Test: Final Fantasy XV im Praxistest

Final Fantasy XV war Sage und Schreibe 10 Jahre in Produktion. Dabei handelt es sich um den gesamten Entwicklungszyklus. Ein Grund für den gigantischen Zeitraum ist der Wechsel des gesamten Konzepts sowie der Generationswechsel, welcher die überfällige PS3 ablöste. Das Warten hatte jedoch am 29. November ein Ende und damit begann auch die wohl längste Testphase, die wir so bei PC-MAX hatten. Mit diesen Worten: Willkommen zu unserem Final Fantasy XV Review.


Final Fantasy XV war nicht immer der Anwärter um das Staffelholz der Hauptserie zu übernehmen. Denn 2006 sollte es sich bei dem Titel lediglich um einen Spin-Off handeln, welcher zu Final Fantasy XIII exklusiv für die PS3 erscheinen sollte. Das Projekt nahm jedoch immer größere Proportionen an, wodurch auch Branchen-Veteran Hajime Tabata die Position als Direktor übernahm. Damit stand Square Enix nichts mehr im Wege den nächsten Next-Gen-Hit zu erschaffen. Jahre zogen ins Land und damit auch der anstehende Generationswechsel, wodurch weitere schwere Verzögerungen dazu kamen. Das Spiel wurde jedoch nach 10 Jahren fertig gestellt und für die Xbox One sowie die PS4 veröffentlicht.


Die Geschichte – das Herzstück des Titels

Die Geschichte beginnt auf dem erdnähnlichen Planeten namens Eos, welcher in drei Kontinente aufgeteilt ist. Im Norden befindet sich das Königreich von Lucis, das von der Caelum-Familie regiert wird. Im Westen regiert das Niflheim-Imperium mit einer strikten Militärdiktatur, wodurch Tenebrae zum Vasallen-Staat verwandelt wurde. Schließlich befindet sich im Süden Accordo, das durch Zusammenkünfte von freien Handelsstaaten entstanden ist. 

Wir schlüpfen in die Rolle von Prinz Noctis, der von seinem Vater, König Regis Caelum CXIII, den Auftrag erhält, zum tenebraeischen Orakel und ehemaliger Prinzessin Lunafreya Nox Fleuret zu reisen und dort um ihre Hand anzuhalten. Denn durch die Heirat soll ein Friedenspakt zwischen Lucis und Niflheim verabschiedet werden. Die Reise bestreitet der Thronanwärter jedoch nicht alleine, denn mit von der Partie ist Gladiolus Amicitia, welcher einst Soldat war und nun als Königswache dient. Ignis Scientia, der als Berater für die Krone arbeitet. Und auch Prompto Argentum, welcher Noctis Kindheitsfreund ist. Das Ziel ist klar: Die Hauptstadt Altissia, in der die Hochzeit abgehalten wird. Die Reise wird jedoch schon zu Beginn von einer verheerenden Nachricht unterbrochen: Die Unterzeichnung des Friedenspaktes wurde vom diktatorischen Kaiser Iedolas Aldercapt als Vorwand zum Blitzkrieg ausgenutzt. Ein Gefecht brach im Inneren der Kronstadt Insomnia aus, welcher nicht nur großen Schaden zurück ließ, sondern auch das Leben des Königs forderte.

Dabei verbleibt es jedoch nicht, denn mit dem hinterhältig errungenen Sieg wurde auch der Tod vom Orakel Lunafreya sowie Prinz Noctis verkündet um dem Königreich den Garaus zu machen. Noctis, welcher von den Neuigkeiten schwer getroffen ist, erhält jedoch keine Zeit zum Trauern. Denn der Befehlshaber der Armee hat nicht nur einen Guerilla-Krieg gegen die hoch technisierte Diktatur begonnen, sondern auch den Thronerben mit einer neuen Aufgabe bestückt: Um Niflheim in ihre Schranken zu weisen, muss der Monarch alle königlichen Waffen der 13 Herrscher sammeln, welche sich teils in verschollenen Grabstädten befinden.

