen. Aus diesem Grund nutzen wir den entsprechenden Einlass, müssen uns allerdings mit einem 45-Grad-Adapter behelfen, damit die vom CPU-Kühler kommenden Schläuche nicht kollidieren.

Bevor die endgültige Verschlauchung erfolgen kann, sollte die Länge des Tubes auf ein "ästhetisches" Maß gebracht werden. Da die GTX 980 deutlich schmaler als unsere vorher verbaute GTX 780 von Asus ausfällt, mussten wir den Schlauch um einige Zentimeter kürzen.

Befüllen der Wakü und Inbetriebnahme des Systems:

Nachdem die Grafikkarte nun wieder ins System und den Kühlkreislauf integriert ist, befüllen wir den Ausgleichsbehälter, um die Wakü mit Flüssigkeit zu versehen. Dabei sollten die Pumpintervalle sehr kurz und mit ausreichend langen Pausen ausfallen, da CPU und Grafikkarte bereits Wärme erzeugen, die nur sehr schlecht abgeführt wird. Alternativ kann das Netzteil vom Mainboard sowie der Grafikkarte getrennt oder ein zweites, externes Netzteil nur mit der Pumpe verbunden werden.

Ratsam ist es, gänzlich neue Flüssigkeit ins System einzufüllen. Da unsere Wakü allerdings noch nicht allzu lange läuft, verwenden wir die zuvor abgelassene Flüssigkeit ein zweites Mal, Filtern diese aber vorher. Obwohl wir beim Aufbau des Systems alle Komponenten der Wasserkühlung einzeln und sorgfältig gereinigt haben, sammelten sich einige Schmutzpartikel an.

Eine ausführliche Beschreibung der Inbetriebnahme einer Wasserkühlung ist unter diesem Link zu finden.

 

Mögliche Gefahren beim Umbau

Ein Komponentenwechsel fällt in einem System mit Wasserkühlung nicht nur recht aufwendig aus, sondern birgt weitere Gefahren, die das System irreparabel schädigen können. Nachfolgend führen wir als Ergänzung zu unserem ausführlicheren Wasserkühlungspart mögliche Schäden auf:

Statische Aufladung: Bereits bei der Installation des Fullcover-Blocks auf die Grafikkarte, kann die statische Aufladung zu einem schnellen Tod oder gar schleichenden Schaden an der Grafikkarte führen. Wird beim Zusammenbau beispielsweise Kleidung aus synthetischen Fasern getragen oder auf einem langflorigen Teppich gearbeitet, kann unbemerkt Strom vom Körper auf die Grafikkarte fließen, wodurch empfindliche Bauteile Schaden nehmen. 

Anpressdruck: Beim Verschrauben des Kühlers auf die Grafikkarte können starke Kräfte wirken. Beispielsweise sorgt wenig vorsichtiges Anziehen der Schrauben für zu hohen Druck auf der GPU oder den dazugehörigen Chips, die dann brechen. Auch kann sich das PCB relativ leicht durchbiegen, wodurch im schlimmsten Fall Leiterbahnen reißen. Meist werden solche Fehler dann erst nach dem Einbau und dem ersten Betrieb ersichtlich, was für zusätzlichen hohen Aufwand sorgt.

Metallspäne: Da die Wasserkühler aus Metall bestehen, können beim Verschrauben Späne entstehen oder beispielsweise Nickel abplatzen. Gelangen die Splitter auf einen Teil der Platine, durch den Strom fließt, sind ein Kurzschluss und damit ein fataler Schaden nicht auszuschließen. 

Leckagen: Eine Wasserkühlung muss zu jeder Zeit dicht sein, damit die Flüssigkeit nicht auf die Hardware gelangt. Bereits eine schlechte Verschraubung der Anschlüsse oder des Schlauchs führt zum Entweichen des Kühlwassers. Selbst kleinste Risse im Plexiglas oder fehlerhafte Dichtungen sorgen früher oder später für ein Leck. Letzteres muss nicht zwangsweise vom neuen Kühler kommen, sondern umliegende Wakü-Komponenten können beim Umbau unbemerkt beschädigt werden. Dies geschieht beispielsweise durch Zug am Schlauch oder beim Hantieren an den Anschlüssen.

