Test: Bitfenix Shogun im Test

Bitfenix ist im Hinblick auf das eigene Gehäuse-Produktportfolio zurzeit recht breit aufgestellt, will es aber mit dem Shogun doch noch ganz genau wissen. Das Modell siedelt der Hersteller im gehobenen Preissegment - und spricht Enthusiasten an, welche hochwertige Materialien wie Alu oder Glas sowie die passende Hardware im Inneren wünschen. Grund genug dem Shogun bei uns im Test genau auf den Zahn zu fühlen.


Bitfenix wählt für den stattlichen Tower einen durchaus prägnanten Namen. Denn der Shogun ist in der japanischen Geschichte ein Teil des Kriegeradels - so gesehen auch als Synonym für Stärke, Autorität und Kontrolle zu sehen. Denn Bitfenix geizt mit dem Shogun nicht an Features: Edles, abgerundetes Design mit Echtglas-Applikationen und Alu-Partien zeigen Extravaganz. Große Mainboards und entsprechend ausladende Kühlsysteme fasst das Shogun dank üppigen Abmessungen von 250x565x525 ebenfalls. Leergewicht: 14,15 Kilogramm. 

Mit dem Shogun will Bitfenix klar Nutzer ansprechen, die eine ordentliche, solide Behausung für die eigene Hardware nutzen. Ob der Shogun durch und durch von Kraft strotzt oder hier und da die Rüstung nicht ganz so sitzt wie gewünscht, klären wir im Test.

Lieferumfang und technische Details

Bei der Verpackung vertraut Bitfenix auf ganz konventionelles Material: Ein Karton ohne Farbe zeigt Abbildungen und Features des Gehäuses. Die Beigaben ab Werk umfassen einzeln abgepackte Schraubensets zur Montage, sechs Kabelbinder und eine passend aufgemachte Anleitung. Eine Platte zur Erweiterung des Mainboard-Trays erlaubt die Montage und Nutzung von größeren E-ATX-Hauptplatinen.

Bei einem doch recht hochpreisigen Gehäuse sind Ansprüche an die Ausstattung normal. Ein Blick in das Datenblatt zeigt, dass Bitfenix mit dem Shogun mit E-ATX-Support, zahlreichen Datenträger- sowie Radiatorplätzen viele Nutzer zufriedenstellen kann. Zusätzlich gibts theoretisch in Sachen maximaler Höhe beim Prozessorkühler keine Restriktionen: Kaum ein Modell schafft es über 17,5 Zentimeter. Letztlich will unter anderem das hohe Gewicht von 14,15 Kilogramm die Güte des Shogun unterstreichen. Für einen Midi-Tower kommt das Gehäuse äußerst kolossal daher (Ausmaße: 250x565x525 Millimetern).

Technische Daten
HerstellerBitfenix
NameShogun
TypMidi-Tower
FormfaktorATX, M-ATX, Mini-ITX
Laufwerke 6x 3,5" oder 2,5", 4x 2,5"
Material/StärkeStahl / 0 mm
Farbeschwarz
Maße (B×H×T)250x565x525mm
Gewicht14.15kg
Lüfter3
Frontanschlüsse2x USB 2.0, 2x USB 3.0, Audio IN+Out
Platz für Grafikkarten41cm
Platz für CPU-Kühler17.5cm
Erweiterungsslots7
Preis-
Lieferumfang
Schraubenset, Anleitung, E-ATX-Blende, Kabelbinder

Erscheinungsbild

Bitfenix wählt nicht umsonst den Namen Shogun. Denn verbunden wird mit dem japanischen Begriff nicht nur Autorität und Kraft, sondern auch eine gewisse Unerreichbarkeit. So kommt der Shogun markant daher - die Front ist dabei an der linken sowie rechten Seite abgerundet und erinnert entfernt an Smartphones mit gebogenen Displayrändern.

