Test: Persona 5 im Test (PS4)

Ursprünglich noch als Spin-Off veröffentlicht, ist die Persona-Serie heute das Zugpferd des japanischen Entwickler ATLUS. Der Erfolg war so immens, dass der Hauptstrang der Shin Megami Tensei-Titel mit jedem Release weiter in den Schatten gerückt wurde. Unter Fans wurde kaum eine Produktion so sehnsüchtig erwartet wie Persona 5, denn seit der letzten Veröffentlichung sind stolze acht Jahre vergangen. Ob sich das lange Warten gelohnt hat, zeigt unser Test.


Persona 5 gehört zu den Titeln, die trotz mehrmaliger Release-Verschiebungen stets sehnsüchtig erwartet wurden - vor allem im Westen, wo das Spiel noch einmal rund ein halbes Jahr später gelauncht wurde als in Japan. Mit einer weltweit ausverkauften Sammleredition und durch die Bank weg positiven Kritiken, könnte es das erfolgreichste J-RPG der letzten Dekade sein.

In kaum einem Spiel kommt der Aspekt des japanisches Lifestyle so sehr zum Vorschein wie in Persona. So interessant Japan jedoch auch sein mag – wir befinden uns in Deutschland. Und hier stellt sich auch die berechtigte Frage, ob das durch und durch ostasiatische Thema auch hierzulande Einklang finden kann. Ob Persona 5 der immensen Erwartungshaltung standhalten kann und auch uns überzeugt, werden wir im Rahmen dieses Artikels klären.

Die Handlung – Täter und Opfer zugleich…

Wer beim neuesten Teil der Serie einen seichten Einstieg erwartet, sollte sich besser warm anziehen. Denn wir starten sofort als der gewitzte Protagonist, der einen Überfall in einem gut besuchten Kasino vorbereitet. Während der Infiltration schwärmt Sicherheitspersonal aus jedem Winkel des großen Saals hinein. Nur wenig später stehen wir bereits den ersten Wachleuten gegenüber. Als uns einer von ihnen aufhält, zerfällt der Widersacher und verwandelt sich in ein großes Biest - dazu später mehr. Mit der Hilfe unseres Persona – die Manifestierung der eigenen Seele – können wir die Bestie schnell besiegen. Doch nur kurz darauf sind wir hoffnungslos von schwer bewaffneten Polizisten umzingelt. Nachdem man uns in Gewahrsam nimmt, endet die Operation des „Phantom Thief“ schließlich in einem Verhörraum.

Körperlich misshandelt und unter Drogen gesetzt, wird der Gefangene anschließend verhört; unbekannte Ermittler lassen uns ihre volle Abneigung spüren. Der gewaltsame Umgang wird erst durch das Unterschreiben eines Geständnisses unterbrochen. Anschließend werden die brutalen Beamten von einer hübschen Ermittlerin abgelöst, welche von unserer Verfassung sichtlich schockiert ist. Sie bringt dennoch unzählige Fragen mit. Wir werden aufgefordert die gesamte Geschichte bis zur Gegenwart zu erzählen - womit wiederum das Abenteuer in Tokyo beginnt.

Der Anfang - Die Wurzel allen Übels…

Die erste Erinnerung, die in unser Gewissen rückt, ist jene, wie der Protagonist eine Frau von einem Trunkenbold beschützt. Bei dem abgewehrten Triebtäter handelt es sich jedoch um einen mächtigen Politiker, welcher das Leben des couragierten Jugendlichen im Nachhinein komplett ruinieren möchte. Er wird nicht nur aus der Schule geworfen, sondern muss auch im Rahmen seines Bewährungszeitraums beweisen, dass er seine Lektion gelernt hat.

Mit dem Umzug nach Tokyo und dem Eintritt in die Shujin Academy bekommt er also eine zweite Chance, doch wenig überraschend laufen die Dinge nicht so wie geplant. Dubiose Unfälle und eine nicht löschbare Handy-Applikation werfen uns in eine mysteriöse Welt, die offenbar nur wir betreten können. Daraufhin finden wir heraus, dass bestimmte Personen regelmäßig ihre Macht missbrauchen, um widerwillige Personen zu brechen. Dies ist die Geburtsstunde des ersten „Phantom Thief“. Wie es weitergeht, werden wir an dieser Stelle nicht verraten. Es lauern jedoch noch viele Intrigen, Herausforderungen und auch Verbündete, um dieses vom Schicksal erzeugte Chaos zu lösen. Dabei kommen auch reale gesellschaftliche Probleme zum Vorschein, die man nicht nur in Japan, sondern auch hierzulande findet.

