Test: Battlefield 1 im Praxistest

Dass die FPS-Szene beim Thema Innovation stagniert, zeigte bereits der Release von Battlefield Hardline sowie Call of Duty: Ghosts. Während Activision erneut ein generisches Sci-Fi-Setting an den Tag legt, kommt EA und DICE dieses Mal mit einem Setting aus der Vergangenheit daher. Wir haben uns in das im ersten Weltkrieg versunkene Europa begeben und das neue Battlefield 1 einem Praxistest unterzogen.


Als Veteranen diverser Shooter-Titel entgegneten wir der Enthüllung von Battlefield 1 mit einer berechtigten Skepsis: während das ehemals beliebte Call of Duty weitgehend mit dem Sci-Fi-Genre verschmilzt, hörte DICE auf die Wünsche der Nutzer, zurück in die Geschichte zu wandern. Interessanter ist es sogar, dass ein Höchstmaß an Liebe zum Detail versprochen wurde, welches sich in Karten, Waffen und sogar den Soldaten wiederspiegeln soll. Wir haben uns in den Krieg gestürzt, der alle Kriege beenden sollte. Doch bevor wir zu unseren Gameplay-Impressionen kommen, möchten wir einen kleinen Exkurs in die Geschichte machen.

Die Kampagne – Zurück im ersten Weltkrieg:

„Der Krieg, der alle Kriege beenden sollte.“ – So wurde der erste Weltkrieg damals oft im Volksmund bezeichnet. Mit 40 teilnehmenden Staaten war es der umfangreichste Krieg, den die Welt zu dieser Zeit erlebte. Auch wurde in dieser Welt-Schlacht erstmals die Nutzung von chemischen Waffen eingeführt, was auch den Titel „Krieg der Chemiker“ mit sich zog, obwohl dies selbst damals als extrem kontrovers galt. Um die Ereignisse von 1914 bis 1918 in einem geschichtlich korrekten Kontext zu präsentieren, ohne dabei jedoch Partei zu ergreifen, bietet Battlefield 1 einen Kampagne-Modus der anderen Art. Statt einem festgesetzten Helden gibt es die Erzählungen verschiedener Soldaten, und zwar aus verschiedenen Fronten in mehreren Missionen.

Der Kampagnenmodes war laut vielen Kritiken in den vergangenen Battlefield-Titeln noch nie die Trumpfkarte. Im neuen Teil wird aber ein interessanter Aspekt deutlich: Die Sinnlosigkeit des Krieges. War dieser unterhaltsam? Definitiv! Egal, ob wir in die Rolle des deutschen oder italienischen Soldaten schlüpften oder gar als der berühmte Lawrence von Arabien durch die von Osmanen besetzte Wüste ritten: Sämtliche Missionen erzählen eine eigene Geschichte, welche jedoch den Horror des Krieges gleichermaßen in den Vordergrund stellt. Grafisch konnte der Einzelspieler-Modus erneut Maßstäbe setzten, die der Realität erschreckend nahekommen. Mit insgesamt rund vier bis fünf Stunden Spielzeit ist am Knochen aber letztendlich nur wenig Fleisch geblieben.

 Multiplayer – Das übliche Paket in neuer Optik:

Die Spieleschmiede hat trotz der beeindruckenden Grafik das Rad nicht neu erfunden. Wie immer gibt es die heilige Teilung bestehend aus Team Deathmatch, Conquest und Rush. Um diese Modi interessanter zu gestalten, gibt es nun ebenfalls einen überarbeiteten Conquest-Large-Modus, in denen der Spieler als Verteidiger oder Angreifer agiert. Beide Seiten müssen jeweils eine Serie von Angriffen durchführen und abwehren. Durch den Einsatz von Gas, Panzern, Flugzeugen und sogar dem gigantischen Zeppelin sind die Kämpfe hektisch und daher unübersichtlich sowie von großen Verlusten geprägt - Eine überraschend willkommene Abwechslung zu dem regulären Eroberungs-Modus. Ein großer Kritikpunkt, um den kein Spieler herum kommen wird, ist die Kartengröße. Ob es die arabische Wüstenstadt oder das Waldstück ist: auf nahezu allen Karten können Scharfschützen unzählige Positionen einnehmen, welche einen Blick über die gesamte Map ermöglichen, wodurch jeder Sturmsoldat zur leichten Beute werden kann. Häufig ist das Design der Karten teils offen und kahl, sodass sich das taktische Verstecken schwieriger gestaltet als jemals zuvor. Hinzu kommt die komprimierte Kartengröße, welche in einem Überfluss von Scharfschützen oder Schrotflinten-Jäger resultiert.

Zusammenfassend ist der Multiplayer ein Rad, welches bekanntermaßen funktioniert, aber nicht neu erfunden wurde. Es gibt neue Features zu den bekannten Modi, jedoch auch fragwürdige Veränderungen im Aufbau und der Größe der Karten. Auf lange Sicht ist die Motivation jedoch gegeben und kann dank dem frischen Setting auf eine neue Art und Weise entdeckt und genossen werden. Während Battlefield: Hardline in sämtlichen Gesichtspunkten vor allem zum Marktstart eine blamable Performance darbot, kann Battlefield 1 durch den Zeitsprung neue Waffen, Orte und Fraktionen bieten, die bislang noch nicht zum Einsatz kamen - namentlich die Osmanen, die Deutschen, Briten sowie die Italiener. Leider werden die Franzosen sowie die Russen nur durch DLCs hinzukommen, wie EA bereits im Voraus angekündigt hat.

