Test: be quiet! Pure Base 600 Window im Test

Erst kürzlich ließ be quiet! mit dem Pure Base 600 ein neues Gehäuse auf die Kundschaft los, welches mit bewährten Features zum Preis von unter 100 Euro zu haben ist. Nicht nur, dass es für be quiet! eine Premiere ist, sondern auch, dass entsprecher Ableger das nun vierte Modell des Gehäuse-Lineups darstellt. Ausgestattet mit der gewissen Glas-Applikation greift auch be quiet! den anhaltenden Trend auf und sorgt für die Möglichkeit, die verbaute Hardware im Pure Base 600 in Szene zu setzen. Die neue Variante mit Fenster haben deshalb wir auf den Prüfstand geschickt.


Wenn es um Gehäuse geht, dann ist der deutsche Hersteller be quiet! kein unbeschriebenes Blatt. Vor knapp zwei Jahren debütierte das Unternehmen mit dem Silent Base 800, dem das kompaktere Silent Base 600 folgte. Im Rahmen der Computex wurde dann das Dark Base 900 vorgestellt, das im Premium-Segment mit extraordinärer Ausstattung punkten konnte. Gefehlt hat also bis vor Kurzem ein Modell im Einsteiger-Preisbereich bis 100 Euro, welches nun mit dem Pure Base 600 gestellt wird. Die Ausstattung klingt mit modularen 2,5-/3,5-Zoll-Schächten, leisen Lüftern, Dämmung, einer Lüftersteuerung sowie zwei verfügbaren 5,25-Zoll-Plätzen mehr als zufriedenstellend - während auf spezielle Design-Spielereien verzichtet wird. Rein äußerlich also ein höchst puristisches Gehäuse, wenn beim vorliegenden Testmuster die orangenen Akzente und das großflächige Glas-Seitenteil nicht wären. 


be quiet! schickt sich also an, mit dem Trend zu gehen und ebenfalls im Preisbereich von rund 100 Euro ein Gehäuse mit dem hochwertig anmutetenden Werksstoff Glas anzubieten. Im Test muss sich das Pure Base 600 Window beweisen - denn gerade das auserkorene Segment ist hart umkämpft.

Lieferumfang und technische Details

Klar zu erkennen ist an dieser Stelle, dass be quiet! sämtlichen Effort für das eigentliche Produkt aufhebt. Denn im Lieferumfang befinden sich lediglich vier Tütchen mit den benötigten Montageschrauben sowie einige Klett-Kabelbinder. Mit von der Partie ist auch ein schwarz-weiß bedrucktes Handbuch. Ebenfalls puristisch fällt die Verpackung aus: Schwarz auf weiß gibt es die Kern-Features, eine Explosionszeichnung und eine Abbildung des Pure Base 600 Window zu sehen.

Die Eckdaten lesen sich für ein Gehäuse mit diesem Preis ordentlich. Unterstützt werden nämlich alle gängigen Mainboards bis hin zum ATX-Format. Inzwischen eher ungewöhnlich sind die beiden Montageplätze für 5,25-Zoll-Geräte. Denn viele Gehäuse der Mitbewerber verzichten auf diese. Platz für ausreichend SSDs bieten die insgesamt 11 Montagevorrichtungen, davon können maximal drei für 3,5-Zoll-Festplatten genutzt werden. Mit einem Nettogewicht von 8 Kilogramm bewegt man sich im guten Durchschnitt. Nennenswert sind die Staubfilter an der Front und am Boden sowie die dreistufige Lüftersteuerung für bis zu drei Rotoren.