Unterbrochen wird die aufgesetzte Alu-Front von einem augenscheinlichen 5,25-Zoll-Einschub und dem silbernen Herstellerlogo am unteren Drittel. Wer jetzt zwischen den Zeilen gelesen und sich das Datenblatt zu Gemüte geführt hat, wird verstehen, dass Bitfenix keinen 5,25-Zoll-Schacht vorgesehen hat und die Front nicht gänzlich aus Alu besteht. Das kann für den einen oder anderen Nutzer ärgerlich sein, ist in der heutigen Zeit mit dem Aussterben dieses Formats aber kein großer Tabubruch mehr.

Als Grundmaterial kommt an dieser Stelle Kunststoff zum Einsatz. Selbigem wurde dann eine dünne Aluminiumschicht spendiert. Ventilationsstreifen an der rechten und linken Seite ermöglichen den frontseitigen Luft-Intake.

Das Anschlusspanel ist gut erreichbar und bietet mit zwei Paar USB- (USB-3.0- und USB 2.0-Buchsen), den Audio-Steckplätzen sowie dem Rest- und dem LED-Button zur heutigen Zeit frontseitig ausreichend Konnektivität. Gewünscht hätten wir uns modernere USB-3.1-Schnittstellen, gerne in Typ-C-Ausführung oder auch eine Lüftersteuerung. Der Deckel an sich ist ansonsten komplett geschlossen. Die Luft kommt hier über kleine Mesh-Gitter direkt am Anschlussterminal sowie am hinteren Ende entweder herein- oder raus.

Etwas ungewöhnlich gestaltet Bitfenix die Seitenteile. Normal ist inzwischen in entsprechenden Preisregionen Glas, jedoch als Rechteck oder Quadrat. Markant ist hier die Form des Paralellogramms, das in Richtung Heck ansteigt - durchaus eine optische Anleihe eines Sportwagens. Fixiert sind die Seitenteile aus Glas jedoch ganz konventionell mithilfe der vier Schrauben am Korpus des Shogun. Das gleiche gilt für die rechte Seite, welche jedoch eine bisher einzigartige Eigenart mitbringt. Das Fenster erlaubt dank der schwarzen Tönung keinen Blick in das Innere - etwa auf die unschön verlegten Kabel zum Beispiel. Die Gegenseite ist hier nur leicht getönt, um den Blick auf die gern gesehene Hardware nicht zu behindern.

Der Boden ist leicht erhöht, sodass durch den entstehenden Hohlraum die Luft zirkulieren kann. Daher gibt es hier einen Staubfilter für das Netzteil, der rückseitig herausgezogen werden kann. Die Unterseite des Shogun bietet an sich lediglich vier Gummi-Fuße, um das Gehäuse von der Standfläche zu entkoppeln.

Innenaufbau

Ganz so groß wie es die Ausmaße vermuten lassen, zeigt sich das Shogun beim ersten Anblick des Innenraums nicht. Ein Anbauteil hier, ein Anbauteil da und schon wirkt das kolossale Gehäuse wie ein ganz normaler Midi-Tower. Doch der Ersteindruck hier täuscht: Auf Wunsch lassen sich Laufwerksschächte, die 2,5-Zoll-RGB-Laufwerksblenden oder die Grafikkartenstütze ausbauen. Bitfenix schreibt das Wort Modularität groß, schließlich will auch eine Wasserkühlung im Innenraum seinen Platz finden.

Die 2,5-Zoll-Datenträger, normalerweise als SSDs, sollen im Shogun ein Highlight darstellen. Frontal direkt hinter der Glasplatte platziert Bitfenix selbige prominent und spendiert dann dafür auch eine Aura-spezifizierte Beleuchtung. So können SSDs im RGB-Farbspektrum illuminiert werden, während hinter denen das Netzteil versteckt Platz findet. Auf Gummientkopplern wird der Stromspender rückseitig verschraubt.

