Test: Logitech G900 Chaos Spectrum im Test

Logitech schickt mit der G900 Chaos Spectrum das aktuelle Topmodell des hauseigenen Produktportfolios ins Rennen. Die Zielgruppe ist dabei klar: Enthusiasten und kompromisslose Nutzer, die maximale Technik in Form eines hochmodernen Nagers inklusive Wireless-Funktion möchten. Ob Logitech mit der Maus für Links- und Rechtshänder das optimale Gerät für den frequenten Einsatz am Rechner bietet, klärt unser Test.


Logitech ist, wenn man so will, das Urgestein der Peripherie-Branche. Das in Lausanne ansässige Unternehmen stellt seit vielen Jahren Nager für Jedermann her. Schon sehr lange im Sortiment führen die Schweizer also auch Nager für Spieler, die bei Nutzern schon immer hoch im Kurs stehen. Die Erwartungshaltung ist also bei der aktuellen Speerspitze in Form der G900 Chaos Spectrum hoch. Und gerade deshalb schöpft Logitech in Sachen Ausstattung und Design aus dem Vollen: Das Herzstück der Maus stellt Pixart mit dem optischen High-End-Sensor PMW-3366. Zusammen mit den 11 programmierbaren Tasten, einem beidhändigem Tastendesign und dem Wireless-Feature sind viele Mermale einer absoluten High-End-Maus zumindest auf dem Papier gegeben. Obendrein gibt es eine Beleuchtung, die namensgebend im RGB-Spektrum sämtliche Farben darstellen kann.

Grund genug also für uns, die in der letzten Zeit in zahlreichen Sonderangeboten verfügbare, G900 Chaos Spectrum näher anzusehen. Ob Logitech mit dem Topmodell in jeder Hinsicht ganze Arbeit leistet und sich der Kauf lohnt oder doch hier und da Abstriche hingenommen werden müssen, lest ihr im Folgenden.

Lieferumfang und Verarbeitung

Logitech lässt die G900 Chaos Spectrum, wie es von einem State-of-the-Art-Modell eines Herstellers erwartet wird, aufwendig verpacken. Die Kartonage macht sowohl optisch, als auch haptisch Einiges her und stellt das Produkt in legendärer Aufmachung dar. Auf besondere Schlüsselspezifikationen weist das Unternehmen auf der Rückseite hin. Hierbei ist von der schnellen Signalrate, dem Pixart-Sensor sowie der beidhändigen Tastenanordnungsmöglichkeit der G900 die Rede. Aufgeklappt erblickt der Nutzer das Gerät auf dem polygonartigen Papp-Präsentierteller. Klar zu erkennen ist spätestens jetzt, dass Logitech viel Wert auf die Aufmachung legt und dem Käufer schon beim Auspacken ein Erlebnis bieteen möchte.

Unter der dem Zwischenboden befindet sich das Zubehör. Dazu gehört eine Anleitung sowie das Aufladekabel mit Haltenasen, welche beim Einstecken in die Maus versenkt werden. Ganz unscheinbar liegt eine weitere Kunststoffschachtel bei, in der der Unifying-Empfänger, ein USB-Dongle sowie die beiden Zusatztasten für den Linkshänder-Betrieb liegen.

Irgendwie nicht von dieser Welt, doch auch irgendwie dezent - Logitech gelingt ein Spagat von Gegensätzen, wenn das Design der G900 Chaos Spectrum definiert werden soll. Nutzer, die einen eher unauffälligen Nager bevorzugen könnten daher ebenfalls Gefallen an Logitechs aktuellem Topmodell finden. Denn das überladene Gamer-Erscheinungsbild mit Blick auf Mäusen von beispielsweise Mad Catz ist hier in keinem Fall gegeben. Das ist auch gut so, schließlich bemühen sich die Schweizer darum, viele Käufertypen anzusprechen. Diesen Umstand bekräftigt der allgemeine Aufbau der G900: Dieser ist nämlich symmetrisch und lässt linke und rechte Hände zumindest theoretisch gleichgut mit der Maus umgehen.

