Test: Corsair K95 RGB Platinum im Test

Tastaturen gibt es von Corsair inzwischen seit einigen Jahren. Dass selbige bei der Käuferschaft sehr populär und dabei auch verbreitet sind, ist nicht abzustreiten. Nichtsdestotrotz gibt es hin und wieder eine Modellpflege, bei der nun auch das Spitzenmodell ein Update erfährt. In diesem Fall ist es die zur CES präsentierte K95 RGB Platinum, die mit vielen Zusatzfeatures auf Enthusiasten abzielt, welche ein kompromissloses Eingagerät suchen. Im Test muss das Eingabegerät der Korsaren zeigen, ob sich der hohe Anschaffungspreis angesichts der Performance rentiert.


Tastaturen erfuhren im Laufe der letzten Jahre keine grundlegende Veränderung, denn das Rad neu erfinden, ist schließlich kaum möglich. Vielmehr definieren sich die Hersteller durch Materialgüte, Oberflächenoptik, Zusatzfeatures und seit geraumer Zeit insbesondere die Beleuchtung - und von allem soll die neue Speerspitze von Corsair möglichst viel beziehungsweise in hoher Qualität bieten.

Das amerikanische Unternehmen schickt sich mit der K95 RGB Platinum an, eine Interpreration eines kompromisslosen Eingabegeräts in den Handel zu schicken. Die Zielgruppe ist dabei mit Hinblick auf den Preis klar: Der Enthusiast muss rund 200 Euro in die Hand nehmen, um eine Tastatur mit Schaltern des Typs Cherry MX-Speed oder Cherry MX-Brown auszuwählen. Hinzu gesellt sich eine massive Bauweise, Makro-Tasten und eine Implementierung sämtlicher State-of-the-Art-Zusatzausstattung wie das Lautstärkerad-, Media-Tasten und eine sehr aufwendige Beleuchtungsvielfalt. Wir schauen uns im Test genau an, ob Corsair an den vielen Stellen die Arbeit zu Ende gedacht hat, oder ob hier und da doch Kompromisse eingegangen werden müssen.

Lieferumfang

Corsair setzt das erst kürzlich neu aufgelegte Verpackungsdesign konsequent fort. Hierbei verfügt sämtliche Peripherie über eine Kartonage mit gelben Akzenten, was inzwischen als Corsair-typisch anzusehen ist. Im Inneren finden sich indes keine aufsehenserregende Zusätze: Die Zusatztasten mit rauer Oberfläche gibt es wie auch den Kunststoff-Keypuller bei bisher erschienenen Tastaturen der K-Serie bereits im Lieferumfang. Die Handballenauflage ist auch als Zusatzteil zu sehen, schließlich muss selbige eigenhändig an die Tastatur angebracht werden. 

Verarbeitung und Optik

Bei einem Marktpreis von rund 200 Euro sind die Erwartungen an Verarbeitung und Haptik sehr hoch. Und diese erfüllt Corsair beim ersten Blick und Kontakt ohne Mühe. Schließlich verwendet der Hersteller großflächig Aluminium, was auch eine Schlüsselspezifikation der hauseigenen K-Serie ist. Der Werksstoff kommt hierbei als dicke Frontplatte, auf der die Schalter von Cherry montiert sind. Hierdurch entsteht der charakteristische Effekt der K-Baureihe, bei der jede Taste einzeln aus dem Gehäuse herausragt. Die durchsichtigen RGB-Schalter kommen dank dieser Bauweise noch besser zum Vorschein. Die soeben genannten äußerlichen Merkmale sind insbesondere mit Blick von der Seite aus zu sehen.

Die Corsair K95 RGB Platinum ist eine Tastatur im Standard ISO-Layout inklusive des Nummernblocks mit Pfeiltasten und den Funktionstasten. Darüber hinaus spendiert Corsair dem Keyboard links an der Oberseite drei dedizierte Tasten zur Profilauswahl, für die Beleuchtungsintensität und für den Windows-Lock-Button. Weitere Eingabemöglichkeiten befinden sich rechts: Das von vielen Nutzern gern gesehene Lautstärkerad nebst Stummschalter gibt es wie die vier Medientasten auf der K95 RGB Platinum. Letztere verfügen allerdings nicht über mechanische Taster. Die sind nämlich bei den sechs G-Tasten am linken Ende der Tastatur gegeben. Hier kann der Nutzer frei wählen, wie er die zusätzlichen Makros belegt. Kaum sichtbar lässt Corsair zwischen dem Lautstärkerad und dem beleuchteten Logo in der Mitte die Funktions-LEDs ein. Alle Tasten bringt Corsair in ein Gehäuse mit Ausmaßen von 465 x 171 x 36 Millimetern (ohne Handballenauflage) unter, womit das Eingabegerät zu den größeren Brechern gehört. Die hohe Materialanmutung unterstreicht das Gewicht von 1,3 Kilogramm.

