Test: Resident Evil 7 im Praxistest

Gut vier Jahre nach dem Release von Resident Evil 6 veröffentlicht Capcom den nächsten Teil der bekannten Horror-Serie. Nach einiger Kritik beim letzten Ableger konnte man bereits in den Trailern erahnen, dass Capcom diesmal wieder zu den Wurzeln zurückfinden will und den Fokus weg von der Action und hin zum Horror-Genre verschiebt. Ob das dem japanischen Unternehmen geglückt ist, haben wir für euch getestet und die PC-Version einem Praxistest unterzogen.


Alles begann im März 1996: Resident Evil erschien auf dem Videospielemarkt, im Heimatland Japan bekannt unter dem Namen „Biohazard“. Mit Rätseln, vielen Zombies und wenig Ressourcen musste man sich durch die verlassene Spencer-Villa kämpfen - der Urvater des Survival-Horrors war geboren. Das Spiel gewann quasi über Nacht eine große Fangemeinde, die im Laufe der Zeit noch weiter wachsen sollte. Die Reihe bekam über die Jahre einige Nachfolger und immer wieder kleinere Ableger wie Resident Evil: Survivor oder Resident Evil: Dead Aim. Mit Resident Evil: 4 jedoch hat es Capcom geschafft, die Fangemeinde zu spalten. In diesem Teil wurde das Konzept stark abgeändert und der Fokus verschob sich von Horror zu mehr Action. Diese Schwerpunktverschiebung wurde in Teil 5 und 6 sogar noch gesteigert. Mit dem jüngsten Ableger der Serie plant das japanische Entwicklerteam wieder, zu ihren Ursprüngen zurückzukehren und den Fans wieder ein „echtes“ Survival-Horror Spiel zu kredenzen.

Story und Gameplay - Einsam im Herrenhaus

Der Spielfluss findet durchgehend in der Egoperspektive statt und beginnt damit, dass der Protagonist Hinweise von seiner verschollen geglaubten Frau Mia findet. Natürlich machen wir uns auf den Weg, die holde Dame zu retten. Unsere Suche führt uns zu einem vermeintlich verlassenen Herrenhaus - da werden Erinnerungen wach. Am Ziel angekommen wird dem Spieler klar, dass Fremde eindeutig nicht willkommen sind. Aber die Liebe ruft, also werden alle Warnungen ignoriert, um ins Innere des Gebäudes zu gelangen. Dumm nur, dass direkt hinter uns die Haustür zufällt und wir „eingeladen“ werden, die darin hausende Baker-Familie etwas näher kennenzulernen.

Mehr können wir aber nicht verraten, ohne zu spoilern. Man kann aber sagen, dass die Story mit circa acht bis zehn Stunden Spielzeit nicht sonderlich lang ist, dafür jedoch stetig ordentlichen Spielinhalt bietet. Statt der Welt den X-ten Todesvirus der Zerstörung aufzuhalsen, wirkt das neue Setting erfrischend unverbraucht. Gerade das letzte Drittel wartet mit unerwarteten Wendungen und interessanten Verknüpfungen zu bekannten Charakteren auf.

Eine frische Story, gepaart mit einem neuen, alten Survival-Horror Setting - exzellent. Und danke Capcom, dass es endlich keine Quicktime-Events mehr gibt. Kurze Erklärung für Frischlinge: Als Quicktime-Events (kurz QTE's) bezeichnet man Zwischensequenzen, in denen eine bestimmte Tastenfolge (oft auch mehrfach) auf dem Spielbildschirm angezeigt und vom Spieler möglichst schnell eingegeben werden muss. Diese sehr künstliche Methode zur Aufrechterhaltung der Spannung ist bei vielen Spielern verpönt. Die so erzeugte "Spannung" überwiegt dann und man kann die Sequenz an sich nicht mehr genießen. Ebenso ist man kein Elitekämpfer mehr, sondern nur ein einfacher Ehemann. Entsprechend gibt es außer dem Messer und wenigen Feuerwaffen kaum Möglichkeiten, sich physisch zu verteidigen. Oft hilft so nur noch die Flucht. In den meisten Fällen ist dies auch der sinnvollere Weg, um Munition und Heilungskräuter zu sparen.

Unterstrichen wird das Gameplay durch die gelungenen Zwischensequenzen, denn diese darf der Spieler selbst spielen. Zwar sind diese weitestgehend optional, für manche Rätsel, die es wieder häufiger gibt, jedoch unumgänglich. Demnach empfiehlt sich der Druchlauf dieser Sequenzen, wenn man sich ohnehin damit beschäftigen muss. Nach dem knapp geratenen Vergnügen lädt das Spiel dank freispielbarer Gadgets und Sammelobjekten wie Antiken Münzen zu einem weiteren Durchlauf ein.