Die Götter Lucis schauen jedoch nicht tatenlos zu, denn die sogenannten "Sechs", welche auch als Sternzeichen bekannt sind, leiten den jungen Thronnachfolger zu der Quelle ihrer Macht. Was einst als eine Hochzeitsreise begann, ist nun ein Krieg, welches selbst Gottheiten aus ihrer Stille hinaus zwingt. Wie Noctis, Gladiolus, Ignis und Prompto das Dilemma konfrontieren werden, was diese erleben werden und wie das tragische Epos um die Welt von Eos enden wird, muss jeder für sich herausfinden. Aus Fairness werden wir die Geschichte nicht weiter aufdecken.

Das Kampfsystem – Hektisch, strategisch, actiongeladen

Square Enix präsentierte in fast jeder Final Fantasy-Installation ein rundenbasierendes Kampfsystem. Auch im 13. Ableger kam dieses trotz Action-Elemente nach wie vor zum Einsatz. Mit Final Fantasy XV kommt nicht nur das erste, wirklich freie Kämpfen auf den Tisch, sondern verbindet bislang ungesehene Elemente. Der Spieler wird nur Prinz Noctis kontrollieren können.

Die restliche Gruppe funktioniert autonom und bietet sich durch diverse Ansagen für Partner-Angriffe an oder weisen auf Vergiftungen oder ähnliche Statusveränderungen hin. Schon ab dem ersten Kampf konnte uns die Dynamik des Gefechtes begeistern: der Protagonist ist ein Kämpfer, welcher jede Art von Waffentyp verwenden kann. Vier der jeweiligen Waffentypen oder Magie-Angriffe können in das Steuerkreuz gelegt werden und ohne Verzögerung durchgewechselt werden. Somit kann die Stärke und Schwäche des Gegners gekontert und ausgenutzt werden.

Besonders gut gefällt uns die Warp-Fähigkeit des Protagonisten, welches die Dynamik in bislang ungesehene Höhen trägt. In Kombination mit dem blitzschnellen Waffen-Wechsel und dem aktiven Ausweichen geht es ununterbrochen heiß her. Und dies ist nicht nur ein Nice-To-Have sondern obligatorisch. Denn oft bekämpft die Gruppe ganze Gegnerscharen, welche die Helden problemlos niederknüppeln könnten. Selbst wenn der Spieler zehn Level über den des Feindes ist, kann dieser trotzdem massiven Schaden ausrichten.

Sollte der Protagonist fallen, kann dieser durch das Konsumieren von Heiltränken oder durch das Antippen von Freunden gerettet werden. Sollte das Leben des Charakters in Gefahr sein, kann ein Knoten-Punkt angepeilt werden, durch den sich der Spieler quer durch die Map teleportiert. Im Anschluss stellen sich die Magiepunkte wieder her und ein mächtiger Warp-Angriff kann in Kombination, welcher je nach zurück gelegter Distanz den Schaden multipliziert, eingesetzt werden.  

Um die kämpferische Performance zu verbessern, stehen dem Spieler einige Wege offen. Der leichteste Weg massiven Schaden auszuteilen ist, an jedem Camping-Ort den Eis, Blitz und Feuer-Kristall zu absorbieren. Im Elemancy-Menü kann im Anschluss eine Kombination der drei Elemente gemischt werden. Je mehr Punkte auf eine Seite gelegt werden, desto mächtiger ist der fertige Zauber. Und sobald die Magie zum Einsatz kommt, wird der Spieler Zeuge einer umwerfenden Animation. Feuer resultiert in einer gigantischen Explosion, Blitz lässt einen mächtigen Donner auf die Gegner hageln, während Eis den Bereich mit einem Schneesturm heimsucht.

Auch hier gibt es diverse Statusveränderungen, die dem Gegner auferlegt werden. Ein anderer Weg stärker zu werden ist die Verteilung von AP-Punkten im Sphären-Brett, welches auch als Kristallium bekannt ist. Diese Punkte können durch Quests, Erkundungen und Beantwortung von Pop-Fragen gesammelt und dann in diversen Kategorien verteilt werden. Letztlich bleibt das klassische Leveln übrig.