Das Gameplay – Der Zenit der Persona-Formel…

In Persona 5 stehen vor allem zwei Elemente im Vordergrund: Zum einen das alltägliche Leben in der japanischen Großstadt, in dem sich der Protagonist durch das sinnvolle Strukturieren des Alltags beweisen muss und zum anderen das Kämpfen in den diversen Dungeons - dazu später mehr. Die Schauorte in Tokyo entstammen häufig aus realen Vorbildern wie beispielsweise das menschenumhüllte Shibuya, Shinjuku und das Elektronik-Viertel Akihabara. Allerdings kann der Spieler zu Beginn noch nicht alle Orte betreten, viele kommen erst im weiteren Verlauf des Spiels hinzu.

Von besonderer Bedeutung sind stets die sogenannten Confidants, also wichtige Personen, mit denen man im Verlauf des Spiels Freundschaften knüpfen oder gar Beziehungen eingehen kann. Während in Persona 4 die Bündnisse nur zusätzliche Kampf-Kombinationen ermöglichten, schraubte Atlus das System in Persona 5 auf eine ganz neue Ebene. Denn jeder der Confidants hat eine eigene Geschichte und schaltet nach und nach Boni wie Preisnachläse beim Einkaufen, hilfreiche Dienste oder komplett neue Fähigkeiten frei.

Zudem kann der Spieler weitere Orte in Tokyo durch das Lesen von Magazinen erkunden und die neuen Gegenden alleine oder mit Freunden besuchen. Generell bietet Persona 5 eine ganze Menge an Möglichkeiten: Sei es der Besuch von Restaurants, der Teilzeitjob im Supermarkt, ein Ausflug in einen Freizeitpark oder das Trainieren im Fitnessstudio. Obwohl der Protagonist offiziell noch ein Oberschüler ist, erinnert das Leben eher an das eines Studenten, welcher komplett für sich selbst verantwortlich ist.

Wichtig für den Alltag sind auch die sogenannten Stats, also die sozialen Kompetenten, die man während des Spiels erweitern muss. Diese teilen sich auf in Knowledge (Intelligenz), Guts (Mut), Proficiency (Fertigkeit), Kindness (Freundlichkeit) und Charm (Charme). Um beispielsweise bei den Examensprüfungen gut abzuschneiden, ist ein gewisses Maß an Intelligenz notwendig, wofür man wiederum regelmäßig Zeit zum Pauken aufwenden muss.

Kritisch ist allerdings, dass für das gesamte Alltagsleben nur eine begrenzte Zeit zur Verfügung steht, die sich auch nicht erweitern lässt. Will man beispielsweise seinen Charme erhöhen, um ein Mädchen zu einem Date einzuladen, muss man womöglich aufs Lernen verzichten und so ein schlechteres Ergebnis in den Prüfungen in Kauf nehmen. Anderseits hat man dann weniger Zeit zum Arbeiten, um Geld für neue Ausrüstung und Items zu verdienen. Der Spieler muss also selbst planen, welche Aktivitäten er wann durchführen will - Zeitmanagement ist hier das Stichwort.

Das Kampfsystem ist nach wie vor rundenbasierend, womit sich die Serie treu geblieben ist. Dies ist auch keineswegs schlecht, denn ATLUS hat keinen Stein auf den anderen gelassen. Es ist viel mehr der Zenit der Serien-Formel, welcher bei Persona 5 nur so vor Coolness strotzt. Auf der einen Seite wurde das gesamte Layout so optimiert, dass die Bedienung optisch ansprechend ist. Anderseits bleibt die Befehlsübersicht dennoch stets übersichtlich. In den Kämpfen selbst kann man bis zu drei Freunde mitnehmen, welche je nach Kampfstil entweder selbst agieren oder direkt vom Spieler gesteuert werden können.