Kühlmittel: Auch die Flüssigkeit in einer Wasserkühlung kann zu Schäden führen. Kommen beispielsweise Kühler aus unterschiedlichen Materialien zum Einsatz, ohne, dass ein entsprechender Zusatz vorhanden ist, zersetzen sich die Blöcke durch eine chemische Reaktion. Zwar kommen Fertigmischungen oder Konzentrate mit allen nötigen Additiven daher, können dafür aber auch die Weichmacher aus den Schläuchen lösen und die feinen Rillen der Kühler zusetzen, was schlussendlich zu einer Überhitzung führt. 

Punktuelle Kühlung: Da die Wasserkühlung in der Regeln mit niedrigen Lüfterdrehzahlen auskommt und nur punktuell die Abwärme an den verbauten Kühlern abführt, drohen Hotspots an vernachlässigten Elementen im System. Gerade bei Mainboards verzichten viele auf die Kühlung von Spannungswandlern und Chipsätzen. Je nach Plattform und Übertaktung werden die genannten Bauteile recht heiß und altern dadurch theoretisch schneller.  

 

Vergleich: GTX 780 vs. GTX 980

Werden die technischen Daten der beiden Grafikkarten auf dem Papier verglichen, sollte die GTX 780 theoretisch schneller arbeiten, allerdings haben diverse Tests gezeigt, dass die GTX 980 durch eine massive Architektur-Optimierung mehr Bilder pro Sekunde berechnen kann. Doch wie groß fällt der Unterschied in der Praxis aus? Dieser Frage sind wir natürlich auf den Grund gegangen und haben einen Vergleich mittels gängiger Games sowie Benchmarks erstellt. Alle Spieledetails wurden auf das Maximum gestellt.

BenchmarkGTX 780GTX 780 OC (1,24/3,2 GHz)GTX 980
Far Cry 4 - 1080p58,6 fps67,5 fps 75,3 fps
Battlefield 4 - 1080p51,7 fps57,6 fps 67,4 fps
Valley - Extreme HD
61,7 fps70,4 fps 65,9 fps
3DMark Firestrike (GPU)10.227 Pkt.11.691 Pkt. 13.512 Pkt.
Stromverbr. (ganzes System)336,6 Watt359,6 Watt 304,1 Watt
Wassertemp. bei (600 Umin)32,8 °C36,2 °C 31,4 °C

Die GTX 980 liegt bereits ohne Übertaktung vor der GTX 780 und verbraucht zudem weitaus weniger Strom. Dank der gesteigerten Effizienz des Systems, bleibt der Wasserkreislauf kühler, wodurch die Lüfterdrehzahlen reduziert werden können und damit eine geringere Geräuschkulisse einhergeht.

 

Overclocking der Geforce GTX 980

Um die maximale Leistung aus der GTX 980 herauszuholen, übertakten wir die Grafikkarte. Dadurch erhalten wir ein sattes Performance-Plus ohne zusätzliche Kosten. Im Folgenden wollen wir das Vorgehen kurz erläutern und die OC-Abläufe beschreiben. Zunächst ist zu beachten, dass durch das Übertakten je nach Hersteller, die Garantie verloren geht. Außerdem altert die Hardware schneller und ist dementsprechend anfälliger für Schäden. Alle Übertaktungsversuche erfolgen daher auf eigene Gefahr. 

Nötige Tools und Software:

Um die Grafikkarte übertakten zu können, wird ein passendes Tool nötig, welches die Veränderung der entsprechenden Parameter zulässt. Im Falle einer Nvidia-Grafikkarte raten wir zu EVGAs Precision X oder dem MSI Afterburner. Beide Programme bieten ähnliche Overclocking-Funktionen. Neben dem OC-Tool muss ein Spiel oder Benchmark vorhanden sein, um die Übertaktung auf die Stabilität hin zu überprüfen. Als besonders effektiv haben sich Battlefield 4 und der 3DMark herausgestellt. Unigine Valley oder Heaven liefen auch noch mit weitaus höheren Taktraten fehlerfrei. Dadurch ist das Ermitteln des stabilen Maximums mit diesen Benchmarks nicht ratsam.