Eine weitere Einbaumöglichkeit von Datenträgern realisiert Bitfenix direkt am Boden vor dem Netzteil sowie in den dafür vorgesehenen Schächten. Letztere dürften nicht mit den Grafikkartenhaltern verwechselt werden. Auch hier sind Gummipuffer für die Entkopplung zuständig, während deren primäre Aufgabe darin besteht, das Durchhängen des Pixelbeschleunigers zu verhindern. Alle eben erwähnten Features des Shogun können nach Entnahme einfacher Rändelschrauben entfernt werden. So entsteht viel Platz - und der eingangs erwähnte Umstand relativiert sich ganz schnell. 


Die Front kann problemlos einen 280er-Radiator aufnehmen, werksseitig packt Bitfenix zwei hauseigene Spectre-Lüfter im 120-Millimeter-Format an diese Stelle - gepasst hätten aber auch 140-Millimeter-Rotoren. Den Griff zu kleineren Lüftern macht Bitfenix auch bei der Rückseite: Werksseitig kommt ein 120-Millimeter-Lüfter mit, passen tuen auch 140er. Der Deckel bietet den größten Platz für Wärmetauscher: Mit 7,5 Zentimetern Raum zwischen Mainboard und dem Deckel können selbst leistungsfähigste Radiatoren (360mm) an entsprechender Stelle in Betrieb genommen werden.

Ganz so einfach macht es sich Bitfenix jedoch mit den Staubfiltern nicht. Der bereits erwähnte Bodenstaubfilter für das Netzteil ist wie bei vielen anderen Konkurrenzmodellen einfach zu erreichen, doch den Front- und Deckelfilter zu reinigen wird für viele Nutzer etwas umständlicher sein. Hierfür müssen vorher die jeweiligen Anbauteile entfernt werden - erst dann ist der Weg zu den Filtern frei.

Die rechte Seite offenbart keine allzugroßen Überraschungen: Von hier sind die Plätze für 3,5-Zoll- und auch 2,5-Zoll-Datenträger erreichbar, der große Ausschnitt für den Zugang zum CPU-Kühler gehören in dieser Preisklasse zum guten Ton. Beim Kabelmanagement macht es sich Bitfenix einfach, aber effektiv: Die Kabel werden mithilfe von Ösen und Klettkabelbindern an Ort und Stelle gehalten. 

Praxistest

Ist der Shogun erstmal von den zahlreichen Anbauteile befreit, dann geht der Einbau im Handrumdrehen vonstatten. Bis das aber passiert ist, vergeht einige Zeit: Viele Schrauben müssen einzeln mit dem Schraubendreher entfernt werden, bis das Gehäuse leergeräumt ist. Ein Vorher/Nachher-Bild zeigt, wie das aussieht.

Immerhin gibt es hinter dem Mainboardtray genügend Platz für Kabel - Datenträger mit 3,5-Zoll-Ausmaßen können werkzeuglos und entkoppelt montiert werden. Den Schraubendreher zur Hand muss man aber beim Verbauen der 2,5-Zoll-SSDs haben: Hier wird geschraubt, und zwar ohne Ausnahme.

Ohne großen Sinn sehen wir indes die Grafikkartenhalterung. Denn: Lange, schwere Karten haben üblicherweise eine Backplate spendiert und bekommen so den nötigen mechanischen Halt. Ein Kaufargument stellt dieses "Feature" nicht dar - und in einem Gehäuse wie dem Shogun ist es auch unsinnig. Sinnvoller wäre für den einen oder anderen Nutzer das Extra an Laufwerksplätzen - gerne auch 5,25-Zoll-Einschübe, was auch einen echten Mehrwert darstellt. 

Gut wäre außerdem ein Y-Kabel zum Zusammenfassen der beiden Kabel der SSD-Beleuchtung gewesen - mal abgesehen von der Beleuchtung der SSDs. In Zeiten von M.2. SSDs und bezahlbaren großen Flash-Datenträgern wird oftmals nur ein Schacht belegt. Eine bessere Wahl wäre hier eine individualisierbare Grundbeleuchtung für den Innenraum, als das Highlight auf SSDs zu legen. Doch das ist grundsätzlich Ansichtssache.


