Test: Huawei Nova Smartphone im Test

Mit dem Nova bietet Huawei seit Dezember 2016 ein kompaktes Mittelklasse-Smartphone an, welches vor allem mit einem hochwertigem Design punkten soll. Beim Preis zeigt sich der Hersteller trotz der harten Konkurrenz aber selbstbewusst. Ob das Nova in seinem Gebiet überzeugen kann oder doch in der breiten Android-Landschaft untergeht, verraten wir im Test.


Während es bei Displays in Flagschiffen bereits in Richtung der 6-Zoll-Marke geht, finden sich klassische Vertreter der Mittelklasse oft im Bereich unterhalb von fünf Zoll wieder. So auch das Nova, welches Huawei zusammen mit dem größeren Schwestermodell Nova Plus auf der IFA 2016 präsentierte und seit Ende des Jahres verkauft. Dass die Chinesen den Fokus bei der letzten internationalen Funkausstellung auf den Mittelklasse-Markt legen, ist selbsterklärend, denn dort lassen sich auch die meisten Geräte absetzen. Mit einer Preisempfehlung von 399 Euro liegt man aber fast schon in der Oberklasse. Das will das Nova unter anderem mit einer besonders hochwertigen Verarbeitung wett machen, die man sonst nur im Highend-Bereich findet. Das haben wir im Test auf die Probe gestellt und zeigen auch, ob die inneren Werte des Smartphones stimmen.

Lieferumfang und Verarbeitung

Wir haben unser Testmuster in der Farbe Grau erhalten. In einer recht kompakten Verpackung liefert Huawei das Nova, als Zubehör gibt es eine Bedienanleitung, ein Sim-Kartenwerkzeug und Kopfhörer - allesamt in weißer Farbe. Beim Verbindungskabel setzt man auf das moderne USB Typ C, ein Kabel samt Netzstecker bekommt der Nutzer ebenfalls mitgeliefert.

Auch wenn das Nova vielen älteren Huawei-Modellen ähnelt, fällt die elegante und flache Bauweise (7mm Dicke) des Nova positiv auf. Beim Design hat der Hersteller definitiv nicht zu viel versprochen, denn die Verarbeitung ist sehr gut und bedient sich einiger Merkmale aus dem Nexus 6P, welches Huawei damals im Auftrag von Google fertigte. Für Kenner dürfte daher der auffällige Fingerscanner auf der Rückseite nichts Neues sein. Der Scanner ist zumindest mit dem Zeigefinger leicht zu erreichen, bei anderen Fingern endet der Versuch aber schnell in einer Fummelei. Der leicht rot eingefärbte Power-Knopf auf der rechten Seite ist optimal platziert, doch die darüber befindliche Lautstärkewippe erfordert gerne ein Nachkippen des Smartphones, um bedient zu werden.

Die Kanten und die komplette Rückseite des Nova bestehen aus äußerst stabilem Aluminium, zudem wird die Hauptkamera von einem schmalen Glas-Streifen umzogen. Die Vorderseite besitzt ein an den Seiten leicht abgerundetes Display und fügt sich sehr gut in das Aussehen als Ganzes ein. Einzig störend ist der Huawei-Schriftzug unter dem Display, auf den der Hersteller wie so oft nicht verzichten wollte. Eleganter wäre es gewesen, die Vorderseite komplett schwarz zu lassen.

Die Technik im Test

Ein Touchscreen mit 5 Zoll und 1920 x 1080 Pixeln klingt für ein Mittelklasse-Gerät ordentlich. In der Praxis überzeugt das Display dank guter Kontrastwerte und knackigen Farben, wenn auch das Display noch etwas heller sein könnte. Den verbauten Prozessor vermarktet Huawei werbewirksam als "Octacore-CPU", letztendlich handelt es sich dabei um den Snapdragon 625, also einen Klassiker im mittleren Preisbereich. Hinzu kommen 3GB RAM und 32GB interner Speicher, von denen rund 22GB zur Verfügung stehen. In der Summe leistet sich das Nova damit keinen Patzer und liefert stets eine annehmbare Performance bei der alltäglichen Nutzung.

Der Bereich Bildqualität gehört bekanntlich nicht gerade zu den Stärken von Mittelklasse-Geräten. Die Hauptkamera mit f/2.2-Blende und 12 Megapixel kann Videos in 4K aufnehmen, besitzt aber keinen Stabilisator. Mit einer ruhigen Hand und guten Lichtverhältnissen können sich die Aufnahmen aber durchaus sehen lassen - Kontrast, Farbwiedergabe und Dynamik stimmen. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Frontkamera mit 8 Megapixel, mit der entsprechend geringeren Auflösung. Beide Kameras schwächeln stark bei ungünstiger Belichtung, was in der Geräteklasse aber wenig überrascht. Praktisch ist die Schnappschuss-Funktion, mit der ein Foto durch doppeltes Betätigen der unteren Lautstärkewippe geschossen werden kann - das Gerät braucht hierfür in der Regel knapp eine Sekunde.

