Test: Sniper Ghost Warrior 3 im Test (PC)

In Spielen wie Battlefield oder Call of Duty sind Sniper chaotische Triathleten, dessen höchstes Gut ein Treffer ist, bei dem das Visier nur für Millisekunden angelegt wurde (Quickscope). Doch diese Darstellung könnte natürlich nicht ferner von der Realität sein. Eine tatsächliche Abbildung lieferte jedoch CI Games, welche im Jahr 2010 den Sniper Ghost Warrior-Franchise etablierte. Seitdem gibt es bereits zwei Teile. Mehrere Jahre später ist das polnische Studio nun mit Teil 3 zurück.


Run and Gun ist in den populärsten Shootern Gang und Gebe, nicht jedoch in Sniper Ghost Warrior. Denn in diesem Franchise ist Geduld und Köpfchen Programm. Mit Sniper Ghost Warrior 3 möchte CI Games nicht nur die beliebte Simulation fortsetzen, sondern noch realistischer gestalten. Dies soll durch den Einsatz der CryEngine ermöglicht werden, welche für fabelhafte Visuals in Titeln wie Crysis sorgte. Wir haben uns die Marine-Stiefel von „Jonathan North“ angezogen und einen Abstecher an die Grenze der ehemaligen Sowjetunion gemacht. Ob sich die polnische Produktion wirklich lohnt, werden wir ihm Rahmen dieses Tests klären.

Die Handlung – Krieg ändert sich nie…

Wir sind Captain Jonathan „Jon“ North. Ein kampferprobter Elite-Soldat aus bescheidener Herkunft. Unsere Geschichte beginnt als Kadett. Wir suchen unseren kleinen Bruder, welcher im Wald leere Flaschen abschießt. Es ist der letzte Moment Ruhe, da am nächsten Morgen bereits der Afghanistan-Einsatz wartet. Unsere Erinnerungen verblassen und wir kommen in einem fliegenden Helikopter zu uns. Wir sind deutlich älter und fliegen an der russischen Grenze zu der Ukraine. Dort befindet sich eine Fabrik voller sowjetischer Biowaffen, welche von Terroristen begehrt werden. Wir suchen das gesamte Areal ab, nutzen unseren Sniper-Sinn und auch technische Gadgets wie die Erkundungsdrohne oder dem C4. Nachdem die Sprengladung angebracht ist, werden wir von einer schwer bewaffneten Einheit aufgehalten. Unser Kamerad wird sofort entführt, während uns der Antagonist eine Chance zum Überleben gibt. Und zwar lädt er lediglich zwei Kugeln in seinen Revolver und richtet die Waffe auf uns.

Der Abzug wird betätigt, die Revolvertrommel dreht sich doch keine Kugel verlässt den Lauf. Ein zweites Leerlauf-Klicken ertönt, welches von einem finalen Dritten verfolgt wird. Das Glück war auf unserer Seite, wir überleben. Doch dies hält nicht die restlichen Soldaten auf uns übel zuzurichten. Ein weiterer Zeitsprung findet statt. Zwei Jahre nach dem Fabrik-Desaster finden wir uns in Georgien wieder.

Die Mission ist nun klar: Wir müssen die georgische Separatisten-Zellen destabilisieren, welche an abnormale Geldbeträge gekommen sind. Uns geht es jedoch weniger um den Frieden, sondern um unseren kleinen Bruder, welcher ebenfalls dort stationiert wurde. Doch die Ereignisse eskalieren vehement und laufen – wie immer – nicht nach Plan. Was genau passiert, müsst ihr selbst herausfinden!

Das Gameplay – Realismus als oberstes Gebot…

In den gängigsten Shootern besitzt der Schützte ein dreiteiliges Set. Zum einen die Primär- und Sekundärwaffe zum anderen das Granaten-Gadget sowie ein Erkundungstool. In Sniper Ghost Warrior 3 ist dies nicht der Fall. Denn der Spieler ist nicht nur bis auf die Zähne bewaffnet, sondern besitzt eine Reihe von Extras wie zum Beispiel die Drohne, explosive Munition oder Modifikationen für die Hauptwaffen. Sogar Wurfmesser, diverse Gasgranaten und ein Bogen (im Seasonpass) können verwendet werden. Dieses Level an Ausstattung ist auch notwendig, denn CI Games präsentiert erstmalig eine offene Welt voller spontan auftauchender Gegner. Zudem besitzt jeder Ort eine Sicherheitsstufe. In der Höchsten etwa wimmelt es nur so vor Widersachern. Der Scharfschütze selbst entscheidet jedoch, ob die Hauptgeschichte verfolgt oder doch lieber eine Nebenmission erledigt wird. Letzteres wird in der Karte als „Kriegsverbrechen“ markiert.            

