Test: Mass Effect: Andromeda im Test (PC)

2012 konnte Commander Shepard die Reaper in Mass Effect 3 ein für alle Mal besiegen. Ganze sieben Jahre verfolgten Fans das Sci-Fi-Epos. Die abgeschlossene Geschichte sollte jedoch nicht das Ende des Mass Effect-Franchise bedeuten. Denn ganze fünf Jahre später meldete sich BioWare mit dem neusten Teil Andromeda zurück. Mit dem Motto „back to the roots“ soll der vierte Titel eine Hommage an das aller erste Spiel sein. Denn im Fokus soll die Entdeckung einer komplett unbekannten Galaxie durch Landgänge mit dem Nomad-Jeep stehen.


Andromeda – dies ist nicht nur der Name der neusten Installation, sondern auch der unbekannten Galaxie, in der Spieler sich vorfinden werden. Statt einem Epos alá Commander Shepard sollen Fans zu den Wurzeln des Franchise zurückkehren. Denn der ursprüngliche Fokus des Sci-Fi-Hits lag zweifellos auf das Erkunden eines umkämpften Weltalls. Doch spätestens ab dem zweiten Titel verwandelte sich das Spiel in ein lineares Hybrid-RPG. Doch BioWare versprach, die Fackel erneut aufzuheben und in die neue Generation zu tragen. Ob das Versprechen nun eingehalten werden konnte, werden wir in diesem Test klären.

Die Vorgeschichte – Das Große Erbe der Trilogie und der Aufbruch

Die Prämisse von Mass Effect könnte mehrere Artikel in sich selbst fassen. Denn neben den Spielen wurden auch zwei Bücher publiziert. Um jedoch den Rahmen nicht zu sprengen, werden wir uns so kurz wie nur möglich fassen: In der Trilogie musste der Spieler als Commander Shepard gegen die übermächtigen Reaper kämpfen. Zu diesem Zweck musste nicht nur die Galaxy erforscht, sondern auch Beziehungen zu neuen Spezies aufgebaut werden.

Nun kommen einige Spoiler zur bisherigen Mass Effect Trilogie: In einem epischen Finale konnte Shepard sämtliche Alien-Rassen vereinen und so den Kampf zur Erde tragen. Schlussendlich konnten die Invasoren in Form der Reaper nur durch das Martyrium Shepards ein für alle Mal besiegt werden. Doch dies spielt für die Pioniere der Initiative keine Rolle. Denn diese starteten ihre Reise zwischen Mass Effect 2 und 3. Zudem befinden sich Insassen zum Zeitpunkt des Showdowns in der sogenannten "Cryo-Stasis", welcher erst 600 Jahre später ein Enden finden sollte. Und eine Verbindung ist wegen der Distanz von 2.5 Millionen Lichtjahren ebenfalls nicht möglich. 

Das Erwachen in der Andromeda-Galaxie

Ab hier erhält der Spieler erstmalig die Kontrolle - friedfertige Siedler-Politik steht nicht auf dem Programm. Denn zu Beginn der Reise geraten die Pioniere in eine Art Energiewolke, die große Schäden an der Hyperion-Arche verursacht. Und als wäre das nicht genug, müssen sich die Pathfinder in einem blutigen Erstkontakt mit der „Kett“-Rasse beweisen. Wie groß das Desaster jedoch wirklich ist, zeigt sich erst mit dem Besuch des Nexus. Der Miniatur-Nachbau der „Citadel“ sollte bei der Ankunft der Hyperion bereits fertiggestellt sein. Interne Meutereien sowie gescheiterte Kolonialversuche haben das Projekt jedoch komplett ausgebremst. Nun ist das Wissen und Können der Pathfinder-Elite gefragt. Als Scott oder Sara Ryder muss eine feindliche Galaxie und die in Scherben liegende Andromeda-Mission bewältigt werden.

Das Kampfsystem – Als Supersoldat mit biotischer Amplitude

Mass Effect reihte sich bereits im Jahr 2007 zu den Deckungs-Shootern ein. Kämpfe waren nur selten hektisch, sondern setzten meist eine solide Deckung voraus. Dieser Tradition ist BioWare eindeutig treu geblieben. Denn Feinde besitzen selbst auf dem normalen Schwierigkeitsgrad eine extrem hohe Präzision. Zudem wird das Ducken vom System automatisch durchgeführt, sobald man sich an eine Mauer oder ähnliches bewegt. Leider funktioniert das Feature nicht ganz so sauber, weswegen die kleinste Fahrlässigkeit gnadenlos bestraft wird. Wie auch in der Trilogie kann der Spieler jegliche Art von Fähigkeiten durch Level-Ups erlernen. Leider können jedoch nur drei Skills parallel ausgerüstet werden, wodurch sich die gigantische Auswahl in der Praxis größtenteils erübrigt. 