Positiv fällt das Item-Inventar auf. Auch hier besinnt sich Capcom auf alte Tugenden, denn der Platz für Waffen und Heilung ist wie auch deren Verfügbarkeit ist stark begrenzt. Zwischenzeitlich muss man unter anderem die Entscheidung treffen, ob man nun Munition oder Heilung herstellen möchte. Es sei noch erwähnt, dass es im Prinzip genau zwei Gegnertypen gibt - zwar in einigen Varianten, die sich jedoch nur marginal unterscheiden. Das klingt etwas enttäuschend, jedoch passt die Wahl der Gegner grundsätzlich sehr gut ins Setting und ist damit nicht weiter störend. Auch die Bosskämpfe sind schweißtreibend, was allerdings eher am chronischen Munitionsmangel denn komplexer Strategien liegt.


Grafik - Realistischer Monsterschleim

Entwickler Capcom hat schon in früheren Teilen bewiesen, dass sie Grafisch up-to-date sind. Die Texturen wirken realistisch, die Personen und Gegner sehr authentisch und auch auf Details wird geachtet. Das Ingame-Menü wirkt passend und durchdacht, auch die Umgebung wirkt buchstäblich erschreckend echt.

Technisch bekommt der Spieler bei Resident Evil: 7 nur Standardkost und PC-Spieler werden leider wieder mit einem Konsolenport abgespeist. Resident Evil 7 bietet keine Unterstützung für mehr als eine Grafikkarte und benutzt grundsätzlich nur einen einzigen CPU-Kern. Entsprechend schwach ist die Performance auch in UltraHD-Auflösung. In niedrigeren Auflösungen blieb die Framerate aber konstant.

Sound - Holzdielen statt Maschinengewehrsalven

Die akustische Untermalung ist jederzeit passend gewählt und baut eine sehr gute Atmosphäre auf. Wenn man durch die endlos scheinenden Räume schleicht, wirkt die Umgebung sehr real. An einer Stelle tropft der Wasserhahn, die Bodendielen knarren und in Kombination mit dem digitalen Streichorchester sinkt der Puls so schnell nicht mehr.

Aus den Nebenräumen hört man vereinzelt Schritte oder Türen. Die Stimmen sind relativ Lippensynchron. Unser Favorit ist die englische Sprachausgabe.
Auch für das Gameplay spielt der Sound eine wichtige Rolle: Mit einem aufmerksamen Ohr lassen sich frühzeitig Gegner orten und entsprechend Fluchtwege planen, denn das ist für viele Situationen definitiv notwendig.

Die Zusammenfassung- Ein neues altes Resident Evil

Mit durchschnittlich neun Stunden ist die Story relativ kurz geraten. Auch technisch schwächelt das Spiel, zumindest aus Sicht eines PC-Spielers - da hat Capcom einiges an Potential verschenkt. Der Grund dafür liegt noch nicht einmal bei Faulheit oder Inkompetenz, sondern der Erfahrung, dass das Spielegeschäft im Konsolenbereich für Entwickler lukrativer ist als bei PCs. Das ist sicherlich auch der Grund, warum das Spiel Virtual Reality (vorerst) nur auf der Playstation unterstützt. Was jedoch spielerisch geboten wird, ist sehr gut und dürfte genau den Nerv vieler Horror- und Survival-Fans treffen. Und ein Resident Evil der alten Schule und genau das, wonach sich Fans der Serie seit Teil 4 gesehnt haben.


Empfehlen wir Resident Evil 7 ? Ja. Wer die alten Teile mochte, wird sicherlich Spaß mit dem jüngsten Ableger der Serie haben. Trotz technischer Schwächen fesselt das Teil 7 vom Anfang bis zum Schluss, und zwar unabhängig von der Spieleplattform. Wer jedoch einfach nur „drauf Losballern“ will, der ist hier definitiv an der falschen Adresse. Weitere Add-Ons sind angekündigt, ein genaue Erscheinungstermine stehen jedoch noch nicht fest. Wir jedenfalls haben unseren Kurzurlaub bei der Baker-Familie genossen uns müssen jetzt erstmal die Hosen wechseln.

Kommentare

Noch keine Kommentare abgegeben. Sei der Erste und teile der Welt deine Meinung mit!

Zum Thread im Forum

Anzeige

Preisvergleich

Verwandte Themen