Fummelig ist außerdem die Reinigung der Staubfilter. Die Front ist vergleichsweise einfach zu entfernen - das gleiche gilt für den Filter im Netzteilbereich. Doch im Deckelbereich geht es etwas haariger zu: Beide Seitenteile müssen ab, dazu Haltenasen gedrückt werden, um dann die gesamte Partie (samt möglicherweise montierten Lüftern oder Radiator abzunehmen. Das muss einfacher gehen. Dennoch ist unsere Hardware an und für sich schnell in das Gehäuse eingezogen. Die Kabelführung war unkompliziert dank des gegebenen Platzangebots und die Platzierungen der gummierten Kabeldurchführungen erscheint uns sinnvoll. 

Rein von der Performance her gibt sich das Shogun keine Blöße. Die Lüfter arbeiten auch mit vollen Umdrehungen relativ leise, die Hardware kommt auch unter Volllast nicht an kritische Temperaturgrenzen. PC-Max ist aktuell in der Umstrukturierung und plant, praxisnahe Testszenarien demnächst mitsamt eines runderneuerten Testparkour einzuführen.

Fazit

Das Shogun ist ein markantes und dabei keinesfalls schlechtes Gehäuse. Doch Abzüge in der B-Note trüben den insgesamt guten Gesamteindruck, den das wohlgeformte und durchaus edle Case auf uns macht. Mitgedacht hat Bitfenix an vielen Stellen, versäumt es aber auf der anderen Seite an anderen Punkten. Am Ende bleibt mit dem Shogun ein gutes Modell der Taiwanesen das mit einem markanten Design, einer massiven Anmutung und einer soliden Verarbeitung punktet.

Für das Shogun spricht das ansprechende Design und der E-ATX-Support mit beigelegter Blende. Überdies wurde Mitgedacht und die rechte Seite abgedunkelt, um das Chaos hinter dem Mainboardtray zu verstecken. Der Deckel und Boden bestehen aus hochwertigem Alu, während die generelle Verarbeitung zu gefallen weiß. Die Lüfter sind leise und die Materialwahl mit doppeltem Glas in 3 Millimeter starken Ausführung ist auch positiv anzumerken. Datenträger satt und 140mm große Lüfter passen vorne, am Deckel sowie an der Rückseite.

Gegen das Shogun  sprechen viele kleine Punkte, die dem Gehäuse die Redaktionsempfehlung verwehren. Da wäre zum einen der sehr schlecht erreichbare Deckelstaubfilter sowie die angetäuschte Alu-Front, die beim genaueren Betrachten und anfassen wie auch die Plastikanbauten als Rahmen an der Rückseite nicht dem generellen Look-and-Feel entsprechen. Bei den Ausmaßen wäre ein doch einfach realisierter 5,25-Zoll-Schacht gerne gesehen, um Nutzer von entsprechenden Laufwerken/Geräten einen Gefallen zu tun. Ferner kann noch die SSD-Beleuchtung ins Feld geführt werden: Die Aura-Kompatibilität ist schön und gut, doch deutlich ansprechender wäre eine Gehäusegrundbeleuchtung, die vom Frontpanel individuell anpassbar ist. Uns fehlt zudem eine Lüftersteurung - selbige bringen preiswertere Cases mit, selbst eine Lösung per Platine ist zu entsprechendem Kaufpreis gerne gesehen.

Unter'm Strich bringt Bitfenix ein sehenswertes Gehäuse auf den Markt, das im eher gehobenen Preisbereich zum Kurs von rund 150 Euro (Stand: 04/2017) um die Gunst der Käufer kämpft. Mit entsprechendem Ableger der Taiwanesen macht man definitiv nichts falsch und im Falle einer neuen Version mit dem Ausmerzen kleinerer Kritikpunkte dürfte der Shogun mit einem Sieg und somit einer Redaktionsempfehlung vom Feld ziehen.

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