Der Grundaufbau der K95 RGB Platinum lädt zum schnellen Schreiben ein. Dafür sprechen nicht nur die silbernen MX Speed-Schalter von Cherry, sondern auch der gewählte Abstand, die Beschriftung und auch die angenehme Oberflächenbeschaffenheit jeder einzelnen Taste. Wichtig ist an dieser Stelle anzumerken, dass sowohl die Leertaste, als auch die sechs G-Tasten eine raue Oberflächenstruktur aufweisen. Leider setzt Corsair nicht auf langlebige PBT-Keycaps, sondern auf preiswerte Kappen aus ABS-Kunststoff. Die Zeit wird zeigen, wie lange es dauert, bis erste Tasten mit glänzender Oberfläche auffallen.

Einen Teil der durchdachten Ausstattung stellt auch der integrierte USB-Port dar. Dieser ist rechts neben dem Kabelausgang angebracht und erlaubt das sogenannte Pass-Trough. Somit können Eingabgegeräte wie ein Gamepad oder eine Maus angeschlossen werden. Auf der Unterseite befinden sich die Aufstellfüße, welche gummiert sind und auf der Standfläche ein unabsichtliches Abrutschen verhindern sollen. Corsair entschied sich, die Aufstellfüße in einer ungewöhnlichen Anordnung zu implementieren: Sie lassen sich nämlich nach links und rechts aufklappen, was ein Brechen selbiger unter normalen Umständen fast schon unmöglich macht. Kabelführungen in X-Anordnung an der Unterseite helfen Kabel sauber unter der Tastatur zu führen, sodass in hitzigen Gefechten keine Beeinträchtigung durch umherbaumelnde Headset-Kabel zu befürchten ist.

Die Corsair K95 RGB Platinum wird über zwei USB-Ports mit Strom versorgt. Mit einer Länge von 1,8 Metern ist das dicke Verbindungskabel ausreichend dimensioniert. Dank der robusten Ausführung ist ein Kabelbruch auch bei längerer Nutzungsdauer wahrscheinlich kein Thema. 

Software

Corsair fokussiert jeden Effort auf die Applikation namens CUE, um die hauseigene Peripherie zu individualisieren.  Die Erkennung geschieht nach Installation des Programms automatisch, die K95 RGB Platinum kann dann sofort ausgewählt und konfiguriert werden. Neben den visualisierten Profilen, die entweder softwareseitig in hoher Anzahl oder zu dritt auf dem 8MB großen Onboard-Speicher abgelegt werden können, befinden sich außerdem weiter unten drei Reiter, mit denen sich das Eingabegerät tiefgreifend individualisieren lässt.


Die Kategorie "Aktionen" ist für die Erstellung von Makros vorgesehen. Unter anderem können so die sechs verfügbaren G-Tasten mit Funktionen belegt werden. Unter "Beleuchtungseffekte" kann die Tastatur in Sachen Beleuchtung umfangreich den eigenen Wünschen angepasst werden. Obligatorische Features wie die Regenbogenwelle, der Spiralregenbogen oder Farbpulse sind mit an Bord. Nutzer können auch mehrere Farbeinstellungen über die Software übereinander legen, um aufwendige Lichteffekte erstellen zu können.

Die gegebenen Möglichkeiten laden in jeder Hinsicht ein, vieles einfach auszuprobieren. Falls ein Nutzer eine einzigartige, sehenswerte Beleuchtungskombination mit anderen Besitzern der K95 RGB Platinum teilen will, kann dies ohne Weiteres tun. Denn Beleuchtungsprofile können ohne Probleme hochgeladen werden. Interessierte finden passende LED-Profile hier. Zu beachten ist jedoch, dass viele dieser Profile noch nicht für die K95 RGB Platinum angepasst worden sind. Die linken G-Tasten inklusive der LightBar müssen meist manuell mit einer Einstellung versehen werden.

Der dritte Reiter mit der Bezeichnung "Optionen" gibt dem Nutzer eine weitere Möglichkeit zur Einstellung weiterer Funktionen. Was passieren soll, wenn die WIN-Lock-Taste aktiviert ist, lässt sich hier unter anderem festlegen. 