Auch wenn das Sniper-Gewehr das Fundament des Kämpfens bildet, wird der Spieler trotzdem nicht stundenlang im Dreck liegen und auf die eine goldene Gelegenheit warten müssen. Denn der Protagonist besitzt solide Parkour-Fähigkeiten, mit denen kein Hindernis zu hoch ist. Auch können Gadgets wie ein Seil benutzt werden, um die Abhänge hinunter klettern zu können. Die Welt selbst bietet viele zusätzliche Möglichkeiten, Erfahrungspunkte zu sammeln. Denn es gibt viele Stationen, welche alá Far Cry liberalisiert werden können. Darüber hinaus können regelmäßig Geiseln gerettet, Tiere gejagt oder Scharmützel ausgefechtet werden.

Die Hauptspeise ist jedoch zweifelsfrei die Berufung des Scharfschützens. Hier unterteilt sich das Gameplay in drei aufeinander bauenden Etappen. Es beginnt mit der Aufspürung des Ziels, was eigentlich selbsterklärend ist. Im Anschluss folgt die Vorbereitung; das Areal muss nach zusätzlichen Gegnern abgesucht werden. Denn deckungsloses Schleichen oder ungedämpfte Schüsse würden feindliche Soldaten sofort alarmieren. Zudem gehört zu Phase zwei auch die Sicherstellung einer Fluchtroute, um aufgebrachten Soldaten aus dem Weg zu gehen.

Schließlich kommt der letzte Teil der Mission. Und zwar die Liquidierung des Ziels. Wer glaubt, das Target einfach ‚abknallen‘ zu können, irrt. Denn alle Faktoren müssen vor dem Schuss in Betracht gezogen werden. Auf der einen Seite die Kalibrierung des Scharfschützengewehrs, zum anderen die Kalkulation des Windes, durch den die Schusslaufbahn maßgeblich beeinflusst wird. Und ein verfehlter Feind ist ein wütender und dazu auch ein paranoider Feind, welcher nicht freiwillig aus der Deckung kommen wird. Somit gibt es eine strategische Alternative zum Run’n’Gun- Konzept, welches die FPS-Szene unbedingt benötigt.

Der Multiplayer – Bitte gehen Sie weiter…

Aus technischen Gründen konnte CI Games den Multiplayer-Modus nicht zum Verkaufsstart implementieren. Dieser wird jedoch schnellstmöglich nachgereicht. Daher behandeln wir Sniper Ghost Warrior 3 vorerst als ein Singleplayer-Abenteuer. Sobald das polnische Studio den Mehrspieler-Part veröffentlicht, kann diese Rubrik aktualisiert werden.

Das Thema, die Grafik, der Sound – Das Leben im Schatten…

Wenn das Thema Authentizität im Mittelpunkt steht, ist die Diskussion um den Sound und dem Key Visual nahezu überflüssig. Zum Beginn wechseln wir in kürzester Zeit drei Mal das Areal. Wir sind so in einem amerikanischen Wald, in einer russischen Bergtundra und im Anschluss im fernöstlichen Armenien. Und zum Glück liefert CryTeks CryEngine das, was es verspricht: realistische Lichteffekte, Reflektionen und überzeugende Areale. Auch wenn die menschlichen Animationen recht grob wirken, sind diese mehr als zweckdienlich.

Generell zeigte der Entwickler viel Liebe zum Detail, deshalb auch kleine Elemente wie Fußstapfen logisch verteilt sind und Informationen über die Anzahl von Soldaten oder Wildtieren gibt. Schließlich überzeugt auch die Soundkulisse, durch die wir auf eine akustische Reise in die jeweiligen Areale gingen. Schusswaffen klingen mächtig, Hintergrundklänge laden zum Genießen der ansehnlichen Orte ein und durch genaues Hinhören bei den Soundeffekten konnten wir so manch einen Nahkampf-Takedown vorbereiten.

Das visuell überzeugende Gesamtpaket kommt jedoch mit einem ordentlichen Hardware-Hunger daher. Um eine Übersicht zu wahren, haben wir die Systemanforderungen in dieser Übersicht zusammengefasst.