Ein weiteres Feature dürfte Linkshänder besonders gefallen: Die zuvor erwähnten Zusatztasten lassen sich ohne Weiteres auf der linken Mausseite anbringen, während die der Rechten entfernt werden können. Wer nicht genug Tasten auf einer Maus haben kann, kann alle vier auf dem Gerät lassen. Selbige sind dank der Magnet-Halterung schnell entfernt.

Ein großes G-Symbol prangt auf der Handflächenauflage, das im Betrieb wahlweise leuchtet. Der Übergang zu der DPI-Anzeige und den beiden dazugehörigen Tasten darüber ist mit einer klaren Kante abgegrenzt. Eine weitere Taste befindet sich in der Nähe, was viele Logitech-Fans seit jeher schätzen: Sie ermöglicht die Nutzung des Scrollrads als ein freilaufendes ohne Widerstand. Alle in diesem Abschnitt erwähnten Tasten inklusive des Mausrads sind in einer glänzenden Kunstoffeinfassung eingearbeitet.

Alternativ lässt sich die G900 Chaos Spectrum auch kabelbetrieben nutzen, was spätestens im Falle eines leeren Akkus geschieht. Ein Kabel liegt bei, welches vorne mit Kunstoffnasen auch in hitzigen Gefechten fest an Ort und Stelle bleiben sollte. Da es sich um einen herkömmlichen Micro-USB-Anschluss handelt, kann auch ein alternatives Kabel genutzt werden.

Logitech verzichtet auf gummierte Flächen, was wohl auch der allgemeinen Lebensdauer der Beschichtung zugute kommt. Akzente setzt der Hersteller in den Daumenmulden mit Linienformen. Einen fließenden Übergang zur Unterseite wird beim Anblick der entsprechenden Partie gewiss nicht gewählt. Denn die Maus liegt nicht plan auf, sondern verfügt im Bereich der Handflächenauflage über eine leichte Einbuchtung rundherum. Dies resultiert in einer unkonventionellen Anordnung der Gleitflächen. Diese teilen sich links, rechts sowie oben und unten in vier relativ große Bereiche ein. Um den optischen Pixart PMW-3366-Sensor herum befinden sich überdies weitere, zwei dünne Glide-Pads.

Insgesamt setzt Logitech bei der Verarbeitung durch und durch auf Kunststoff. Das verhilft der G900 zwar zu einem relativ geringen Gewicht, trotz Akkus, trübt aber den Eindruck einer extrem hochwertig verarbeiteten Maus etwas. Eine wertigere Oberflächenbeschichtung hätte hier dem Ganzen den Feinschliff verpasst.

Software und Features

Logitech vertraut obligatorisch auf ein Programm, das ganz simpel "Gaming-Software" getauft wurde. Mit Selbiger lässt sich das Eingabegerät den eigenen Wünschen und Bedürfnissen individualisieren. Die Maus wurde nach dem Starten des Programms ohne Umwege erkannt und wird direkt auf der Übersichtsseite als solches auch dargestellt. Das GUI ist aufgeräumt und bildet alle nötigen Funktionen verständlich hinter entsprechenden Icons ab. Zunächst hat der Besitzer der G900 Chaos Spectrum die Wahl entweder die maximal fünf Profile auf dem integrierten Speicher oder die stationär auf dem Computer gepeicherten Einstellungen zu nutzen. 

Über den zweiten Reiter neben dem Haus (Home) können die technischen Parameter mitsamt der Tastenbelegungen vorgenommen werden. Dazu fällt natürlich auch die Einstellung der Abtastrate - fünf feste Stufen können in 50-dpi-Abständen auf die Wechseltasten festgelegt werden. Darüberhinaus lässt sich an dieser Stelle auch die Polling-Rate regeln. Um Makros zuzuweisen, ist auch das richtige Layout auszuwählen. Dies ist nötig, wenn beispielsweise eine Veränderung der Tastenausstattung (Links- und Rechtshänderbetrieb) vergenommen wird. Die bunte Glühbirne ist als dritte Einstellungsseite wohl selbstredend: Hier kann Hand an die Beleuchtung gelegt werden. Gut umgesetzt hat Logitech die Visualisierung des Ladezustands, der sich hinter dem Batterie-Icon versteckt. Die Software errechnet den aktuellen Akkustatus und auch dazu die verbleibende Nutzungszeit. Überdies können an dieser Stelle schnell die Beleuchtungsvoreinstellungen angewendet werden.