Technische Daten
Herstellerbe quiet!
NamePure Base 600 Window
TypMidi-Tower
FormfaktorATX, M-ATX, Mini-ITX
Laufwerke2x 5,25", 3x 3,5", 6+2 x 2,5"
Material/StärkeStahl / 0 mm
Farbeschwarz/orange
Maße (B×H×T)492 x 220 x 470
Gewicht8kg
Lüfter2
Frontanschlüsse2x USB 3.0, HD Audio-Buchse
Platz für Grafikkarten42.5cm
Platz für CPU-Kühler16.5cm
Erweiterungsslots7
Preis-
Lieferumfang
Klettkabelbinder, Schraubenset, Anleitung

Erscheinungsbild

Trotz nicht einmal einer handvoll Modelle hat es be quiet! geschafft, ein charakteristisches Erscheinungsbild für hauseigene Gehäuse zu kreieren. Will sagen, dass das Pure Base 600 - auch mit Glas-Seitenteil - wie ein waschechtes be quiet!-Gehäuse aussieht. Das liegt sicherlich unter anderem an den Ventilationsstreifen aus Mesh, die von dem orange-farbigen Kunststoffrahmen eingefasst sind. Letztere genannten Partien sind die einzige Möglichkeit, um frische Luft in den Innenraum durch einen Staubfilter zu befördern. Denn das Pure Base 600 verfügt über eine komplett geschlossene Frontpartie aus Kunststoff, das mehr wie ein gebürstetes Alu-Imitat aussieht. Den Abschluss bildet hier das leicht geneigte Anschluss-Terminal an der Oberkante. Dieses bietet zwei USB-3.0-Ports, die beiden Audio-Steckplätze sowie eine dreistufige Lüftersteuerung für maximal drei Ventilatoren. 


Gut zu sehen ist, dass be quiet! einen Aufwand betreibt, um die Lärmbelästigung möglichst gering zu halten. Denn die Oberseite ist ebenfalls geschlossen, weist aber einige, wenige Belüftungsschlitze auf. Zusätzlich dazu ist der Deckel mit Dämmmaten ausgekleidet. Eine Entnahme des Obersteils aus Kunststoff ist möglich - um etwa einen Airflow für den darunter montierten Radiator zu ermöglichen. Einen Kompromiss findet be quiet! an dieser Stelle: Nach Bedarf lässt sich der Deckel dank individueller Einrasteinstellunng auch teilöffnen.

Das rechte Seitenteil des Pure Base 600 Window ist geschlossen und lasst so keinen Blick auf den Innenraum zu. Ein löblicher Schritt, denn oftmals kommen Gehäuse mit Glas-Seitenteil mit gleich zwei derer daher. Das große, linke Seitenteil lässt tief blicken und wird wie üblich mit Rändelschrauben am Korpus fixiert. 

Die Rückseite bietet neben großzügigen Perforierungen für den Airflow an den Slotblenden und am Korpus selbst ansonsten keine herausragenden Merkmale. Sieben Erweiterungs-Slots, das Netzteil unten und die Anschlüsse oben links neben dem vormontierten 120-Millimeter-Lüfter finden hier Platz. 

Das Pure Base 600 steht auf vier Füßen aus Kunststoff, welche mit Gummi von der Standfläche entkoppelt werden. Zu sehen ist außerdem ein Staubfilter, der zur Reinigung rückseitig herausgezogen wird.

Innenaufbau

Anders als bei vielen Neuvorstellungen der Konkurrenz, verzichtet be quiet! auf eine Netzteilabdeckung. Dementsprechend sind die Kabel des Stromspenders sichtbar. So ist ein sauberes Verlegen der elektrischen Leitungen Pflicht. Dem aktuellen Trend geht der Hersteller mit einer weiteren Eigenart entgegen: Die Plätze zur Installation der Datenträger sind nicht als Käfige ausgeführt, sondern einzeln am Mainboardtray rückseitig fixiert. Davon gibts es insgesamt drei Stück - es passen hier sowohl 2,5- als auch 3,5-Zoll SSDs, respektive Festplatten. Das ATX-Mainboard und die beiden 5,25-Zoll-Einschübe finden sich an altgewohnter Stelle. Kabeldurchlässe an den sinnvollen Stellen erleichtern das Kabelmanagement.