Neben den üblichen Fähigkeiten kommen nun auch Schusswaffen zum Einsatz, welche so manche Gegner kritisch zu Boden gehen lassen. Diese haben jedoch nur eine begrenzte Anzahl an Munition und müssen daher sparsam eingesetzt werden. Den wahren Meisterstreich machte jedoch der japanische Entwickler mit der Gegnerwahl. Denn statt wilden Kreaturen kämpft der Spieler gegen andere Personas, also eigene Persönlichkeiten. Diese halten sich für Schatten und zeigen daher im Kampf keine Gnade. Sobald jedoch die gesamte Gegner-Gruppe am Boden liegt, kann der Protagonist eine Verhandlung beginnen, um sich das Wesen anzueignen oder aber, um Geld oder Items zu erpressen - das klappt nicht immer erfolgreich. Dieses Feature wurde zuletzt vor 17 Jahren in Persona 2 verwendet.

Eine weitere Mechanik, mit der jeder Spieler umgehen können muss, ist das Fusionieren von Personas. Denn mit jedem Dungeon werden die Gegner stärker und raffinierter. Nur durch das Kombinieren können Schwächen ausgemerzt und starke Fähigkeiten erlernt werden. Allgemein muss gesagt werden, dass wir selbst mit dem normalen Schwierigkeitsgrad alle Hände voll zu tun hatten. Viele Widersacher waren nicht nur ausgeklügelt, sondern so stark, dass sie uns oft genug zum Game Over-Bildschirm warfen.

Ein weiterer Grund dafür ist, dass die Dungeons im sogenannten Metaverse nicht mehr autogeneriert sind - das war noch ein großer Kritikpunkt beim Vorgänger. Jedes Level wurde von Hand entworfen, um konstant neue Überraschungen, aber auch Hürden und Fallen bereit zu halten. Das sieht man auch schnell an den kreativen Designs, welche an die Gegebenheiten der Story angepasst sind. Doch an dieser Stelle möchten wir nicht zu viel verraten, da die Dungeons jeweils fest mit dem Hauptgeschehen verflochten sind.

Überlebenswichtig sind im Kampf selbsterklärend die HP-Punkte, die man mit einer Vielzahl an Items regenerieren kann. Magie-Punkte (SP), die man für den Einsatz seiner Persons braucht, können allerdings nicht so einfach wie im Vorgänger aufgeladen werden. Die benötigten Items sind hier äußerst limitiert beziehungsweise müssen aufwendig selbst hergestellt werden. Daher sollte man immer genau überlegen, ob ein Kampf immer ratsam ist. Durch das neue Stealth-System können viele Konfrontationen auch effektiv vermieden werden, sofern man schnell und geschickt vorgeht.

Die Besonderheiten – Musik und Artstyle

Wer das Persona-Franchise kennt, wird sich dank Musikdirektor Shoji Meguro schnell wie zuhause fühlen. Denn dieser konnte nicht nur erneut erstklassige Titel produzieren, sondern fand auch einen soliden Ersatz für die ehemalige Lead-Sängerin Shihoko Hirata in Form von „Lyn“. Mit Tracks wie „Life Will Change“ soll eine klare Brücke zu Persona 4 geschlagen werden, ohne dabei zu identisch zu klingen. Ohrwürmer stehen sicherlich für so manch einen Fan bereit. Generell gibt es für jeden Dungeon eine eigene Hintergrund-Musik, im Alltagsleben variiert diese je nach Tageszeit und Location. Dabei fügen sich die Musikstücke stets perfekt in das Spiel ein und tragen maßgeblich zur sehr guten Atmosphäre bei.

Was ebenfalls einen Auftritt im Rampenlicht verdient, ist das sensationelle Art-Design. Während die Ingame-Grafik definitiv nicht an die Grenzen der PS4 stößt, ist sie zumindest zweckdienlich. Um kein vergleichbares Problem wie in Mass Effect Andromeda zu bekommen, werden die primären Emotionen durch die Konversationsfenster mit passenden Avataren übermittelt. Jede Figur besitzt eine Reihe von animierten Sprites, welche einen großen Teil der Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Die 3D-Objekte erledigen den Rest durch die Gestikulation und die umwerfende Synchronisation. Wie von ATLUS versprochen, kann diese nach der Installation eines Addons aber auch auf Japanisch umgestellt werden - ob dies ratsam ist, hängt von der Präferenz des jeweiligen Spielers ab. Eine deutsche Sprach- oder Textausgabe gibt es leider nicht, daher werden zum Zocken zumindest gewisse Grundkenntnisse in Englisch vorausgesetzt.