  • Mindestanforderung
  • OS: Windows 7/8.1/10 64-Bit
  • CPU: Intel i5 6600K 3,5 GHz oder AMD FX-6350 3,9 GHz 
  • Arbeitsspeicher: 8 GB RAM
  • Grafik: Nvidia GeForce GTX 660 2GB oder AMD 7850 2GB
  • DirecX: DX11 
  • Speicherplatz: 50 GB freier Speicher
  • Zusätzliche Voraussetzung: Muss per Steam aktiviert werden.
  • Empfohlen:
  • OS: Windows 10 64-Bit
  • CPU: Intel i7 4790 / AMD FX 8350 oder equvivalent
  • Arbeitsspeicher: 16 GB RAM
  • Grafik: Nvidia GeForce GTX 1060 3GB / AMD Radeon RX 480 4GB oder besser
  • DirecX: DX 11
  • Speicherplatz: 50 GB freier Speicher
  • Zusätzliche Voraussetzung: Muss per Steam aktiviert werden.

Das Fazit – Frischer Wind in der FPS-Segel…

Wir haben das fassettenreiche Gameplay besprochen, die Grafik und auch die Handlung erläutert. Konnte uns das junge, polnische Entwicklerteam überzeugen? Und die Antwort ist: ja und nein. Die PC-Max-Redaktion steckt voller FPS-Veteranen. Umso größer war die Freude, als CI Games einen Titel ankündigte, der die gegebenen, nicht immer positiven Regeln der Shooter-Szene über den Haufen rennt. Sniper Ghost Warrior 3 gleicht eher einem Schachspiel. Denn jede Handlung wird geplant, vorbereitet und exekutiert. Es ist eine Hommage an Scharfschützen und die Brillanz, mit der sie arbeiten. Eine Kette von technischen Problemen vereitelt jedoch das ansich tolle Endprodukt. Nachfolgend haben wir eine Pro- und Kontra-Diskussion angehängt, in der wir unsere Impressionen zusammenfassen.

Für Sniper Ghost Warrior 3 spricht das komplette Franchise-Overhaul. Statt die Serie linear fortzusetzen, wurde eine semi-offene Welt implementiert, die mit genug Checkpoints und Nebenaktivitäten aufwartet. Das gesamte Gameplay wurde modernisiert und auch für Freunde des hektischen Kämpfens zugänglicher gestaltet. Das Ganze wird durch die detailreiche Grafik und der soliden Geräuschkulisse unterstrichen. Speziell die Kampagne besitzt viele Missionen, welche sich nie ähneln und eine gescheite Handlung vermitteln. Überhaupt erfreuten wir uns an der Vielzahl von Gadgets, mit denen Erkundungen wesentlich unterhaltsamer wurden.

Gegen Sniper Ghost Warrior 3 spricht die Masse an banalen Nebenmissionen. Diese sind zu repetitiv und werden durch die oft gleich wirkenden Areale nur noch langweiliger. Ein klares Zeichen, dass weitaus weniger Geld in die Sidequests, als in die Kampagne geflossen ist. Während es die wohl besten Scharfschützen-Einlagen bietet, sind Elemente wie Gegnervielfalt komplett vernachlässigt worden. Schließlich hat uns auch die unreine Exekution der Open World gestört, welche zu viele Barrieren und Ladezeiten beinhaltete.

Sniper Ghost Warrior 3 ist ein Titel, welcher von einem kleinen, polnischen Team angefertigt wurde. Der dritte Ableger sollte das Debüt in der AAA-Szene sein. Dies klappte jedoch nicht zu 100%. Denn während Branchen-Größen wie EA, Ubisoft und Rockstar finanzielle Reserven in neunstelligen Bereichen haben, besitzt CI Games wahrscheinlich einen kleinen Bruchteil davon. Dennoch kann sich die Scharfschützen-Simulation sehen lassen. Es ist ein gelungenes Spiel, in denen Elemente wie Grafik und Sound mit einem interessanten und realistischen Gameplay gepaart wurden. Selbst große Sprünge wie die Semi-Open-World wurden gewagt. Leider sind zu viele Kanten grob um eine vollwertige Kaufempfehlung auszusprechen.

Aktuell kostet das Spiel jedoch 40 Euro bei Amazon (05/2017) und ist damit deutlich unter dem regulären Neupreis vieler anderer Spiele-Neuheiten. Wer also die Indie-Produktion selbst ausprobieren möchte, muss nicht einmal die horrenden aber gängigen 70 bis 80 Euro bezahlen.

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