Besonders negativ ist uns ohne Zweifel das sogenannte „Elite“-Pickup aufgefallen, welche quer auf der Karte verteilt sein kann. Einst aktiviert, verwandelt sich der Soldat in einen gepanzerten Superkrieger mit Flammenwerfer oder einer Minigun, welcher das Gleichgewicht nicht nur aus den Fugen reißt, sondern kaum etwas zu den Team-Taktiken beiträgt. Es mag eine funktionierende Idee in Star Wars Battlefront gewesen sein, wo die Ausrüstung zum ersten Mal implementiert wurde. In Battlefield 1 setzt es jedoch die Geduld eines jeden Spielers auf die Probe. Und die Kritik wird berechtigter, sobald ein Blick auf die Klassen geworfen wird. Denn zur Wahl steht der Versorger, der Sturmsoldat, der Späher und der Sanitäter. Steigt der Spieler im Respawn-Menü in einen Panzer oder ein Flugzeug ein, so spielt dieser die automatisch ausgewählte Klasse Panzerfahrer oder Pilot. Während die Gewaltenteilung in vorherigen Battlefield-Installationen sehr zufriedenstellend und ausgeglichen war, ist dies hier nicht der Fall. Der Sanitäter besitzt zu Beginn nur eine semi-automatische Waffe, welche speziell für Anfänger unspielbar ist. Es ist selbst für Franchise-Veteranen wie uns teils eine Qual gewesen als Arzt durch das Schlachtfeld zu eilen. Speziell der Sturmsoldat ist mit all seiner Granaten, Panzerabwehrbomben, dem Dynamit, seiner vollautomatischen Waffen sowie der Schrotflinte eine Ein-Mann-Armee. Schwerer wird das Ganze durch das undurchdachte Auswahlmenü. Wer ein Visier für seine Waffe haben möchte, kann dies nicht freischalten, sondern muss die Waffe komplett neu kaufen. Es frisst nicht nur das kostbare Budget in kürzester Zeit auf, sondern macht im Allgemeinen sehr wenig Sinn. Nach über 10 Stunden im Einsatz sieht die Welt angenehmer aus, da mehr Waffen und Mittel zur Verfügung stehen. Um jedoch erst dort hinzukommen bedarf es aber viel Geduld und Nachsicht. Auch führt das Ungleichgewicht zu einer starken Abwesenheit von Sanitätern und einer erschlagenden Mehrheit von Spähern und Sturmsoldaten.

Grafik – das spektakulärste Grafik-Feuerwerk des Jahres:

DICE, das Entwickler-Team hinter der Frostbite-Engine, konnte schon mit Battlefield 3 einen optischen Standard einführen, der die Grenze zwischen Realismus und Spiel noch weiter dezimiert. In Battlefield 4 und Star Wars Battlefront wurde die Engine weiter optimiert. Mit Battlefield 1 konnte jedoch der bislang größte Erfolg erzielt werden. Speziell die Kampagne ist optisch atemberaubend und lässt den Spieler förmlichs den Dreck spüren, in denen sich der digitale Soldat wälzt.

Im Multiplayer nimmt zwar die Grafikqualität ein deutliches Stück ab, sucht jedoch weiterhin erfolglos seinesgleichen. Speziell die Wetter-Effekte wie der Sandsturm oder das wilde Regnen manipulieren nicht nur das Verhalten der Spieler, sondern auch die allgemeine Wahrnehmung der jeweiligen Karte, was auch eindrucksvoll in unserer Bildergalerie deutlich wird.

Zusammenfassung – Stimmiges Konzept mit groben Ecken:

Battlefield 1 haucht einem FPS-Franchise wieder Leben ein, nach dem dieser deutlich vom Weg abgekommen ist. Das Setting ist erfrischend, lässt das Wiederverwenden von ehemaligen Waffen und Designs nicht zu und bietet so viele Fraktionen wie noch nie zuvor. Auch wenn der Einzerspieler-Modus mit rund fünf Stunden alles andere als ein Dauerbrenner ist, gibt es jedoch ein cinematisches Erlebnis, welches den ersten Weltkrieg auf einer Art und Weise präsentiert, den es so nicht gab. Auch konnte uns der Multiplayer überzeugen, welcher mit altbekannten Modi und neuen Facetten daherkommt. Aber auch hier gibt es Unstimmigkeiten. Wie zum Beispiel die limitierte Waffenauswahl. Klassen wie der Sanitäter werden daher immer seltener von Spielern verwendet. Hinzu kommt das Ungleichgewicht in Matches, welche teils durch die Elite-Kits und den übermächtigen Panzern entsteht.

Empfehlen wir Battlefield 1? Ohne Zweifel: Ja! Es ist trotz all der hier erwähnten Kritikpunkte eines der wenigen Titel, welche frische Ideen in die träge FPS-Szene zu bringen. Zudem besteht noch die Perspektive, dass weitere Add-Ons sowie Patches die benannten Probleme beheben könnten. Wir haben unsere Reise in den ersten Weltkrieg genossen und werden auch in Zukunft Battlefield 1 im Auge behalten.

Sollten Fragen bezüglich EAs Battlefield 1 vorhanden sein, sind diese in der Kommentar-Sektion willkommen. Wir werden diese nach bestem Wissen beantworten.

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