Flexibilität wird beim Anblick des Innenraums groß geschrieben: Denn das Pure Base 600 ist ganz einfach gesagt sehr praktisch. Die modularen Einbauplätze für Datenträger erlauben eine indiviuelle Anordnung, während die fehlende Netzteilblende den Einbau eines größeren Radiators in Aussicht stellt. Gewünscht hätten wir uns trotzdem eine Abdeckung - jedoch in kürzerer Ausführung. Gegenüber dem normalen Pure Base 600 ohne Seitenfenster verfügt das vorliegende Modell mit Glas-Seitenteil über Gummierungen an den Kabeldurchlässen am Mainboardtray. Auf eine rückseitige Entkopplung der Netzteilaufnahme wurde jedoch weiterhin verzichtet.


Hinter der weitestgehend geschlossenen Front können bis zu drei Lüfter verbaut werden, sofern auf die Einbaumöglichkeit für 5,25-Zoll-Geräte verzichtet wird. An gleicher Stelle findet auch ein Triple-Radiator Platz. Selbiger passt außerdem auch auf den Deckel. Die Rückseite bietet sich überdies auch für den Einbau eines Wärmetauschers an. Werksseitig ist an dieser Stelle ein 120-Millimeter Lüfter verbaut. 

Hinter dem Mainboardtray gibt es zwei Plätze für SSDs. Der Platz zum sauberen Verlegen der Kabel ist für einen Midi-Tower großzügig bemessen. Große Probleme wird es mit dem Verlegen der Kabel mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht geben.

Die Front, den Deckel sowie das rechte Seitenteil hat be quiet! mit Dämmmatten ausgekleidet. Das sind so auch die einzigen Stellen, an denen die Maßnahmen zur Minimierung der Lautstärke am sinnvollsten erscheinen.

Praxistest

Die Test-Hardware war erwartungsgemäß ohne Probleme in das Pure Base 600 verbaubar. Einzig und allein beim Verlegen der Kabel sollte man sich etwas mehr Gedanken machen. Der bei modernen Gehäusen oftmals vorhandene Zwischenboden macht im Hinblick des Kabelmanagements Sinn, ist aber bei einer größeren Wasserkühlung beispielsweise im Weg. Unpraktisch ist der Verzicht auf werkzeuglose Montagesysteme für den Einbau von Datenträgern oder Laufwerken.

Die Materialstärke geht mit 0,8 Millimetern in Ordnung. Das gesamte Konstrukt fühlt sich beim Einbau der Hardware solide an und macht auch bei der Nutzung einen guten Eindruck.

Im Betrieb macht das Pure Base 600 Window alles richtig. Die Temperaturen bewegen sich stets im grünen Bereich, gemessen haben wir maximal 87 Grad bei der Grafikkarte, was für die betagte GTX 570 mit einfachem Kühleraufbau und entsprechend hoher Wärmeabgabe ein zufriedenstellender Wert ist. Der Prozessor wurde mit 72 Grad unter Volllast zwar warm, in Anbetracht des einfachen Scythe Byakko und niedrigster Drehzahlstufe absolut in Ordnung. Der Fokus liegt klar auf die geringe Geräuschemission, was dank Dreistufen-Lüftersteuerung gelingt. Bei voller Drehzahl erzeugen die Rotoren ein hörbares, aber nicht störendes Luftrauschen, dafür sinken die Temperaturen ein weiteres, gutes Stück. Alles in Allem muss sich der Besitzer des Pure Base 600 Window zu keiner Zeit darüber Gedanken machen, ob die Temperaturen bei geringer Drehzahlstufe kritische Werte erreichen.