Wie üblich kann sich der Spieler zwischen fünf verschiedenen Waffentypen entscheiden. Selbst die Nahkampfwaffe kann in Andromeda individuell ausgewählt werden. Leider gibt es nicht mehr die Nahkampf-Moves, die aus der Deckung ausgeübt werden konnten. Zumindest gibt es exotische Neuzugänge wie der kroganische Hammer oder das Asari-Schwert. Während der Erwerb von Waffen durch die maue Shop-Auswahl keinen Sinn macht, können diese im Wissenschaftscenter eigenhändig gebaut werden. Schließlich hat BioWare das Tempo der Gefechte stark angezogen. Denn der Jetpack lässt Ryder bis zu drei Meter hochspringen oder mehrere Meter vor- oder rückwärts preschen.

Der Multiplayer - Die Alibifunktion

BioWare konnte in Mass Effect 3 noch eine solide Mehrspieler-Erfahrung anbieten. Natürlich war dieser keines Wegs so groß wie bei Genre-Kollegen alá Gears of War. Dennoch konnte durch das Absolvieren der Missionen unter anderem das beste Ende im Singleplayer erreicht werden. In Andromeda erfüllt der Multiplayer keine bedeutende Rolle. Es hat keinerlei Einfluss auf die Neugründung der Kolonien oder die allgemeine Handlung. Wir haben sogar das Gefühl, dass der Entwickler schlicht und ergreifend die Copy-Paste-Funktion walten lassen hat. Es gibt keine neuen Ideen und auch kein wirklicher Fortschritt. Das Kampfsystem ist schnell und hektisch, da jedoch jeder Gegner eine Auto-Aim ähnliche Präzision besitzt, wird dieser Aspekt nur selten zur Geltung kommen. Im letzten Mass Effect wirkten sämtliche Gegnerfraktionen durchdacht. Jede Gruppe besaß Stärken und Schwächen. Diese konnten jedoch mit einem fähigen und vielseitigen Team gemeistert werden. 

Schlimmer ist es, dass BioWare kein Geheimnis um das Desinteresse für den Multiplayer-Modus macht. Denn jede Fraktion ist nach ein und demselben Muster zusammengestellt. Es gibt die kleinen, schwachen Stürmer. Danach kommen die normalen Fußsoldaten, welche von einem Spezialisten begleitet werden. Das Schlusslicht bildet die Minigun-Einheit sowie der Bossgegner. Jeder Kampf ähnelt dem anderen. Und die radikale Präzision sämtlicher Gegner dämpft den ohnehin schwankenden Spielspaß. Insgesamt wirkt das fünf Jahre ältere Mass Effect 3 in diesem Aspekt wesentlich polierter. 

Die Grafik – Ein wunderschönes Trauerspiel

BioWare bewies bereits mit Titeln wie Dragon Age, dass eine solide Geschichte nicht die Optik in Mitleidenschaft ziehen muss. Mass Effect: Andromeda hingegen könnte potentiell einen Tiefpunkt darstellen. Denn obwohl viele der Landschaften wunderschön sind, stellen wir uns nach wie vor die Frage, wieso die Lauf- sowie Gesichts-Animationen nicht vor beziehungsweise bei dem Release verbessert wurden. Selbst das im Jahr 2012 erschienene Mass Effect 3 kann eine realistischere Mimik vorweisen. Wir sind auch nicht die Ersten, die dieses Thema erwähnen. Speziell die dubiosen Gesichter sowie das skurrile Laufen wurde im gesamten Internet diskutiert, was in einer Menge Spott für das Entwicklerteam endete. Zumindest gab man bereits bekannt, dass dieses Problem bald behoben wird.