Zu den besonders rechenintensiven Szenen von Battlefield 4 gehört der Springbrunnen vor dem Hotel der zweiten Mission. Damit lässt sich innerhalb weniger Minuten feststellen, ob die Übertaktung stabil arbeitet. Eine ähnlich hilfreiche Alternative stellt der Fire-Strike-Benchmark von 3DMark dar. Selbiger sollte mindestens 10 bis 20 Mal fehlerfrei durchlaufen werden. Wer die Pro-Version nutzt, kann auf den Full-Screen-Loop zurückgreifen.

Voreinstellungen:

Um den maximalen GPU-Takt unter den gegebenen Umständen erreichen zu können, muss das Power- und Temperatur-Target auf den maximalen Wert gestellt werden. Dadurch greifen die software-seitigen Schutzmechanismen der Grafikkarte später und es lässt sich ein höherer Takt erzielen oder wird konstanter gehalten. Auf eine Spannungserhöhung sollte vorerst verzichtet werden.

Maximalen GPU-Takt ermitteln:

Sind die Voreinstellungen getroffen, kann sich der GPU-Frequenz gewidmet werden. Selbige ist je nach Standardtakt vorsichtig zu steigern. Zu Beginn sollte der Wert in 50-Megahertz-Schritten angehoben und anschließend mit Battlefield 4 oder 3DMark Fire Strike auf Stabilität getestet werden. Treten keine Fehler auf, wird der Vorgang solange wiederholt, bis Artefakte oder Blackscreens zu sehen sind. Auch Treiberabstürze weisen auf eine zu hohe Frequenz hin. Tritt ein solcher Fehler auf, sollte der Takt auf den vorherigen, stabilen Wert reduziert und nur noch in kleinen Schritten erhöht werden.

Im Falle unserer GTX 980 liefen ein Plus von 224 Megahertz und somit 1.503 Megahertz (maximaler Boost) ohne Fehler und satte 24 Stunden in der oben aufgeführten Szene von Battlefield 4 stabil durch. Allerdings konnten wir Far Cry 4, Ryse und Crysis Warhead (4k-Setting) mit einer Steigerung von +290 Megahertz ohne Fehler spielen. Einziges Indiz für den zu hohen Takt war ein starkes, sporadisches Ruckeln auch mit aktivierter V-Sync. Spiele wirken daher selbst mit Frameraten über 40 FPS eher wenig flüssig. Hierbei wird klar, dass sich zu starkes OC trotz augenscheinlicher Stabilität kontraproduktiv auswirkt.

Wer denkt, den GPU-Takt durch eine Spannungszunahme weiter anheben zu können, wird nach ausgiebigen Tests feststellen, dass der eingestellte Wert keine weitere Steigerung zulässt. Lediglich die maximale Boost-Frequenz nimmt mit der Erhöhung zu. Auch lässt sich im Falle unserer vorliegenden Grafikkarte zwar ein Plus von 87 Millivolt einstellen, wirklich übernommen werden allerdings nur +50 Millivolt. Demnach bildet der letztgenannte Wert unser Spannungslimit. Damit liegen laut dem EVGA-Tool dann unter Last 1.527 Megahertz an. Bis zur Spannungssteigerung von +25 Millivolt erreicht der Boost-takt das Maximum von 1.514 Megahertz. Somit zeigt sich, dass zwei zusätzliche Frequenzstufen über insgesamt acht Spannungseinstellungen bereitstehen:

SpannungMaximaler Boost-Takt
+0 mV1.502 MHz
+6 mV1.514 MHz
+12 mV1.514 MHz
+18 mV1.514 MHz
+25 mV1.514 MHz
+31 mV1.527 MHz
+37 mV1.527 MHz
+43 mV1.527 MHz
+50 mV1.527 MHz

Wie die Tabelle verdeutlicht, können pro Taktstufe vier Spannungswerte genutzt werden. Dementsprechend sind beide Faktoren durch weitere Stabilitätstests aufeinander abzustimmen. Sprich: Der zweite Taktsprung muss nicht zwangsläufig mit +50 Millivolt betrieben werden, sondern kann auch schon mit +31 Millivolt stabil arbeiten!