Durch das Erfüllen von Aufgaben oder dem Besiegen von Gegnern werden Exp-Punkte ausgeschüttet. Sämtliche Erfahrungspunkte werden gesammelt, bis der Spieler eine Pause in Form eines Camping-Trips oder einer Übernachtung in einer Unterkunft einlegt. Im Anschluss wird alles verrechnet und es gibt Levelaufstiege.

Die Grafik – Square Enix versprach und Square Enix lieferte

Eines der Maßstäbe die Square Enix mit jeder Installation setzte, ist ohne Zweifel die Grafik. Selbst auf der PS3 konnte mit Final Fantasy XIII bei jedem Druck auf dem Pause-Knopf ein Wallpaper geboten werden. Im Vergleich zum Vorgänger besitzt der 15. Teil eine offene Spielwelt. Dennoch lässt sich der japanische Entwickler nicht lumpen und setzt die Luminous Studio-Engine ein, welche die beiden bekannten Techdemos ermöglichte (Agni’s Philosophy und Witch Chapter 0).

Und Kritiker bezeichneten die Engine nicht umsonst als die Zukunft der Konsolen-Spiele. Denn trotz der eher schwächeren PS4-Plattform konnte uns ein grafisches Feuerwerk geboten werden. Sei es die packende Beschwörung der jeweiligen Sternzeichen oder das Einsetzen der imposanten Magie: Obwohl die FPS-Zahl einen ordentlichen Schlag nimmt, sollte jeder Zuschauer voll auf seine Kosten kommen. Speziell beim Einsatz der Zauber lassen sich die Effekte auch auf der Spielwelt erkennen. Denn Feuer im Wald resultiert in einem halben Waldbrand, bei dem sich auch die Verbündeten verletzen können.

Ein nettes Feature ist Promptos Fähigkeit im Laufe des Tages diverse Bilder zu schießen. Dabei kann es sich um Highlights aus Gefechten, interessante NPCs oder Foto-Möglichkeiten handeln, welche quer über dem Kontinent zu finden sind. Am Ende eines jeden Boxenstopps kann der Spieler die besten Schnappschüsse speichern und in der Galerie betrachten.

Alles in Allem konnte Square Enix die Quintessenz des Genres erfassen: Das Land bietet facettenreiche Szenarien. Es gibt Wälder, Berge, Wüsten, Strandbereiche und sogar einen Vulkan. Ein optischer Burn-Out sollte in den ersten 50 Stunden unmöglich sein. Des Weiteren gibt es viel Liebe zum Detail, die sich in Kleinigkeiten wie die durchnässte Kleidung zeigt, sobald die Gruppe mit Wasser in Kontakt kommt. Und wer uns nicht glaubt, sollte sich die Gerichte anschauen, die Ignis für die Helden zubereitet. Dabei handelt es sich nicht um Bilder aus dem echten Leben sondern um In-Game-Objekte.

Musik – Zusammenkunft neuer und alter Hits

Wenn Japaner für eines bekannt sind, dann ist es zweifellos die Musik. Ob es Soul Sacrifice, Tales Of-Titel oder Vorgänger aus dem Final Fantasy-Franchise sind: Die Musik ist par excellence und bietet die optimale akustische Untermalung, um gigantische Schlangen, wütende Drachen oder Scharen von Roboter-Soldaten zu bekämpfen. Gefallen hat uns auch, dass in diversen Geschäften die Musik-Kollektionen der Vorgänger für wenige Gil erworben werden können. Diese lassen sich während der Durchfahrten in der Regalia (dem Fahrzeug) abspielen. Freunde der Serie dürfen sich hier zurücklehnen und mit den alten Soundtracks in Nostalgie verfallen.