Mit der sogenannten Clock Tuning-Technologie bewerben die Schweizer die G900 für den professionellen Einsatz. Dahinter verbirgt sich ein intelligentes Zusammenspiel von der Hardware mit der Software. Der Nager ist so in der Lage kürzeste Signalwege und beste Timing-Abstimmungen zu ermitteln. Obwohl Logitechs G900 Chaos Spectrum Out-of-the-Box mit allen Untergründen klar kommen muss, bietet die Software eine tiefgreifendere Optimierung des Sensors auf entsprechenden Auflageflächen an. Eher eine Spielerei ist dagegen die Heatmap: Sie stellt dar, welche Taste auf der Maus am meisten gedrückt wird. 

Praxistest

Die Form der G900 Chaos Spectrum ist einfach und allgemein gehalten. Schließlich ist jene symmetrisch und relativ schlank, schmiegt sich also problemlos an beide Hände an. Hände von klein bis groß im Claw- oder Fingertip-Griff dürften mit der G900 voll auf ihre Kosten kommen: Die länglichen Daumentasten sind sehr gut für jede Hand erreichbar. Das trifft auch auf die weiteren Tasten inklusive des Mausrads zu. Zusammen mit dem Pixart PMW-3366, welcher optischer Natur ist, geschehen sämtliche Eingaben präzise. Der Hersteller bewirbt den Nager mit einer unbereinigten, glättungsfreien Übertragung jedweder, noch so kleinen Bewegung. Zwar ist das mit exakten Messungen schwer mit Fakten zu belegen, doch dieser Eindruck kommt bei der Nutzung auch während des Spielens zu tragen. Die komfortable Umstellung der Abtastrate mitsamt des gut sichtbaren LED-Indikators tut da ihr Übriges. Besonders angenehm sind im täglichen Betrieb rund 4000 bis 6000 dpi. High-Sense-Nutzer können die G900 entsprechend ihren Vorlieben anpassen: Hier bieten sich höhere Abtastraten von bis zu 12.000 dpi an.

Ferner legt Logitech viel Wert auf die Wertigkeit der eingesetzten Schalter sowie dem Druckpunkt der Tasten. Die beiden Haupttasten sind laut Hersteller mit einer Federspannung sowie mechanischen Drehgelenken versehen. Das Feedback ist direkt und knackig - und gerade deshalb äußerst angenehm. Auch die abnehmbaren Daumentasten sind trotz ihres modularen Aufbaus keineswegs weniger gut. Hier stimmen ebenfalls Druckpunkt und Haptik gleichermaßen. Im Betrieb erweist sich das freilaufende Scrollrad als Segen: Ultraschnelles Blättern in Dokumenten ist so möglich. Ein klares Feedback durch einen gut fühl- und hörbaren Klick gibt die entsprechende Umschalttaste von sich, ehe der Scrollrad-Modus gewechselt wird.

Das RGB-beleuchtete "G" auf der Handauflagefläche ist bei der Nichtnutzung oder Präsentation des eigenen Schreibtisches ein nett gesehenes Gimmick, das während der Nutzung jedoch nicht zu sehen ist. Glücklicherweise lässt sich die Beleuchtung zur Verlängerung der Akkulaufzeit ausschalten. Wer jedoch am Lichtspiel gefallen findet, braucht auf keinen Fall darauf aus Laufzeitgründen zu verzichten: Denn obwohl Logitechs G900 Chaos Spectrum mit einem integrierten 720 mAh-Akku versehen ist, bringt sie vergleichsweise leichte 107 Gramm auf die Waage. Das wirkt sich auch auf das extrem angenehme Handling mit dem Nager aus.