Speziell Orte wie der Eisplanet „Voeld“ zeigen das wahre Potential der Frostbite 3 Engine. Licht- und Wettereffekte wirken nicht nur realistisch, sondern tragen maßgeblich zur Atmosphäre bei. Selbst die kargen Planeten sind so deutlich erträglicher. Auch wenn die Physik nicht immer plausibel erscheint, ist diese in der Summe noch gut genug. Leider treten zu oft Bugs auf, durch die Gegner in der Luft stehen oder Objekte kreuz und quer durch die Areale fliegen. Auch ist es äußerst schade, dass BioWare wenig Wert auf Details gelegt hat. Nach satten 15 Stunden haben wir keine Nahrungsmittel oder andere kleinere Items entdeckt. Lediglich Lückenfüller wie Becher, Boxen oder verstreute Papiere sind oft zu sehen.

Im Großen und Ganzen ist die Grafik nicht schlecht. BioWare entwickelte jedoch Mass Effect: Andromeda mit einer 200 Mann starken Division über den Zeitraum von fünf Jahren. Selbst die Engine musste nicht kreiert werden, weswegen die Erwartungshaltung höher ausfiel. Ein Update ist jedoch unterwegs und könnte womöglich für deutliche Besserung sorgen.

Die Musik – Akustisches Feuerwerk tritt auf solide Konversationen  

Mass Effect besaß schon immer eine souveräne Audiobibliothek. Ob es die kraftvollen Schussgeräusche oder die unterhaltsame Synchronisation ist. Auch in Andromeda kommen Fans voll auf ihre Kosten. Obwohl eine deutsche Sprachausgabe zur Verfügung steht, raten wir ganz klar zur englischen Version. Denn viele der deutschen Konversationen wirkten nicht nur kitschig, sondern auch aufgesetzt. Im Englischen hingegen fühlt sich der Sprachverlauf generell natürlicher an.

Das Fazit – Das zu große Erbe der Trilogie

Mass Effect: Andromeda sollte aus dem Paradigma ausbrechen, dass BioWare während der Trilogie etablierte. Spieler sollten die neue Galaxie so frei wie möglich erkunden können und um dies zu bewerkstelligen, kam auch der Nomad-Landrover zum Einsatz. Doch all diese Elemente sind Gimmicks. Denn im Mittelpunkt stehen drei Elemente: Story, Gameplay und Grafik. Und auch wenn alle Aspekte erfüllt wurden, sticht nichts aus der Masse heraus. Die Geschichte ist interessant, kann sich jedoch wegen dem zu großen Leerlauf nicht richtig entfalten.

Generell wirken die Charaktere eher uninspiriert und dienen nur zum Erfüllen einiger Klischees und zum Vorantreiben der Hauptgeschichte. Das Kampfsystem ist unterhaltsam, leidet jedoch unter einem unausgereiften Deckungs-System. Was für und gegen das Sci-Fi-Abenteuer spricht, werden wir in einer Pro- und Kontra-Diskussion klären.

Für Mass Effect: Andromeda spricht das an sich stimmige Gesamtpacket. Die Grafik ist überdurchschnittlich schön, das Kampfsystem fordernd und die Geschichte an den entscheidenden Stellen durchaus packend. Zudem ist es die Fortsetzung zu einem totgeglaubten Franchise, welches rein vom Setting her defnitiv einen würdigen Nachfolger verdient hat.

Gegen Mass Effect: Andromeda spricht der Fakt, dass kein Element aus der Masse hinaus stechen kann. Die Geschichte verliert sich zu oft an Kontraktionen oder wird durch alberne Gespräche entschärft. Auch ist es schade, dass die Ereignisse der Trilogie in keinster Weise aufgegriffen werden. Die Grafik ist sehr schön, leidet jedoch immens unter Grafik-Bugs oder den komischen Animationen, was jegliche Immersion schnell verschwinden lässt. Schließlich hat uns der Multiplayer verärgert, da sich dieser in fünf Jahren so gut wie gar nicht verändert hat. Selbst jener aus dem fünf Jahre alten Mass Effect 3 war überzeugender.

Leider hat es für eine redaktionelle Empfehlung nicht gereicht. Denn wie so oft wurde das Spiel offenbar zu früh ins Rennen geschickt. Ein ausgiebiger Day-One-Patch hätte beispielsweise viele Probleme beheben können. Wofür wir jedoch kein Verständnis haben, ist der Multiplayer, dessen Potenzial der Entwickler nicht im Geringsten ausnutzte.

Als Kenner des Franchises haben wir zweifellos das massive Potential hinter Andromeda erkannt. Doch BioWare kürzte zu viele Ecken, weswegen eine gute Bewertung unter diesen Umständen nicht in Frage kommen kann.

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