Im Großen und Ganzen konnte eine solide, orchestralische Begleitung geboten werden. Viele der Vorgänger brachten Musik-Stücke heraus, welche heute noch, von großen Orchestern in ausverkauften Hallen gespielt werden. Daher war unsere Erwartungshaltung hoch.
Ein anderer relevanter Bewertungspunkt ist die Synchronisation, bei der die meisten Entwickler aus dem asiatischen Raum teils tragische Sturzlandungen hinlegten. Um wirklich jeden Geschmack treffen zu können, gibt es nicht nur die original japanische Tonspur, sondern alternativ auch Französisch, Deutsch, Spanisch sowie auch Englisch. Wir persönlich bevorzugen eine Mischung aus Japanisch/Englisch, da in beiden Bereichen berühmte Synchronsprecher zum Einsatz kommen. Nichtsdestotrotz ist die deutsche Sprachausgabe gelungen und stellt sogar für japanische Titel eine Premiere für das Level an Qualität dar. 

Das Fazit – Ad finem itineris

Wir haben Sage und Schreibe über 50 Stunden in Final Fantasy XV investiert um diesen Artikel so ausführlich wie möglich zu gestalten. Auf der anderen Seite entfalten sich RPGs erst im Verlauf des Spiels, wodurch viele Aspekte erst nach intensivem Testen fair beurteilt werden können. Wir haben jedoch das Gefühl, dass wir genug gesehen und erlebt haben, um ein faires Urteil fällen zu können. 

Die Geschichte ist vielseitig und involviert den Spieler in viele Intrigen, Tode und Verbündete. Leider passiert einiges Off-Screen, wodurch gewisse Handlungen nicht zu Beginn offensichtlich sind. Dennoch besteht eine unbändige Motivation die nächste königliche Waffe oder das nächste Sternzeichen zu sammeln. Angenehm ist es, dass der Spieler selbst das Tempo der Story-Entwicklung entscheidet, in dem dieser Hauptquests erfüllt oder sich um Neben-Aufgaben kümmert. Und es werden sich genug Ablenkungen während des Erkundens anbieten. Denn ständig finden spontane Kämpfe statt, welche teils einfach und teils äußerst fordernd sind. Diese stören jedoch keineswegs, da das Kämpfen unterhaltsam ist und durch das gigantische Waffenarsenal mehr als genug Abwechslung bietet. Und wer glaubt, dass es zu einfach sei, kann brutale Dämonen in der Nacht antreffen oder die Katakomben erstürmen, um noch mehr Zeit in diesen Titel zu investieren.

Auch aus grafischer Perspektive werden Fans nicht enttäuscht. Zwar bewegt sich die Framerate zwischen 30 FPS bis 60 FPS aber im Gegenzug wird eine wunderschöne Fantasie-Welt geboten, welche mit vielen Facetten daherkommt. Zum Schluss überzeugt auch die Audio-Qualität von Hintergrund-Stücken, Soundeffekten sowie die Synchronisation, welche lange seinesgleichen suchen wird. 

Für Final Fantasy XV spricht die riesige Welt, die exzellente Grafik, die solide Audio-Qualität sowie das hektische aber individuell spielbare Kampfsystem, welches durch das große Waffenarsenal nur noch spannender wird. Schließlich bündelt die Handlung sämtliche positive Aspekte in ein in sich stimmiges Meisterwerk.

Gegen Final Fantasy XV spricht der Aspekt, dass einige Ereignisse Off-Screen stattfinden und den Spieler öfters mit Fragen an die Bucht von Google spülen wird. Auch störte uns die mangelnde Steuermöglichkeit zum Automobil, welches als Konsequenz nur zum Schnellreisen verwendet wird. Letztlich funktionieren manche Quests nicht oder werden unzureichend erklärt, wodurch die Lösung in aufwändiger Eigenarbeit recherchiert werden muss.

Insgesamt sichert sich Final Fantasy XV unsere redaktionelle Empfehlung. Wir sind davon überzeugt, dass sich das Warten gelohnt hat. Und wenn es jemals einen Grund gibt, eine der aktuellen Konsolen anzuschaffen, dann nur um Square Enix' neustes Meisterwerk zu spielen. Eine zehn Jahre lange Spiele-Produktion ist mittlerweile unvorstellbar, da viele Titel im höchsten Fall drei Jahre in Arbeit sind. Aktuell kostet die Day-One-Edition 59,99 Euro (Stand 12/16).  

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