Als wichtiger Vorantreiber der Netzwerktechnik legt Huawei viel Wert auf schnelle Mobilverbindungen, weshalb neben LTE (Band 20 in Deutschland) auch Bluetooth 4.1, NFC und Wlan-n unterstützt werden. Leider wurde die Konnektivität via USB-C vernachlässigt, denn es wird nur das langsamere USB 2.0 unterstützt. Eine Möglichkeit zum Schnellladen entfällt auch.

Praxistest

Huawei liefert das Nova mit Android 6.0 aus, überspannt das System aber mit der eigenen Benutzeroberfläche EMUI in der Version 4.1. Dieses verleiht ein gewisses "China-Flair", da das Design gerne an typische Android-Geräte fernöstlicher Marken erinnert. Die EMUI wirkt aufgeräumt und minimalistisch, stellt aber standardmäßig keinen App Drawer bereit. Somit werden ähnlich wie bei iOS alle Anwendungen auf dem Home-Bildschirm abgelegt - etwas unverständlich, denn LG hat bereits beim LG G5 erfahren, dass die Android-Nutzerschaft kein Freund solch radikaler Einschnitte ist. Abhilfe könnte hier etwa ein zusätzlich installierter Launcher schaffen, was allerdings nicht für alle Nutzer eine annehmbare Lösung sein dürfte.

Dank der flachen Bauweise und einer Dicke von nur 7 mm sitzt das Gerät sehr gut in der Hand und lässt sich auch einhändig schnell entsperren und bedienen. Bei unserem Praxistest war das Gerät stets flott unterwegs und öffnet alle Apps in kurzer Zeit, auch für's Gaming liefert die Kombination aus dem Snapdragon 625 mit 2Ghz und der Adreno 506 GPU in der Regel immer genügend Leistung. Für das Zocken sowie Multimedia-Anwendungen empfiehlt es sich jedoch, ein gutes Headset zu nutzen, denn sowohl die integrierten Lautsprecher, als auch die mitgelieferten Kopfhörer sind keine optimalen Lösungen für den regelmäßigen Einsatz.

Mit einer Nennkapazität von 3020 mAh klingt die Akkuleistung des Nova zumindest auf dem Papier recht ordentlich. Diese gewisse Vorahnung bestätigt sich auch in der Realität: Die Laufzeiten sind nicht überragend, aber solide. Bei aktiver Nutzung sind etwa fünf bis sechs Stunden zu erreichen, was je nach Nutzung für einen bis zwei Tage ausreicht. Schade ist, wie bereits erwähnt, dass es keinen Quickcharge-Support gibt. Wenig überraschend, aber dennoch unvorteilhaft ist außerdem der fest verbaute Akku.

Fazit

Für das Nova spricht ganz klar das Design, wo sich das Gerät keine Schwäche leistet. Als Gesamtpaket ist auch die Hardware angemessen, womit sich im Alltag keine Performance-Probleme ergeben sollten. Display und Akkulaufzeit sind ebenfalls nicht zu bemängeln, aber eben auch nicht besonders hervor zu heben. Dasselbe gilt für die EMUI-Oberfläche, welche Huawei seinem Modell aufgesetzt hat.

Mittelklasse oder schon Oberklasse? Das Nova befindet sich wohl eher in letzterer, zumindest wenn man das Gerät nach äußeren Maßstäben bewertet. Aber der Preis fällt mit ehemals rund 400 Euro ebenfalls nicht gerade günstig aus, wenn auch das Gerät mittlerweile - je nach Farbversion - schon ab etwa 300 Euro zu haben ist. Doch in diesem Preisbereich haben auch die anderen Hersteller exzellent verarbeitete beziehungsweise leistungsfähige Geräte auf Lager, wie etwa Samsung mit dem Galaxy A5, LG mit dem G5 SE und HTC mit dem etwas älteren, aber nach wie vor gut ausgestatteten A9. Auch das kompakte iPhone SE könnte als Alternative in Betracht gezogen werden. Vor all diesen Geräten muss sich das Nova definitiv nicht verstecken. Aus diesen hervorragen kann es aber letztendlich nicht, genauso wie ein schöner Stern am Himmel letztendlich nur einer unter vielen ist.

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