Test: Nanoxia Ncore Retro-Tastatur im Test

Schreibmaschinen sind heutzutage nur noch ein Relikt der Vergangenheit. Für einige ist es jedoch mehr als nur ein Symbol oder eine Romantisierung des klassischen Schreibens. Es ist das wuchtige Feedback und die runden Tasten, welche bei heutigen Tastaturen vergebens gesucht werden. Darin sah Nanoxia eine Lücke und bringt die Ncore Retro-Tastatur. Mit der gewissen optischen Inspiration aus dem 18. Jahrhundert und Technik aus der Neuzeit sollen Nostalgiker voll auf ihre Kosten kommen.


Die Schreibmaschine wurde im Jahre 1714 patentiert. In den folgenden Jahren ging das Gerät in Massenproduktion und dominierte das Schreibgeschäft für die kommenden 200 Jahre. Umso verständlicher ist die Nostalgie, die beim Betrachten der altertümlichen Schreibgeräte empfunden wird. Denn eines der aussagekräftigsten Elemente waren zweifellos die runden Tasten und der machtvolle Aufprall des Typenhebels auf die Papierwalze. Um ein vergleichbares Gefühl auch im Jahr 2017 liefern zu können, präsentierte Nanoxia die Ncore Retro, welche eine hochmoderne Peripherie in altertümlicher Optik sein soll. Wie bei Razer auch, kommen die mechanischen „Kailh“-Switches von Kaihua Electronics zum Einsatz. Im Vergleich zum taiwanesischen Gaming-Brand handelt es sich hier jedoch um das weniger verbreitete White-Modell.

Mit einer Druckstärke von 60cN, einem Schaltweg von 4mm, taktilem Feedback sowie einem Schaltpunkt von 1,9mm konkurrieren die weißen Schalter von der Tippcharakteristik her mit den weit verbreiteten Cherry MX Blue-Switches. Im wahren Fokus steht jedoch das Tasten-Design, dass durch die abgerundete Form sofort an Schreibmaschinen erinnern soll. Ob uns das deutsche Unternehmen wirklich zurück in die Vergangenheit schicken konnte, werden wir in diesem Test klären.

Lieferumfang

In der Regel erhalten wir jegliche Tastaturen in einem recht simplen Verpackung. Neben der Polsterung befinden sich einige wenige Extras, welche auch immer seltener anzutreffen sind. Denn Nanoxia punktet nicht nur mit einer zusätzlichen Hartplastik-Tastenabdeckung, sondern auch einem Zubehörset, dass den Nutzer zur Reinlichkeit einlädt. Neben dem Keycap-Puller, liegt auch ein Mikrofasertuch sowie ein breitgefächerter Pinsel bei, der das Säubern von Zwischenräumern ermöglicht. Zwar handelt es sich dabei um keine kostspieligen Zusätze, es ist jedoch eine kleine Geste, welche an ein reiferes Enthusiasten-Publikum gerichtet ist.  

Verarbeitung

Die Tastatur wirkt auf den ersten Blick schlicht, lauert jedoch bei genauerem Hinsehen mit vielen kleinen Details auf. Beispielsweise besitzen die Alphabets-, Nummern- und F-Tasten eine minimale Vertiefung, wodurch die Finger angenehmer aufliegen. Auch lässt sich die hintere Reihe der Standbeine aufdrehen um dadurch den Anstellwinkel des Eingabegeräts zu verändern. Leider fällt auch sofort auf, dass Nanoxia auf eine Hintergrundbeleuchtung verzichtet hat. Bei einem Preispunkt von knapp über 100 Euro, eine unübliche - und in Anbetracht des Themas - jedoch nachvollziehbare Entscheidung. Auffällig ist auch, dass der Abstand zu der nächsten Taste etwa 1mm beträgt. Damit gibt es zwar auf dem Papier keinen Unterschied, durch die runde Form ist das Vertippen für den Einen oder Anderen jedoch deutlich einfacher. Die Tastatur besteht überwiegend aus Kunststoff, die Oberfläche dank Klavierlack und dem silbernen Rahmen ein Hingucker.  

Wie erwartet fühlen und tippen sich die mechanischen White-Switches äußerst hochwertig. Nicht umsonst werden die Kailh-Schalter gerne auch als Cherry-Substitute angesehen. Das taktile Feedback ist kräftig und durch den tiefen Schaltweg entsteht das erwünschte Schreibmaschinen-Feeling. Dennoch ist es ärgerlich, dass die Ncore Retro nur in gut beleuchteten Räumen wirklich von Nutzen ist.  

Software 

Für Nanoxias Retro-Tastatur gibt es kein zusätzliches Programm. Zwar wird das Produkt vom Hersteller klar als Gaming-Peripherie definiert, zusätzliche Makkro-Tasten gibt es jedoch keine. Auch hat der Hersteller auf eine LED-Beleuchtung verzichtet, weswegen eine zusätzliche Software alles andere als nützlich wäre. Dadurch schließen wir diese Kategorie weder mit Plus- noch Minuspunkten ab. 