Dass die Nutzungszeit relativ gesehen in Ordnung geht, untermauern unsere Erfahrungen im Akkubetrieb. Bei täglicher, mehrstündiger Nutzung hält die G900 rund sechs Tage aus. Wenn also auf eine Beleuchtung des "G" verzichtet wird, dann dürften unter Umständen sicherlich noch bessere Laufzeiten möglich sein. Der Hersteller selbst gibt sich mit 32 Stunden ohne sowie 24 Stunden Dauernutzung mit Beleuchtung bescheiden. Eine vollständige Aufladung ist mithilfe des beigelegten, zwei meter langen Micro-USB-Kabels in etwas mehr als zwei Stunden getan. Wie es so oft bei Akkus ist, lässt die Kapazität mit zunehmender Nutzung stets ab. Dem kann man aufgrund der fest verbauten, internen Batterie nicht entgegenwirken.

Mit dem Mythos der Unterlegenheit von kabellosen Mäusen kann die G900 Chaos Spectrum gänzlich aufräumen. Sowohl in Spielen, als auch bei der Arbeit sind keine Unterschiede festzustellen. Logitech vertraut im kabellosen Betrieb auf eine 2,4-Ghz-Verbindung, die laut eigenen Angaben optimiert wurde und so nicht mit anderen Signalen (beispielsweise Router) interferiert. Auch über mehrere Meter vom Empfänger entfernt, war ein direkter, lag-freier Betrieb möglich.

Mehr Geschmackssache, aber auf jeden Fall erwähnenswert sind folgende Punkte: Das Gewicht dürfte dem einen oder zu gering sein - wünschenswert wäre hier zur besseren Individualisierung ein anpassbares Gewichtsmagazin. Überdies könnte der eine oder andere mit der symmetrischen Form nicht klar kommen. Denn die Form einer Peripherie ist eine Sache, die dem Nutzer subjektiv gefallen muss. Bereits im Abschnitt Lieferumfang und Verarbeitung führten wir die Oberflächenbeschichtung als Negativpunkt ins Feld. Für ein Topmodell kommt die Material-, respektive Oberflächenanmutung nicht hochwertig genug daher.

Fazit

Es scheint so, dass Logitech vielleicht schon bald mit einem neuen Modell daherkommt. Diese These bekräftigen die frequenten Sonderangebote, im Rahmen derer die G900 Chaos Spectrum zum durchaus erschwinglichen Kurs angeboten wird. Dass dies allerdings keinesfalls gegen die Qualität der Maus sprechen soll, zeigen unsere Erfahrungen. Die Positionierung des Nagers im Oberklasse-Segment ist klar zu sehen: Ein leistungsfähiger Top-Sensor, eine solide Verarbeitung, ausgereifte Software, die beidhandfreundliche Symmetrie und die Flexibilität sind Punkte, die Logitechs (noch) Spitzenmodell auszeichen.

Es handelt sich bei der G900 so gesehen um eine Maus, vollgepackt mit Features, auf die jeder Nutzer zumindest zum Teil gerne und oft zurückgreifen wird. An die nicht so ganz wertige Oberflächenbeschichtung kann man sich hier noch gewöhnen - erst recht, wenn man die G900 Chaos Spectrum weit unter der UVP erstanden und somit ein gutes Peripherie-Schnäppchen gemacht hat.

Der Blick auf den damaligen Markteintrittspreis verrät, dass Logitech bei der G900 Chaos Spectrum mit 179,00 Euro ganz klar die höheren Ansprüche im Oberklasse-Segment bedienen möchte. Im Bundle zusammen mit dem G640 Mauspad sowie der G910 Orion Spark-Tastatur gab es den Nager dagegen schon für unschlagbare 149,00 Euro beim roten Elektrofachmarkt zu kaufen. Gelegentlich gab es Angebote, in der die G900 für unter 100 Euro angeboten wird. Doch auch zum aktuellen Preisvergleichsbestwert von etwas mehr als 100 Euro (Stand: 01/2017) ist die G900 eine absolut empfehlenswerte Maus, die mit noch fähiger Technik und einer extrem hohen Ausstattungsvielfalt Seinesgleichen sucht. Vergleichbare Modelle in Form der Steelseries Sensei Wireless oder Razers Mamba kosten teils geringfügig mehr, bieten aber keine so lange Laufzeit oder das durchdachte Gesamtpaket als solches. Aus diesem Grund sprechen wir an dieser Stelle der G900 Chaos Spectrum die Redaktionsempfehlung aus.

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