In Bereichen wie dem Menü wird ebenfalls klar, wie intensiv der künstlerische Aspekt ausgekostet wurde. Überall erhalten die jeweiligen Charaktere Spotlights mit detaillierten Zeichnungen und Animationen. Besonders das Ende eines Kampfs durch den „All Out Angriff“ stellt die Natur des jeweiligen Helden in einem aufwändigen Gesucht-Poster dar. Auch die Übergänge von Ladebildschirmen sind Kunstwerke, welche nur zu gerne vernachlässigt werden. Nicht zuletzt lebt Persona auch von den erstklassigen Anime-Sequenzen, welche regelmäßig in Form von Cutscenes vorkommen.

Das Fazit – Ein neuer Titan besteigt den Olymp der RPGs

Mit Persona 5 wurde Spielern eine exzellente Fortsetzung zum letzten Teil geboten. Während die Geschichte an einem anderen Ort mit anderen Charakteren spielt, hat ATLUS an den richtigen Schrauben gedreht und das Gameplay an vielen Stellen noch einmal verbessert. Das Ergebnis ist ein hervorragendes JRPG, welches nicht umsonst als eines der besten seiner Klasse gehandelt wird.

Ebenfalls ist die Hingabe zum Detail beeindruckend, mit der ATLUS die Stadt Tokyo zum Leben erwecken konnte. Orte wie Shibuya besitzen sogar typische Attraktionen wie die Hachiko-Statue. Spieler erhalten tatsächlich eine authentische Geschmacksprobe über das Leben in Japan. Doch was genau macht Persona 5 richtig und was falsch? Um diese Fragen kurz und knapp beantworten zu können, präsentieren wir nachfolgend unsere Pro und Kontra-Diskussion.

Für Persona 5 spricht zunächst die Liebe zum Detail. Ob es nun die lebenserweckenden Orte, die ausgeklügelten Charaktere oder das aufwendige Art-Design ist: ATLUS hat an keinen Ecken gekürzt. Kritik-Punkte aus den letzten Titeln, wie etwa das zu öde Leveldesign, wurden nicht nur ausgemerzt, sondern an vielen Stellen weit übertroffen. Dungeons sind nun authentisch, vielseitig und präsentieren immer wieder neue Herausforderungen. Hinzu kommen die stets coolen Inszenierungen einerseits und schier grenzenlosen Möglichkeiten in Tokyo anderseits zum Vorschein. Diese schon fast religiöse Hingabe zum Titel ist heutzutage bei den wenigsten Entwicklern zu sehen. Einen finalen Pluspunkt vergeben wir für das kostenlose Bereitstellen der originalen japanischen Tonspur sowie kleinen Hilfs-Paketen.

Gegen den Titel spricht aus technischer Sicht lediglich die mittelmäßige Ingame-Grafik. Nervig ist zudem der Charakter Morgana: Er bestimmt zu viele Aspekte des Alltags - zum Beispiel, wenn er uns wieder einmal zum Schlafen zwingt. Nicht negativ, aber möglicherweise gewöhnungsbedürftig ist außerdem, dass das Spiel einige Zeit benötigt, bis alle Möglichkeiten des Spielers offenstehen - das hat aber in vielen JRPGs Tradition und wird von Fans auch geschätzt.

Persona 5 ist die Antwort auf viele Fragen in der Gaming-Branche. Es ist nicht nur ein ausgezeichnetes Rollenspiel, sondern auch der Beweis, dass genug Zeit das wichtigste Element für eine erstklassige Produktion ist. Die vergangenen Jahre wurden häufig von Entwicklern geprägt, welche teils beschämende Produkte veröffentlichten. Umso erfrischender war es, einen Titel testen zu können, dem man den Grad an Detail immer wieder ansehen kann. Wir haben mittlerweile über 50 Stunden in das Abenteuer investiert, für einen gesamten Spieldurchlauf sollte man aber mindestens 80 bis 100 Stunden einplanen.

In der Summe können wir Persona 5 mit gutem Gewissen eine redaktionelle Empfehlung aussprechen. Auch hoffen wir, dass sich andere Entwicklerstudien ein Beispiel an ATLUS nehmen. Wer hier nicht zugreift, verpasst ein wichtiges Stück RPG-Geschichte, wenn nicht sogar einen Must-Have-Titel für die Playstation 4.

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