Maximalen Speichertakt ermitteln

Nachdem das Maximum der GPU ausgelotet ist, erfolgt dieselbe Prozedur für den Speicher. Der VRAM gibt weitere Leistungsreserven frei, wodurch die Performance in der Praxis weiter steigt. Der Takt des Vieo-Speichers wird ebenfalls in kleinen Schritten erhöht und mit Battlefield 4 oder 3DMark auf den fehlerfreien Betrieb getestet. Doch hierbei gilt es zu beachten, dass das Power-Target auch den Speicher in die Berechnung einbezieht: Je höher die Frequenz des VRAMs ausfällt, umso mehr wird der maximale GPU-Takt beeinflusst. Die nachfolgende Tabelle zeigt die Auswirkungen am Beispiel einer einstündigen Belastung mit Far Cry 4:

Übertaktung (GPU/VRAM)durchschn. Boostdurchschn. PTFps (avg. / min.)
+224 / +0 MHz1.526 MHz121,4 %43,9 / 41 fps
+224 / +200 MHz1.515 MHz119,0 %44,3 / 41 fps
+224 / +400 MHz1.513 MHz120,6 %46,4 / 41 fps
+224 / +600 MHz1.510 MHz123,4 %45,9 / 42 fps

Obwohl der GPU-Takt ohne VRAM-Overclovcking nahe am Maximum liegt, fallen die ermittelten Bilder pro Sekunde geringer als mit Speicher-Übertaktung aus. Welche Mischung optimale Ergebnisse erzielt, sollte bei jeder Grafikkarte individuell festgestellt werden. Optional kann das Power-Target durch ein Mod-BIOS oder einen Hardware-Mod deaktiviert werden. Hierbei ist aber zu beachten, dass die Garantie auf jeden Fall erlischt.

Übertaktung dauerhaft testen: 

Nachdem die Werte mehrere Stunden auf Stabilität überprüft wurden, sollten weitere Tests mit diversen Spielen durchgeführt werden, um den fehlerfreien 24/7-Betrieb zu gewährleisten. Der Speicher unserer GTX 980 verkraftet ohne weiteres ein Plus von satten 630 Megahertz.

Letztlich arbeitet unsere GTX 980 mit 1.527/4.136 Megahertz absolut fehlerfrei.

 

OC-Performance

Dank der massiven Übertaktung erreicht unsere GTX 980 noch höhere Benchmarkergebnisse und kann deutlich mehr Bilder pro Sekunde berechnen:

BenchmarkGTX 980GTX 980 OC
Leistungsplus
Far Cry 4 - 1080p75,3 fps85,1 fps13,1 %
Battlefield 4 - 1080p67,4 fps80,3 fps19,1 %
Valley - Extreme HD
65,9 fps79,2 fps20,2 %
3DMark Firestrike (GPU)13.512 Pkt.16.213 Pkt.20,0 %
Stromverbr. (ganzes System)304,1 Watt340,2 Watt11,9 %
Wassertemp. bei (600 Umin)31,4 °C34,7 °C10,5 %

Dank der zusätzlichen Übertaktung, kann die GTX 980 bis zu 20 Prozent mehr Bilder pro Sekunde Berechnen, verbraucht aber nur etwas über 10 Prozent mehr Strom. Doch reicht die Leistung auch für die Ultra-HD-Auflösung und maximale Details bei aktuellen Spielen?

UHD-Benchmarks:

Um festzustellen, ob die GTX 980 im übertakteten Zustand in der Lage ist, aktuelle Spiele in Ultra-HD darzustellen, haben wir einen kurzen Test mit Far Cry 4, Battlefield 4 und Crysis Warhead durchgeführt.

BenchmarksSettingsavg. Fpsmin. Fps
Far Cry 4 3.820 x 2.400 px / max. Details / kein AA36,4 fps31,0 fps
Battlefield 43.820 x 2.400 px / max. Details / kein AA35,8 fps22,0 fps
Crysis Warhead3.820 x 2.400 px / max. Details / kein AA37,4 fps29,6 fps

Hierbei zeigt sich, dass dank des Overclockings ausreichend Reserven für den UHD-Genuss bereitstehen. Allerdings sollten noch einige Details reduziert werden, damit die Frame-Rate über 40 Bilder pro Sekunde ansteigt und damit auch ein flüssiges Bild dargestellt wird.