Insgesamt ist Corsairs CUE eine umfangreich ausgestattete Software, die einen Anfänger mit großer Wahrscheinlichkeit überfordern dürfte. Denn die vielschichtigen Einstellungsmöglichkeiten lassen den Nutzer schnell verloren gehen. Eine gewisse Einarbeitungszeit ist für den Käufer der K95 RGB Platinum ein Muss - schließlich will und soll man alle Möglichkeiten zur Individualisierung der Tastatur entdecken und das volle Potential aus dem Gerät schöpfen.

Praxistest

Die hohe Materialanmutung und die durchweg makellose Verarbeitung sind zwei Dinge, die bei der Nutzung des Tastatur-Flaggschiffs der Korsaren umgehend auffallen. Die gebürstete Alu-Oberfläche ist Fingerabdruckresistent und mit einem Pinsel lassen sich dank der freiliegenden Switches auch die Zwischenräume ohne Probleme vom Schmutz befreien. Individualisierungsmöglichkeiten gibt es Abseits der zuvor erwähnten Multi-Color-Beleuchtung für jede Taste auch hinsichtlich der Handballenauflage. Corsair setzt auf eine einsetzbare Matte, die auf der einen mit einer eher rauen, gummierten Oberfläche daherkommt, während das Gegenstück feiner und somit ein bisschen glatter ausfällt.

Der Autor dieser Zeilen präferiert die glatte Variante, was letztendlich Geschmackssache ist. Im Großen und Ganzen differieren beide Oberflächen nicht groß, wünschenswert wäre eine Oberflächenbeschaffenheit der Handballenauflage einer K70, respektive K65, die noch ein Stück glatter ausfällt. Aufgestellt ist eine Nutzung der Auflage nicht zwingend erforderlich: Denn auch ohne lässt es sich angenehm Tippen, weil der Aufstellwinkel samt der abfallenden Geometrie des Tastenfeldes eine angenehme Position der Unterarme und Handgelenke ermöglicht. Dies führt zu einer Platzersparnis, sodass die K95 RGB Platinum nicht mehr allzu wuchtig auf dem Schreibtisch wirkt.

Gut finden wir an dieser Stelle auch die sinnvolle Positionierung der Medientasten: Die Lautstärkeregelung ist einfach zu erreichen und intuitiv zu benutzen. Die sechs zusätzlichen G-Tasten sind zwar nicht Jedermanns Sache, doch im Vergleich zum ehemaligen Topmodell in Form der K95 ist mit der Reduzierung der zusätzlichen Makrotasten (damals 18!) in unseren Augen der Schritt in die richtige Richtung getan. Die entsprechenden Tasten sind beim Zocken schnell zu erreichen und ebenfalls mit mechanischen Cherry-Switches ausgestattet. Letztere sind wie auch alle weiteren Tasten auf der K95 RGB Platinum Cherry MX Speed-Schalter, die aufgrund der silbernen Stempelfarbe auch MX Silver genannt werden.

Mit einem auf 1,2 Millimeter verkürzten, linearen Auslöseweg und einem mechanischen Widerstand von 45 Gramm zum Auslöungspunkt sind die Schalter für eine extrem kurze Auslösezeit und -weg konzipiert. Einmal an diese Art von Switches gewöhnt, geht es schnell zur Sache. Nicht nur Gamer können in Shootern Vorteile aus dieser Technik ziehen, sondern auch beim Schreiben dieser Zeilen machen die schnellen MX Silver von Cherry eine sehr gute Figur. Mit der Zeit entsteht der Effekt eines "Swypen" über die Tasten, da eine vergleichsweise sehr geringe Betätigungskraft vonnöten ist. Zum Vergleich: Die recht "weichen" Cherry MX Red verfügen über einen Auslöseweg von 2 Millimetern, wohingegen bei den Cherry MX Silver der K95 RGB Platinum 1,2 Millimeter ausreichen. Unangenehm fiel uns ein Hallen mit jeder Betätigung einer Taste auf. Aufgrund der Erfahrung mit einer K65 RGB Rapidfire ist diese Geräuschcharakteristik nicht normal.

Mitgedacht hat Corsair, wenn es um die Präferenzen der Gamer geht. Denn im Lieferumfang befindet sich ein Set an Zusatztasten, welche grau-texturiert daherkommen. Hierbei handelt es sich um die obligatorische WASD-Kombination sowie auch noch QWERDF-Tasten, die zusätzlich noch eine Neigung aufweisen. Mit an Bord ist auch ein 100-prozentiges Anti-Ghosting sowie ein n-Key-Rollover, was für eine Tastatur dieser Klasse auch selbstverständlich ist.