Praxistest

Nanoxias Ncore Retro-Tastatur durfte uns durch diverse Testphasen begleiten. Neben den alltäglichen Bürotätigkeiten, haben wir die Peripherie auch zum Spielen verwendet. Das Schreiben entpuppte sich zu Beginn als eine wahre Herausforderung. Die runde Tastenform erfordert eine gewisse Zeit der Eingewöhnung. Die ersten Stunden endeten in einem Desaster voller Schreibfehler und wirren Sätzen, da ein rundes Design den Finger automatisch in die "Tippmulde" zwingt". Das Mag manche Nutzer zwar entgegenkommen - der Autor dieser Zeilen präferiert allerdings die gewöhnliche Tastenform- und Anordnung. 

Desweiteren ist die Abwesenheit einer Beleuchtung auf Dauer lästig. Denn meist würde das Licht des Monitors ausreichen um das Tastatur-Layout zu erkennen. Aber durch die silbernen Ringe um jede einzelne Taste, entsteht eine Reflektion, die das Erkennen der Beschriftung erschwert. Es ist zwar kein großes Dilemma, jedoch für Freunde der Nacht ein tägliches Ärgernis. Egal ob ein Shooter wie Battlefield 1 oder MMORPGs wie A Realm Reborn – Nanoxias Produkt hält was es verspricht. Auch wenn das Tasten-Design weiterhin gewöhnungsbedürftig war, konnten uns die Kailh White-Schalter überzeugen. 

Fazit 

In diesem Artikel haben wir beschlossen etwas früher zu einem Fazit zu kommen. Denn im Prinzip setzte Nanoxia bei der Ncore Retro-Tastatur auf zwei primäre Elemente. Zum einen auf das Element der Nostalgie, da das Design einer Schreibmaschine auf eine moderne Tastatur emuliert werden soll. Zum anderen auf die immer beliebteren Kailh-Schalter, welche die deutsche Peripherie auch für ein junges Publikum attraktiv macht. Konnte uns der deutsche Hersteller überzeugen? Ja und Nein

Gewiss hatten wir gelegentlich das Gefühl, mit einer Schreibmaschine Worte zu digitalem Papier zu bringen. Aber bei einem Preispunkt von 115 Euro (Amazon - Stand 02/17) ist die Abwesenheit gewisser Features unübersehbar. Beispielsweise sollten Beleuchtungen in einer solchen Preisklasse gang und gäbe sein. Des Weiteren benötigt die Tastatur eine ordentliche Eingewöhnungszeit. Nach einigen Stunden der Benutzung wurde es für uns immer ersichtlicher, wieso das runde Tastendesign von der viereckigen Variante ersetzt wurde. Nun zu einer Pro und Kontra-Diskussion, in der wir alle Kritikpunkte zusammengefasst haben. 

Für die Nanoxia Ncore Retro-Tastatur spricht die Umsetzung des Schreibmaschinen-Design. Nostalgiker werden voll auf ihre Kosten kommen und durch den Einsatz der Kailh White-Schalter kann sogar einwandfrei gespielt werden. Features wie N-Key-Rollover und Anti-Ghosting sind ebenfalls an Board. Auch wenn die Peripherie überwiegend aus Plastik besteht, macht es durch die Liebe zum Detail einiges her. Selbst die Höhenverstellung wurde durch elegante, auf drehbare Beine gelöst. Zudem sprechen wir Nanoxia ein Lob für die Zubehör-Extras aus.

Gegen die Nanoxia Ncore Retro-Tastatur spricht die Abwesenheit der Hintergrundbeleuchtung, obwohl Kunden einen stolzen Preis bezahlen müssen. Zudem müssen Schreibmaschinen-Anfänger eine Menge Übung in die Umgewöhnung investieren. Wer jahrelang auf viereckigen Tasten schrieb, wird nicht ohne Weiteres auf das runden Modell umsteigen können. Die Materialwahl geht auf den ersten Blick in Ordnung - doch bei der Nutzung wird klar, dass das Eingabegerät den Fokus klar auf das "Sein" legt. Der Nutzer könnte sich wahrscheinlich nach einer doch höherwertigeren Verarbeitung sehnen.

Wir haben unsere Zeit mit der Nanoxia Ncore Retro-Tastatur genossen. Aber dennoch wirkt das gesamte Konzept zu unstimmig. So schön und nostalgisch die Idee hinter dem gesamten Produkt ist: in erster Linie handelt es sich um eine Gaming-Tastatur und in dieser Branche herrscht ein brutaler Kampf um die Spitze. Und das Spielen mit runden Tasten ist zwangsläufig eine zu große Umstellung. Zudem gibt es keine zusätzlichen Makkro-Tasten und keine Hintergrundbeleuchtung. Somit hat Nanoxia ein Nischen-Produkt geschaffen, dass im Büro sein wahres Potential entfaltet, im Gaming jedoch nur die Ersatzbank wärmen wird. Empfehlen wir den Kauf dieses Produktes? Nur sofern der Interessent ein Schriftsteller ist. Spieleenthusiasten sollten andere Hersteller und deren Modelle in Betracht ziehen. 

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