 

Zusammenfassung

Der Komponentenwechsel sorgt bei einem System mit Wasserkühlung für erhöhten Aufwand und lohnt sich in der Regel nur, wenn die neue Hardware markant schneller ist. Im Falle eines Austausches der GTX 780 gegen die GTX 980 erreicht das System eine Mehrleistung von rund 30 Prozent. Gleichzeitig reduziert sich der Energiebedarf um einige Watt. Somit lohnt sich das Aufrüsten, auch in Anbetracht der Tatsache, dass die neue Grafikkarte mit rund 550 Euro zu Buche schlägt. Zusätzlich werden noch einmal rund 100 Euro für den passenden Kühler fällig. Wer aktuell eine GTX 780 Ti nutzt, sollte vermutlich besser auf die Titan 2 oder GTX 980 Ti warten. Nichtsdestotrotz erlaubt das aktuelle Geforce-Flaggschiff der zweiten Maxwell-Generation dank der massiven Leistung, der guten Übertaktbarkeit und dem DSR-Feature den Genuss von aktuellen Spielen mit einer Auflösung weit über Full-HD.

 

Alternative Systemintegrator

Wer wenig Erfahrung im Umgang mit Hardware hat respektive wenig handwerklich begabt ist, sollte entweder bei der Kühlung mit Luft bleiben oder auf professionelle Hilfe zurückgreifen. Dabei gelten spezialisierte Systemintegratoren als erste Anlaufstelle. Als Beispiel möchten wir an dieser Stelle das münchner Unternehmen MIFcom nennen, das laut eigenen Angaben gerade im Umgang mit Gaming-PCs, High-End-PCs und Wasserkühlungen sowie dem Thema "Individualisierung" Vorreiter auf dem deutschen Markt ist. Jedes System lässt sich im Onlineshop frei konfigurieren, mit einer Wakü bestellen und auf Wunsch mit speziellen Elementen wie Sleeve oder besonderen Lüftern ausstatten. Auch kündigte das Unternehmen kürzlich die neuen Custom-Paint-Systeme an, bei denen die Gehäuse mit einer eigenen Lackierung versehen sind.

Eigenen Angaben nach, gehört das PC-System TJ11 Triple-SLI WaKü zu den beliebtesten High-End-PCs mit Wasserkühlung von MIFcom. Auf Anfrage teilte uns der Systemintegrator mit, dass genau dieser Rechner als wahrscheinlich exklusivstes Custom-Wakü-System gilt, welches in Deutschland kommerziell erhältlich ist und zudem von zahlreichen Kunden in unterschiedlichen Ausführungen und Modding-Varianten bestellt wurde.

Zum Unternehmen: MIFcom wurde 2008 gegründet und gehört zu den führenden Systemherstellern leistungsstarker, persönlich konfigurierbarer PCs und Notebooks. Laut dem Münchner Unternehmen, liegt die Kernekopetenz in der Entwicklung von Computersystemen, die nach Kundenwunsch zusammengestellt werden und mit Wasserkühlungsoptionen sowie diversen Overclocking-Stufen aufwarten können. Dabei nutzt der Systembauer die Komponenten, die mit einer hohen Zuverlässigkeit punkten sollen und in den Tests besonders gut abschneiden. Der Zusammenbau der Systeme erfolgt mit einem hohen Qualitätsanspruch. Davon konnten wir uns bereits im jüngsten Komplett-PC-Review überzeugen. Die dabei getestete Battlebox überzeugte mit einer ordentlichen Verarbeitung und hohen Leistung.

MIFcom arbeitet laut eigener Aussage außerdem eng mit den Partnern zusammen, wodurch beispielsweise spezielle BIOS-Versionen eingesetzt werden können, die bereits vor dem offiziellen Release diverse Bugs beheben oder besondere Kundenwünsche erfüllen. 

Wer also wenig Zeit hat oder nicht das nötige Know-How im Umgang mit Hardware aufbringen kann, ist sicherlich gut beraten, das Wunsch-System von solch professionellen Unternehmen erstellen zu lassen. Ein selbstständiger Zusammenbau spart hingegen Geld, erfordert aber Geschick und einen Überblick über die aktuelle Situation am Hardware-Markt.

Weitere Teile der Artikelreihe:

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