Fazit

Ein Flaggschiff ist immer eine Art Showcase, was nun im eigenen Hause möglich ist. Im Falle der K95 RGB Platinum und Corsair ist das schon sehr viel - und das sehr gut. Die typische K-Serie-Verarbeitung ist wie immer makellos, die gewählten Schalter qualitativ hochwertig und passend gewählt, die Ausstattungsliste ist lang. Und wie immer sind es Details, die ein Topmodell von den übrigen Modellen im Portfolio unterscheiden. Denn die Unterschiede zur K70 RGB Rapidfire beschränken sich auf die zusätzlichen sechs G-Tasten am linken Ende, die Lightbar, die zweiseitige Handballenauflage und den großen, internen Profilspeicher. Mit einem Endkundenpreis von etwa 200 Euro liegt die Speerspitze in einer Sphäre, bei der der Käufer besser noch eine Nacht über die Kaufentscheidung schlafen sollte. Fällt die Wahl auf die K95 RGB Platinum, dann können wir mit gutem Gewissen sagen, dass man hier ein ausgezeichnetes Eingabegerät der Extraklasse kauft, welches soweit keine Wünsche offenlässt.

Für die K95 RGB Platinum spricht das bewährte, sehr gute Design und die hochwertige Materialwahl. Die namensgebende RGB-Beleuchtung tut mit der LightEdge ihr Übriges und verleiht der Tastatur samt der freistehenden, transparenten Schaltergehäusen ihren eigenständigen Look. Die Zusatztasten laden zur Nutzung ein, während die Cherry MX Speed Switches eine gern gesehene Alternative zu den ebenfalls verfügbaren MX Browns darstellen. Die Software lädt zur umfangreichen Individualisierung ein - darüberhinaus gibt es dank der Corsair-Community fertige, teils von Profis erstellte Beleuchtungsprofile, die eine echte Augenweide sind. Intern bietet der acht Megabyte große Speicher Platz für drei Profile, die softwareunabhängig gespeichert werden können. Auge fürs Detail zeigt Corsair bei der Gestaltung einer zweiseitigen Handballenauflage, die von den Kabeldurchführungen an der Unterseite unterstützt wird. Im Lieferumfang befinden sich weitere, texturierte Zusatztasten und ein Tastenabzieher, womit jeder Nutzer eine für den eigenen Geschmack passende Lösung finden kann. Ebenfalls positiv anzumerken ist der Pass-Through-fähige USB-Port am oberen Ende der Tastatur. Unterstreicht wird das Ganze von der zweijährigen Corsair-Garantie. Käufer können sich im Fall der Fälle direkt an den Hersteller wenden.

Gegen das aktuelle Flaggschiff von Corsair sprechen wenige, kleine Punkte. Das starke Hallen der MX Speed Switches ist gewöhnungsbedürftig und kann je nach Nutzer auch als störend empfunden werden. Die Handballenauflage könnte auf der einen Seite etwas glatter sein. Denn das raue Gummi zieht anders als die Tastaturoberseite Staub magisch an - heraus kommt ein eher unschöner Anblick auf eine ansonsten optisch ansehnliche Tastatur. Ein zweiter USB-Port oder einer mit schneller USB-3.0-Anbindung wäre das Sahnehäubchen. Eher vernachlässigbar wäre die Software an dieser Stelle. Einsteiger dürften aufgrund der schier riesigen Anzahl an Funktionen überfordert sein - eine gewisse Einarbeitungszeit ist hier angeraten, um das Maximum aus der K95 RGB Platinum rauszuholen. Dem Lieferumfang würde letztlich auch ein Reinigungspinsel bei der recht hohen ausgerufenen UVP nicht schlecht stehen.

Alles in allem liefert Corsair ein feines Eingabegerät ab, das sich im Massenmarktgefüge am obersten Ende wiederfindet. Dies ist in Anbetracht der gegebenen Features und dem Abschneiden in unseren Augen gerechtfertigt, zumal sich der Marktpreis Stück für Stück zugunsten der Käufer bewegt. Mit einem Preis von aktuell rund 200 Euro für die K95 RGB Platinum mit Cherry MX Speed beträgt Abstand zur günstigeren K70 RGB Rapidfire inzwischen knappe 30 Euro (Stand: 02/2017). Wer sich unsere Redaktionsempfehlung mit einem Nonplus-Ultra an Ausstattung gönnt, wird mit dieser Entscheidung mit großer Wahrscheinlichkeit glücklich sein.

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