Fazit

Mit dem Pure Base 600 Window bringt be quiet! ein mit Abstrichen empfehlenswertes Gehäuse auf den Markt. Auf viel Schnörkel von außen wird verzichtet, denn der Hersteller setzt jeden Effort auf die Praktikabilität. Von außen gibt sich das Gehäuse unscheinbar, es offenbart beim genauerem Hinsehen aber eine hohe Modularität: Eine Wasserkühlung lässt sich ohne Probleme einbauen - selbst Eigenbau-Planungen können realisiert werden. Die Lüftersteuerung, das Glas-Seitenteil und Staubfilter an sinnvoller Stelle runden das Ganze ab. So gesehen ist das be quiet! Pure Base 600 Window der Golf unter den Gehäusen: Ein Modell, das (fast) jedem Anspruch gerecht wird - und aktuell mit rund 95 Euro (Stand: 03/2017)  kein Vermögen kostet. Dennoch lohnt sich der Vergleich mit der Konkurrenz - be quiet! macht vieles sehr gut und richtig, doch die Mitbewerber an manchen Stellen anders. Und gerade das ist eine Sache des Geschmacks.


Für das Pure Base 600 Window spricht das schlichte Design, gepaart mit einer sehr guten Verarbeitung. Unschöne Spaltmaße sind keine zu finden, alle Ecken und Kanten sind abgerundet. Schön zu sehen ist, dass auch be quiet! bei günstigeren Gehäusen mitmischt und auch Glas mitbringt - das ist genau das Mittel, um eine Alternative zu anderen Konkurrenzmodellen darzustellen. Modularität wird bei diesem Gehäuse groß geschrieben, denn die Montageplätze für sämtliche Datenträger und Laufwerke sind bei Bedarf entnehmbar, um beispielsweise aufwendige Wasserkühlungen zu realisieren. Die Lüftersteuerung, sinnvoll platzierte Staufilter und die beiden Pure Wings-Lüfter aus dem eigenen Hause runden das stimmige Gesamtbild ab. Außerdem nimmt das Pure Base 600 Window nicht mehr Platz als nötig ein: Es ist für einen Midi-Tower mit ATX-Mainboard-Unterstützung im Hinblick auf die Ausmaße minimal gehalten worden.

Gegen das Pure Base 600 Window spricht die nicht optimale Anbringung des Frontstaubfilters. Der Deckel ist ebenfalls nicht ganz nutzerfreundlich gelöst: Zwar ist der grundlegende Gedanke gut, doch beim Einstellen fühlt es sich so an, als ob die Haltenasen abbrechen könnten. Werkzeuglose Montagesysteme gehören inzwischen zum guten Ton - be quiet! setzt aber auf Schrauben, um Laufwerke und Datenträger zu fixieren. Grundsätzlich ist die Materialanmutung zufriedenstellend - doch im Vergleich zu anderen Gehäusen fühlt sich das be quiet! Pure Base 600 Window nicht ganz so massiv und wertig an.

Im Hinblick auf die Konkurrenz, die im Preisbereich von rund 100 Euro sehr stark vertreten ist, muss das Pure Base 600 Window von be quiet! den individuellen Kunden ansprechen - und das dürfte hier und da mit großer Wahrscheinlichkeit gelingen: Die Ausstattung ist gut, die Gesamtperformance im Hinblick dessen ebenfalls. Vergleicht man das neueste be quiet! Modell jedoch beispielsweise mit dem Fractal Design Define R5, dann relativiert sich das Ganze: Der Kontrahent kommt mit einer massiveren Materialanmutung, Fronttür, verdoppelter Front-USB-Anzahl, Lüftersteuerung und ebenfalls gut platzierten Staubfiltern daher - und kostet ähnlich viel. Wer jedoch auf Glas nicht verzichten kann, macht mit dem Pure Base 600 Window definitiv nichts falsch. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird sich der Marktpreis, wie so oft, mit der Zeit nach unten bewegen.

Wer bereits beim Pure Base 600 Non-Window zugeschlagen hat, braucht sich nicht zu ärgern: be quiet! denkt mit und bietet für alle Glas-Liebhaber ein Seitenteil aus eben jenem Material als Zubehör an. Etwa 30,00 Euro (Stand: 03/2017) müssen hierfür auf den Tisch gelegt werden, der Verkauf ist bereits gestartet.

Kommentare

Noch keine Kommentare abgegeben. Sei der Erste und teile der Welt deine Meinung mit!

Zum Thread im Forum

Anzeige

Preisvergleich

Verwandte Themen